Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Rüdiger Glaser
Klimavulnerabilität in Deutschland · Hochwasserentwicklung an Donau, Rhein, Pegnitz und Main 1400–2000 · Veränderung der Jahresmitteltemperatur seit dem Jahr 1000 …
Inhalt5 Abschnitte
Kurzüberblick
Rüdiger Glaser (* 11. Oktober 1959 in Ettlingen) ist ein deutscher Geograph. Er ist besonders wichtig für die Historische Klimatologie, also die Erforschung früherer Klima- und Wetterentwicklungen mithilfe historischer Quellen und naturwissenschaftlicher Daten. Seine Arbeit verbindet Physische Geographie, Klimaforschung, Digitale Methoden und Fragen des gesellschaftlichen Umgangs mit Klima- und Umweltveränderungen.
Ein zentrales Merkmal seines Wirkens ist Interdisziplinarität: Glaser verbindet Naturwissenschaften mit Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Grundlagenforschung mit angewandter Forschung. Dadurch untersucht er nicht nur, wie sich Klima und Umwelt verändert haben, sondern auch, welche Folgen dies für Gesellschaft, Wirtschaft, Migration und Gebietsmanagement hatte.
Ausbildung und akademische Laufbahn
Rüdiger Glaser studierte bis 1986 Geographie mit den Nebenfächern Botanik und Verwaltungsrecht an der Universität Würzburg. Seine Diplomarbeit befasste sich mit der Auswertung von Landsat-5-Daten, also Satellitendaten aus der Fernerkundung.
Danach arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Paläoklimaprogramm des BMFT, des Bundesministeriums für Forschung und Technologie, sowie als Geschäftsführer des Gebietsausschusses Spessart-Main-Odenwald. 1991 promovierte er mit einer Arbeit zur Klimarekonstruktion für Mainfranken, Bauland und Odenwald anhand direkter und indirekter Witterungsdaten seit 1500. 1997 habilitierte er sich mit der Arbeit Beiträge zur Historischen Klimatologie in Mitteleuropa seit dem Jahr 1000.
2001 wurde Glaser Professor für Physische Geographie an der Universität Heidelberg. Seit 2004 ist er C4-Professor an der Universität Freiburg. Am dortigen Institut für Physische Geographie ist er außerdem geschäftsführender Direktor.
Forschungsschwerpunkte
Zu Glasers Forschungsschwerpunkten gehören Klimawandel, Historische Klimatologie, Globaler Wandel sowie digitale Verfahren wie Fernerkundung, E-Learning und virtuelle Forschungsumgebungen. Historische Klimatologie meint dabei die Untersuchung vergangener Klimaentwicklungen, oft über lange Zeiträume und mithilfe historischer Quellen. Fernerkundung bezeichnet die Gewinnung von Informationen über die Erdoberfläche aus der Distanz, zum Beispiel mit Satelliten.
Ein wichtiges Thema ist Klimavulnerabilität, also die Verwundbarkeit von Regionen, Gesellschaften oder Wirtschaftsbereichen gegenüber Klima- und Umweltveränderungen. Dazu gehören etwa Untersuchungen zur Hochwasserentwicklung an Donau, Rhein, Pegnitz und Main von 1400 bis 2000.
Im Projekt Transrisk verglich Glaser die deutsch-französische Hochwassergeschichte des Rheins im Oberrheingebiet über die letzten 300 Jahre. Dabei wurden sowohl klimatische Faktoren als auch anthropogene Faktoren untersucht. Anthropogen bedeutet vom Menschen verursacht oder beeinflusst. Die Ergebnisse sollten nicht nur der Forschung dienen, sondern auch eine Grundlage für nachhaltiges Gebietsmanagement bilden.
Im Anschlussprojekt tambora.org entwickelte Glaser mit seinem Team eine virtuelle Forschungsumgebung, abgekürzt VFU. Sie soll umfangreiche klima- und umwelthistorische Datenbestände nachhaltig sichern und zugänglich machen. Forschende können eigene Daten eingeben und auf Daten anderer zugreifen. Dadurch unterstützt tambora.org die Zusammenarbeit in der Historischen Klimatologie.
Auch die Projekte DRIeR, ausgeschrieben Drought impacts, processes and resilience: making the invisible visible, und Clim’ability-Klimaanpassungsstrategien für Unternehmen in der Region Oberrhein behandeln Klimavulnerabilität und die gesellschaftliche Einordnung von Klima- und Umweltveränderungen.
