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Hethitische Musik

Hethitische Texte beschreiben vor allem die Verwendung von Musik in religiösem Kontext. Grundlegende musikalische Elemente waren Instrumentalmusik und Gesang.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Quellen
  2. 2. Kulturelle Entwicklung
  3. 3. Saiteninstrumente
  4. 4. Blasinstrumente und Schlaginstrumente
  5. 5. Geräuschinstrumente und Rhythmus

Grundlagen und Quellen

Hethitische Musik bezeichnet die Musik des Hethitischen Reichs vom 17. bis zum 12. Jahrhundert v. Chr. sowie der späthethitischen Nachfolgestaaten vom 12. bis zum 7. Jahrhundert v. Chr. Sie ist vor allem durch archäologische Funde und schriftliche Quellen bekannt. Die Texte zeigen Musik besonders im religiösen Zusammenhang: Bei Ritualen wurde gesungen, rezitiert, getanzt und musiziert; manchmal wird auch ausdrücklich gesagt, wann keine Musik gespielt werden durfte.

Grundlegende Elemente waren Instrumentalmusik und Gesang. Dazu kamen Rufe und Geräusche, zum Beispiel durch Klatschen oder rhythmische Schlaghandlungen. Über hethitische Musik ist weniger bekannt als über die gleichzeitige Musik Mesopotamiens und des Alten Ägypten, weil die Überlieferung lückenhafter ist. Musiktheoretische Texte sind nicht bekannt.

Die schriftlichen Zeugnisse stammen aus den bronzezeitlichen Archiven der Hauptstadt Ḫattuša. Sie sind in hethitischer Sprache und Keilschrift verfasst. Archäologische Zeugnisse sind meist bildliche Darstellungen auf Kultgefäßen oder steinernen Reliefs; erhaltene Instrumente oder Instrumententeile sind selten. Wichtige Darstellungen finden sich etwa auf Kultvasen aus İnandık, Bitik und Hüseyindede sowie auf späthethitischen Steinreliefs aus Karkemiš, Maraş, Zincirli, Karatepe und anderen Orten.

Kulturelle Entwicklung

Die Bevölkerung des Hethitischen Reichs war keine ethnische Einheit. Im Norden lebten die Hattier, deren Sprache, das Hattische, im hethitischen Kult häufig benutzt wurde und die großen Einfluss auf die hethitische Kultur hatten. Im westlichen und südlichen Anatolien lebten die mit den Hethitern nahe verwandten Luwier; bei ihnen scheint das Musikhorn im Kult eine besondere Rolle gespielt zu haben. In hethitischen Texten sind mehrere Liedanfänge in luwischer Sprache überliefert. In der späten Reichszeit wirkten die Hurriter stark auf die hethitische Religion ein. Aus Ugarit stammen hurritische Hymnen mit den ältesten Melodie-Notationen.

Die Musikgeschichte lässt sich in drei Phasen gliedern. Aus vorhethitischer Zeit stammen vor allem archäologische Funde von Geräuschinstrumenten. Am besten belegt ist die Musik der hethitischen Reichszeit. Nach dem Untergang des Reichs um 1180 v. Chr. entstanden im südöstlichen Anatolien und in Syrien späthethitische Fürstentümer. Ihre luwischen Texte sagen wenig über Musik, doch Reliefbilder zeigen Musiker und Instrumente sehr detailliert. Mit der endgültigen Unterwerfung dieser Kleinstaaten durch die Assyrer im 7. Jahrhundert v. Chr. enden auch die Zeugnisse hethitischer Kultur und Musik.

Saiteninstrumente

Die Leier ist das am besten bezeugte Instrument. Ihr hethitischer Name ist zinar; in Sumerogrammen erscheint sie als „Ištar-Instrument“. Es gab große und kleine Leiern. Beide Arten konnten abwechselnd gespielt werden, offenbar aber nicht zusammen. Leiern wurden von Musikern oder Kultsängern gespielt; nur ein Text nennt leierspielende Frauen.

Die große Standleier war etwa zwei Meter hoch und wurde nach Bildzeugnissen von zwei Männern gleichzeitig gespielt. Die Zahl ihrer Saiten ist unbekannt. Sie wurde häufig bei Kulthandlungen verwendet, manchmal zur Begleitung von Gesang oder zusammen mit Trommeln und anderen Instrumenten. Die kleine Leier hatte ungefähr zehn Saiten und wurde bei Trinkzeremonien meist allein von Kultsängern gespielt. Heilige Leiern konnten wie Kultgeräte verehrt werden: Sie wurden gesalbt und erhielten Trank- und Speiseopfer. Die Wendung von der „süßen Botschaft der Leier“ lässt vermuten, dass sie als Vermittlerin zwischen Opfergemeinschaft und Gottheiten verstanden werden konnte.

