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Hermann Gundert (Missionar)
Er schrieb die erste Grammatik des Malayalam und ein Wörterbuch, „A Malayalam and English Dictionary“; zudem übersetzte er die Bibel ins Malayalam und wird …
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Bedeutung und Arbeitsfelder
Hermann Gundert (* 4. Februar 1814 in Stuttgart; † 25. April 1893 in Calw) war ein deutscher Missionar, Sprachwissenschaftler, Indologe, Lehrer, Schriftsteller und Verleger. Besonders wichtig wurde er für die Erforschung und Verschriftlichung der südindischen Sprache Malayalam sowie für die Geschichte und Geographie Malabars, des heutigen Kerala.
Er schrieb die erste systematische Grammatik des Malayalam und das Wörterbuch „A Malayalam and English Dictionary“. Außerdem übersetzte er die Bibel ins Malayalam. Deshalb wird er auch als „Luther Keralas“ bezeichnet. Als Schulinspektor prägte er zudem den Aufbau eines modernen Schulwesens in Malabar und Kanara. Seine Arbeit trug zur Entwicklung des Neu-Malayalam bei.
Ausbildung und Weg nach Indien
Gundert war ein Sohn von Ludwig Gundert und Christine Enßlin. Ab 1819 besuchte er die Stuttgarter Lateinschule, ab dem 18. Oktober 1827 das Seminar in Maulbronn. 1831 begann er an der Universität Tübingen ein Studium der evangelischen Theologie und lebte im Evangelischen Stift. Dort gehörte David Friedrich Strauß zu seinen Lehrern; außerdem hatte er Kontakt mit Ludwig Uhland. 1835 wurde Gundert zum Dr. phil. promoviert und bestand sein Erstes Theologisches Examen.
Im Oktober 1835 reiste er nach London. Am 1. April 1836 brach er von Milford Haven nach Indien auf und kam am 8. Juli in Madras, dem heutigen Chennai, an. Zunächst arbeitete er als Hauslehrer, ging aber bald auf eine Missionsreise an die Westküste Indiens. Am 23. Juli 1838 heiratete er in Chittoor Julie Dubois, eine Missionsschwester aus der französischsprachigen Schweiz. 1839 schloss er sich mit seiner Frau der Basler Mission an und ging nach Thalassery, wo er eine Missionsstation und eine Malayalam-Schule gründete.
Arbeit in Indien
In Indien war Gundert als Lehrer, Missionar, Sprachwissenschaftler und Schriftsteller tätig. Schon kurz nach seiner Ankunft in Thalassery stellte er große Teile seiner Malayalam-Grammatik fertig. Am 19. April 1840 nahm er seine erste Taufe in Thalassery vor, am 23. August 1840 seine erste Taufe in Anjarakandy. Die folgenden Jahre waren von vielen Reisen und Umzügen geprägt.
Gundert und seine Familie hielten sich insgesamt 20 Jahre in Indien auf, nur unterbrochen durch einen Heimaturlaub von November 1845 bis Februar 1847. Als erster Schulinspektor für Malabar und Kanara beeinflusste er den Aufbau des modernen Schulsystems von der Grundschule bis zur universitären Ausbildung. Das Gebiet reichte etwa 600 km von Kozhikode im Süden über Mangaluru bis Hubballi im Norden und von Thalassery etwa 100 km ins Landesinnere bis Manantavadi in den Wynad-Bergen.
Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehörten die systematische Grammatik des Malayalam, das später abgeschlossene Wörterbuch und die Bibelübersetzung. Er schrieb außerdem Schulbücher und eine Schulgrammatik, übersetzte Werke aus dem Sanskrit ins Malayalam und brachte 1847 in Thalassery die erste Zeitung in der lokalen Sprache heraus. Seine Frau Julie gründete die ersten „Mädchen-Institute“, also Mädchenschulen mit Heim, in Mangaluru, Thalassery und Chirakkal bei Kannur.