Wissenschaftsvermittlung und Geographie
Einem breiteren Publikum wurde Glaser besonders durch seine 2001 erstmals erschienene Klimageschichte Mitteleuropas bekannt. Das Werk bietet einen geschichtlichen Rückblick, wichtige Informationen zur Klimadebatte und ordnet diese in einen historischen Gesamtzusammenhang ein. Ein Folgewerk zur Klimaentwicklung ab 1800 und zum aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand über den Klimawandel erschien im Dezember 2025 unter dem Titel Klimadämmerung.
Glaser beschäftigt sich auch ausdrücklich mit Regionaler Geographie. Verbreitet sind unter anderem die von ihm mitverfasste und herausgegebene Geographie Deutschlands, die Buchreihe Planet Erde, Europa. Eine Geographie und Global Change. Das neue Gesicht der Erde. Zu seinen regionalen Schwerpunkten zählt neben Mitteleuropa besonders Nordamerika. Sein Interesse am Globalen Wandel führte ihn laut Artikel jedoch in fast jeden Winkel der Erde.
Ein weiteres Kennzeichen seines Wirkens ist die verständliche Darstellung von Wissenschaft in verschiedenen Medien. Dazu gehören populärwissenschaftliche Werke wie Berge aus dem All und Globaler Wandel. Das Buch Die Erde aus dem All verfasste er zusammen mit Reinhold Messner, Stefan Dech, Ralf-Peter Märtin und Peter Sloterdijk.
Glaser wirkte außerdem als Herausgeber und Autor an Lehrbüchern der Geographie mit, darunter Geographie. Physische Geographie und Humangeographie. Dieses Lehrbuch folgt dem integrativen Konzept der „dritten Säule“. Damit ist die Gesellschaft-Umwelt-Forschung als eigener Erkenntnisbereich in der Schnittmenge von Physischer Geographie und Humangeographie gemeint.
Auch in Wissenschaftssendungen war Glaser konzeptionell und medial präsent, etwa in Klimawandel – wie verändert sich der Südwesten? im SWR oder Deutschland, 24 Stunden und Frankreich, 24 Stunden auf ARTE. Hinzu kamen Beiträge zu Nordamerika, Globalem Wandel und Klimawandel in Planet Wissen sowie Radiointerviews.
Beispiele für Bedeutung und Veröffentlichungen
Ein Beispiel für die gesellschaftliche Bedeutung seiner Forschung ist ein Beitrag im Fachmagazin Climate of the Past. Darin wird beschrieben, welche Rolle klimatische Instabilitäten des 19. Jahrhunderts für Migrationswellen aus dem Südwesten Deutschlands in die USA spielten. Der Artikel hebt hervor, dass auch die Vorfahren von Präsident Trump aufgrund ungünstiger klimatischer Verhältnisse zu US-Bürgern wurden, was aktuelle Diskussionen über Klimawandel und Migration in einen historischen Zusammenhang stellt.
Zu wichtigen Publikationen zählen Klimadämmerung: Klimawandel und Gesellschaft in Mitteleuropa seit 1800 - Entwicklungen, Folgen und Perspektiven, erschienen 2025 bei Springer, sowie Klimageschichte Mitteleuropas – 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen, 3. Auflage 2013. Weitere Arbeiten behandeln Migration und Klima im 19. Jahrhundert, Hochwasserrekonstruktionen am Oberrhein seit AD 1480, Global Change, europäische Hochwasservariabilität seit AD 1500, Physische Geographie sowie regionale Geographie Deutschlands, Europas und der Kontinente.
Glaser erhielt mehrere Auszeichnungen und Förderungen. Dazu gehören der Instructional Development Award der Universität Freiburg für 2015 (2014), der Medienpreis der Universität Freiburg für das E-Learning Programm PEMO an die Arbeitsgruppe WEBGEO (2004), der Virtuelle Lehrpreis des Landes Baden-Württemberg, 3. Platz, an die Arbeitsgruppe WEBGEO (2003), ein Stipendium der Kanadischen Regierung im Herbst 2002, ein Forschungsstipendium der Kanadischen Botschaft im Herbst 1999, der Preis der unterfränkischen Gedenkjahrstiftung für die Dissertation (1989) und ein Promotionsstipendium der Bayerischen Staatsregierung von 1987 bis 1988.