Auch Langhalslauten sind gut belegt. Sie konnten allein oder zu Gesang und Tanz gespielt werden und hatten in hethitischen Ritualen neben der Leier eine wichtige Stellung. Bildliche Darstellungen zeigen Spießlauten mit kleinem Schallkörper und langem Griffbrett. Der Schallkörper lag in der rechten Armbeuge; die Saiten wurden mit der rechten Hand gezupft oder mit einem Plektrum geschlagen, während die linke Hand das Griffbrett hielt. Die Instrumente hatten wahrscheinlich zwei oder drei Saiten. Die Harfe ist dagegen in schriftlichen Zeugnissen offenbar nicht belegt; mögliche Bilddarstellungen sind sehr selten und nur bruchstückhaft erhalten.

Blasinstrumente und Schlaginstrumente

Das Horn hieß hethitisch šawetra und luwisch šawatar. Ein späthethitisches Relief aus Karkemiš aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. zeigt es in Form eines Rinderhorns. Dasselbe Wort bezeichnete auch ein Trinkhorn, aber kein Tierhorn. Das Horn wurde besonders in luwischen Ritualen verwendet. Im Kult von Ištanuwa konnte dasselbe Horn sowohl Libationsgefäß, also Gefäß für Trankopfer, als auch Musikinstrument sein. Wegen seines eingeschränkten Tonumfangs hatte es vor allem Signalwirkung.

Holzblasinstrumente werden in hethitischen Texten mit dem Sumerogramm GI.GÍD, „Langrohr“, genannt. Weil bronzezeitliche Darstellungen fehlen, ist unklar, ob damit Rohrblattinstrumente oder Flöten gemeint sind; Monika Schuol hält aus musikhistorischen Gründen eine „Doppeloboe“ für wahrscheinlich. Solche Blasinstrumente wurden besonders im Kult der Berggottheit Ḫulla gespielt und konnten Gesang begleiten. Späthethitische Reliefs zeigen mehrfach Bläser mit Doppelblasinstrumenten, vielleicht Auloi. In Karatepe ist auf einem Orthostaten des 8. Jahrhunderts v. Chr. die älteste Darstellung eines Aulisten mit Mundbinde erhalten.

Trommeln kamen häufig vor und begleiteten Tänze. Die Texte unterscheiden offenbar nicht klar zwischen verschiedenen Trommelarten. Trommler und Trommlerinnen konnten bei Bedarf auch singen oder Horn blasen. Ein Relief aus Karkemiš aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. zeigt eine Trommel von etwa einem Meter Durchmesser, die von zwei Männern getragen und geschlagen wird; Reliefs aus Zincirli aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. zeigen Männer mit Rahmentrommeln.

Geräuschinstrumente und Rhythmus

Becken und Zimbeln sind archäologisch schon für die frühe Bronzezeit, also das 3. Jahrtausend v. Chr., belegt, unter anderem aus Alaca Höyük und Horoztepe. Ein Beckenpaar mit 8,5 cm Durchmesser stammt aus dem Schiffswrack von Uluburun aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. Auf Bildern lassen sich Becken und Zimbeln erkennen, doch ist die genaue Bestimmung oft schwierig. In Darstellungen werden sie meistens von Frauen gespielt, oft paarweise und zur Begleitung anderer Musiker oder Akrobaten.

Mehrere hethitische Instrumentennamen sind schwer zu deuten. Das ḫuḫupal-Instrument konnte geschlagen und gestrichen werden und diente in Opferritualen auch als Libationsgefäß; möglicherweise waren damit Becken oder Zimbeln gemeint. Das galgalturi-Instrument bestand aus Metall, Holz oder Ton und wurde paarweise gespielt, vielleicht ebenfalls als Becken- oder Zimbelart. ḫuḫupal, galgalturi und arkammi-Trommel gehörten eng zum Kult der Göttin Šauška.

Weitere Geräuschinstrumente waren Sistren, also Rahmeninstrumente mit beweglichen Metallplättchen, die für die frühe Bronzezeit belegt sind. Ein Relief aus Karkemiš zeigt zudem einen Jungen mit einer Art Klapper oder Schlaghölzchen. Das mukar-Instrument wurde mit Rufen verbunden und könnte ein Sistrum, eine Rassel oder ein anderes einfaches Geräuschinstrument gewesen sein; es wurde auch im Schutz- und Abwehrzauber verwendet. Eine besondere Form rhythmischer Musik waren die Männer aus Anunuwa, die bei bestimmten Anlässen ihre Lanzen aneinander schlugen und dazu hattische Lieder sangen. Umstritten ist das Verb palwai-: Es kann „klatschen“, „rezitieren“ oder möglicherweise „rhythmisch sprechen“ bedeuten.

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