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Hermann Krabbo
Das Abitur legte er 1894 an der Gelehrtenschule des Johanneums ab. Nachdem er zu Beginn Jura studiert hatte, wechselte er zur Geschichte. Sein erstes …
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Überblick
Hermann Krabbo (* 23. Februar 1875 in Hamburg; † 9. Juli 1928 in Jena) war ein deutscher Archivar, Historiker und Hochschullehrer. Sein wissenschaftliches Hauptwerk sind die ab 1910 erschienenen Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem Hause. Regesten sind knappe, systematisch geordnete Zusammenfassungen von Urkunden. Sie ermöglichen der Geschichtswissenschaft, Urkunden schnell nach Inhalt, Zeitpunkt und Ausstellern auszuwerten.
Ausbildung und beruflicher Weg
Krabbo wuchs als Sohn eines Kaufmanns in Hamburg auf. Nach dem Abitur an der Gelehrtenschule des Johanneums 1894 begann er ein Jurastudium, wechselte aber zur Geschichte. Er studierte zunächst in Genf, dann je zwei Semester in Tübingen und Marburg sowie ab September 1896 an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin.
1901 wurde er in Berlin bei Michael Tangl und Hans Delbrück promoviert. Seine Dissertation hieß Die Besetzung der deutschen Bistümer unter der Regierung Kaiser Friedrichs II. (1212–1250) und erhielt das Prädikat diligentiae et eruditionis specimen insigne. 1905 habilitierte er sich bei Tangl und Dietrich Schäfer für Mittlere und Neuere Geschichte sowie Historische Hilfswissenschaften.
Nach einer Tätigkeit als Assistent am Seminar für Historische Geographie von 1901 bis 1902 war Krabbo ab 1905 Privatdozent in Berlin. 1913 wurde er außerordentlicher Professor an der Universität Leipzig. Im Ersten Weltkrieg wurde er schwer verwundet und geriet in Kriegsgefangenschaft. Wegen der Verwundung wechselte er auf Anregung Paul Fridolin Kehrs 1918 in den Archivdienst am Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Dort wurde er Staatsarchivrat; seit 1923 hatte er daneben eine Honorarprofessur in Berlin. Im September 1927 ging er in den Ruhestand.
Forschung und Lehre
Krabbo gehörte zur sogenannten Tangl-Schule, die von seinem Lehrer Michael Tangl geprägt war. Obwohl Krabbo sich mit den askanischen Markgrafen Brandenburgs einem anderen Themenfeld zuwandte als Tangl, blieb seine Arbeitsweise ähnlich: Historische Hilfswissenschaften betrachtete er vor allem als Werkzeuge zur Untersuchung von Quellen. Dazu gehören etwa Paläografie, die Lehre von alten Schriften, Diplomatik, die Untersuchung von Urkunden, Siegelkunde, Heraldik, Archivkunde, Genealogie und Historische Geographie.
Er schrieb keine großen zusammenfassenden Darstellungen, sondern veröffentlichte seine Ergebnisse überwiegend in rund fünfzig Aufsätzen. Diese behandelten meist eng begrenzte Fragen und werteten Quellen sorgfältig und anschaulich aus. 1922 stellte er außerdem die Bibliographie der Schriften Michael Tangls zusammen.
An Universität und Geheimem Staatsarchiv lehrte Krabbo die genannten Hilfswissenschaften. Hinzu kamen Vorlesungen zur deutschen Geschichte des Mittelalters und zur Preußischen Territorialgeschichte. Er galt sowohl an der Universität als auch in der Ausbildung von Archivaren als ausgezeichneter Lehrer. Zu seinen Schülern zählten Hellmut Kretzschmar und Gottfried Wentz.
Bedeutung und Nachwirkung
Die Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem Hause blieben eine viel benutzte Quelle der Geschichtswissenschaft und wurden 1955 neu herausgegeben. Sie sind damit Krabbos dauerhaft wichtigster Beitrag zur brandenburgischen Geschichte.
Auch eine seiner Quellenkritiken wirkte nach: Eine Urkunde von 1226, die Wittenberge angeblich erstmals erwähnt, war nur als Transsumpt überliefert, also als später angefertigte beglaubigte Abschrift innerhalb einer Urkunde vom 15. Februar 1463. Darin sollen die gemeinsam regierenden Markgrafen Johann und Otto von Brandenburg eine Schiffsfähre auf der Elbe zwischen Werben (Elbe) und „Wittemberge“ verboten haben. Krabbo bezeichnete die Urkunde bereits 1910 als Fälschung. Forschungen im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt bekräftigten dies im Januar 2006.