Rückkehr nach Deutschland
Gunderts Arbeit wurde früh durch Krankheiten erschwert. Von Juni 1849 bis Mai 1852 litt er an einer langwierigen Bronchialerkrankung, die als seine „stumme Zeit“ bezeichnet wird. 1853 ernannte ihn die Basler Mission dennoch zum Generalsekretär für die indische Mission. Am 6. April 1857 wurde er von der englischen Regierung zum Schulinspektor der Provinzen Malabar und Kanara berufen.
Im Februar 1859 musste er diese Tätigkeit wegen wiederholter Krankheiten aufgeben. Am 12. April 1859 trat er in Kozhikode die Rückreise nach Europa an und kam am 20. Mai 1859 in Basel an. Im April 1860 zog er nach Calw. Dort arbeitete er zunächst im Calwer Verlag und wurde ab November 1862 dessen Leiter. Er edierte und verfasste historische Werke und Kommentare zum Alten und Neuen Testament. Außerdem publizierte er über Jahre gleichzeitig fünf Zeitschriften und schrieb dafür hunderte Artikel, meist ohne seine Autorenschaft offenzulegen. Hermann Gundert starb am 25. April 1893 im Alter von 79 Jahren; seine Frau Julie war bereits am 18. September 1885 gestorben.
Familie
Hermann Gundert heiratete am 23. Juli 1838 im indischen Tinneweli die Schweizer Missionslehrerin Julie Dubois (1809–1885). Aus der Ehe gingen 5 überlebende Söhne und 1 Tochter hervor. Genannt werden Hermann (1839–1922), Samuel (* 4. August 1840), Ludwig Friedrich (* 14. September 1841; † 7. Januar 1844), Marie (1842–1902), Christiane (* 26. Dezember 1844; † 5. März 1848), ein weiterer Ludwig Friedrich (1847–1925), Paul (* 29. Januar 1849; † 22. Februar 1871) und David (* 9. Oktober 1850).
Zu seinen bekanntesten Enkeln gehörten der Japanologe Wilhelm Gundert (1880–1971) und der Dichter Hermann Hesse (1877–1962). Über Hermann Hesse wirkte Gunderts Interesse an Indien und religiösen Themen auch literarisch weiter.
Nachleben, Ehrungen und Schriften
In Kerala wird Gundert bis heute für seine Leistungen geehrt. In Thalassery trägt eine Straße seinen Namen, und ein fünf Meter hohes Denkmal ist ihm gewidmet. Die neue Universitätsbibliothek in Kannur, die größte Bibliothek in Südindien, wurde 2014 nach ihm benannt. In Deutschland trägt die Hermann Gundert Schule in Calw seinen Namen. 1993 fanden zum hundertsten Todesjahr Seminare in Calw und die Hermann-Gundert-Konferenz in Stuttgart statt. 2014 erklärte Calw anlässlich seines 200. Geburtstags das Jahr zum Gundert-Jahr. Am 9. Oktober 2015 wurde an der Universität Tübingen ein Gundert-Lehrstuhl eingerichtet, an dem indische Gastdozenten aus Kerala Kurse zu Malayalam sowie zur Literatur, Geschichte und Kultur Keralas halten.
Gunderts Nachlass wird von der Universitätsbibliothek Tübingen verwaltet und ist vollständig digitalisiert. Er enthält Grammatiken, Fibeln, religiöse Texte, literarische Werke, Palmblattmanuskripte sowie gedruckte und lithographierte Bücher. Viele Texte sind in Malayalam, Kannada, Tulu, Tamil, Telugu und Sanskrit verfasst.
Zu seinen ausgewählten Schriften gehören „100 Lieder in Malayalam“ (1842), „One Thousend Malayalam Proverbs“ (1845), „A Catechism of Malayalam Grammar“ (1867 und 1870), „A Grammar of Malayalam Language“ (1868), „The New Testament, translated into Malayalam“ (1868) und „A Malayalam and English Dictionary“ (1872).