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Hochwasser in Mitteleuropa 1501

In mehreren Ländern Mitteleuropas gab es schwere Überflutungen. An der oberen Donau, wo es als Himmelfahrtsgieß bekannt ist, weil es um Maria Himmelfahrt (15.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Wetterlage und Einordnung
  3. 3. Hochwasser an der Elbe
  4. 4. Verlauf und Schäden an der oberen Donau
  5. 5. Pegelstände und Durchflussmengen

Überblick

Das Hochwasser in Mitteleuropa 1501 war eine Folge mehrerer Starkregen im Juli und August 1501, zur Regierungszeit König Maximilians. Es traf den heutigen deutschen Alpen- und Voralpenraum sowie Mitteldeutschland, den österreichischen Donauraum und Böhmen. Zunächst traten norddeutsche Flüsse über die Ufer, später kam es wiederholt im Alpenraum zu Hochwasser. Besonders an der oberen Donau wurde das Ereignis als Himmelfahrtsgieß bekannt, weil der Flutscheitel in Passau am 15. August, Maria Himmelfahrt, eintraf. Es zählt dort zu den schwersten Flutereignissen des 2. Jahrtausends; auch Elbe und Oder erlebten ein Ausnahmehochwasser.

Wetterlage und Einordnung

Der Juli 1501 war vermutlich sehr niederschlagsreich. Zeitgenössische Chroniken berichten von Ausuferungen von Isar, Inn, Salzach, Elbe und Oder. Diese räumliche Verteilung wird als Hinweis auf mehrere Vb-Lagen gedeutet. Vb-Lagen sind Mittelmeertiefs, die nordostwärts über Osteuropa ziehen und feuchte Luft aus Süden, Osten bis Norden an den Alpennord- und -ostrand sowie an den Erzgebirge–Sudeten–Karpaten-Bogen führen. Sie können schwere Überschwemmungen in Zentraleuropa und an mitteleuropäischen Flüssen auslösen.

Ab dem Vorabend von Mariä Himmelfahrt soll es zehn Tage ohne Unterbrechung geregnet haben. Für den Alpennordrand werden, vergleichbar mit Juli 1954, August 2002 und Mai/Juni 2013, etwa 400 mm Niederschlag in ungefähr 4–5 Tagen vermutet. Wegen fehlender Pegelstände lässt sich das Ereignis nicht sicher mit dem Magdalenenhochwasser von 1342 vergleichen; dieses dürfte wegen seiner größeren räumlichen Ausdehnung verheerender gewesen sein. Die häufigen Hochwasser dieser Zeit werden mit der Abkühlung am Ende des Mittelalterlichen Optimums und dem Beginn der Kleinen Eiszeit in Verbindung gebracht.

Hochwasser an der Elbe

Im Elbegebiet war das Hochwasser vermutlich eines der schwersten Sommerereignisse der Geschichte. Halle erlebte vom 25. bis 29. Juli 1501 eine Überschwemmung durch die Saale. An der Dresdner Elbbrücke erreichte die Elbe am 16. August bei einem rekonstruierten Abfluss von 5000 m³/s einen Pegelstand von 857 cm. Damit war es der fünfhöchste gemessene Stand: 2002 wurden 940 cm, 1845 877 cm, 2013 876 cm und 1784 ebenfalls 857 cm erreicht.

Hochwassermarken in Meißen und im Dresdner Stadtteil Kaditz liegen über dem Stand von März 1784, aber unter dem von März 1845. Die Hochwassersäule in Kaditz nennt den 18. August 1501 als Höchststand. In Pirna reichte das Wasser bis zur Kanzel der Klosterkirche.

Verlauf und Schäden an der oberen Donau

Großflächige Regenfälle in der zweiten Augustwoche im nördlichen Ostalpenraum und Alpenvorland lösten im Einzugsgebiet der Donau, besonders an Inn, Salzach, Traun und Enns, ein außergewöhnlich großes Flusshochwasser aus. Zeitgenössische Berichte schildern fortgerissene Häuser und ganze Dörfer, zerstörte Brücken, ertrunkene Menschen und Tiere sowie vernichtete Wein-, Obst- und Feldfrüchte. Ob die Quellen konkrete Todesopfer der Flut meinen, bleibt jedoch unklar. Erwähnungen früherer Anwesen können sowohl auf Abwanderung als auch auf Flutopfer hindeuten. Vielfach sind außerdem Grundstücksverluste und neue Grundstücke durch veränderte Flussläufe belegt.

An Alpenflüssen kam es wahrscheinlich zu schweren Vermurungen, also zu Ablagerungen und Überflutungen durch Wasser- und Schlammmassen. Der Salzburgische Oberpinzgau wurde damit überzogen; auch das Salzburger Becken an der unteren Salzach war vermutlich stark betroffen. Danach ließ Erzbischof Leonhard einen ersten Damm von Hallein bis Tittmoning errichten. In Augsburg meldete die Stadtchronik vom 10. bis 14. August heftigen Dauerregen und Überschwemmungen von Lech und Wertach. Bereits in Regensburg war die Donau außerordentlich hoch.

In Passau, am Zusammenfluss von Inn und Donau, erreichte die Flut am 15. August ihren Scheitel. Die Altstadt stand bis auf den Dom St. Stephan unter Wasser, Fahrten bis Neumarkt und Heilig-Geist-Spital waren nur mit Booten möglich, und die Stadt war zehn Tage lang vom festen Land abgeschnitten. Häuser wurden untergraben und stürzten ein. Bei Enns wurde die im Bau befindliche Mauthausner Donaubrücke weggerissen und erst 1505 fertiggestellt. In Melk stand das Wasser in der Marktkirche eine Elle über dem Altar; Häuser wurden zerstört. Auch bei Wien-Nußdorf lag der Wasserstand zwei Meter über den Ständen von 1954 und 2002.

Pegelstände und Durchflussmengen

Für Passau wird heute ein rekonstruierter Wasserstand von 13,2 m und ein Abfluss von etwa 7500 m³/s angegeben. Eine ältere Marke am Rathausturm, die ungefähr 12,00 m am 1972 abgegangenen Pegel Maxbrücke entsprach, war nachträglich Ende des 19. Jahrhunderts angebracht worden und nach neueren Erkenntnissen fehlerhaft. Sie wurde mit der Anbringung der Marke für den 3. Juni 2013 nach oben versetzt. Der Wert von 13,2 m wurde am 2. Juni 2013 mit 12,98 m knapp nicht erreicht. Ob das nicht überlieferte Magdalenenhochwasser vom 22. Juli 1342 noch höher war, ist nur möglich, nicht gesichert.

Flussabwärts lag der Stand in Engelhartszell zwei Meter höher als 1954 und 2002, in Linz einen Meter höher. Für Wien entspräche dies am Pegel Reichsbrücke etwa 10–10,3 m; 1899, 1954 und 2002 lagen die Werte jeweils knapp über 8,6 m, 2013 bei etwa 8,8 m. Eine Schätzung des Hydrographischen Zentralbüros Wien aus den 1930er Jahren ergab maximale Durchflussmengen von 15.000 m³/s in Linz, 14.800 m³/s in Krems/Stein und 14.000 m³/s in Wien. Zum Vergleich beträgt der normale Mittelwasserdurchfluss in Wien 1.700 m³/s. Nach diesen Berechnungen ist die Wiener Donauregulierung mit Neuer Donau und Donauinsel ausgelegt.

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