Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Herman Hollerith

Herman Hollerith deutsch-amerikanischer Unternehmer, Erfinder des Lochkartenverfahrens (1860–1929) Computing Tabulating Recording Corporation

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundidee
  2. 2. Ausbildung und frühe Laufbahn
  3. 3. Lochkartenverfahren und Patente
  4. 4. Maschine und Einsatz bei Volkszählungen
  5. 5. Unternehmen und Entwicklung zu IBM
  6. 6. Deutschland, Ehrungen und Nachwirkung

Bedeutung und Grundidee

Herman Hollerith (* 29. Februar 1860 in Buffalo, New York; † 17. November 1929 in Washington, D.C.) war ein US-amerikanischer Unternehmer und Ingenieur. Er gilt als Erfinder des nach ihm benannten Hollerith-Lochkartenverfahrens in der Datenverarbeitung. Dieses Verfahren war wichtig, weil es große Mengen von Daten schneller erfassen, sortieren und auszählen konnte als rein manuelle Methoden.

Die Grundidee bestand darin, Informationen durch Löcher an bestimmten Stellen einer Karte zu speichern. Eine Lochkarte ist dabei eine Karte aus festem Papier oder Karton, auf der Merkmale durch Lochpositionen codiert werden. Maschinen konnten diese Karten lesen, zählen und sortieren. So wurde aus einzelnen Merkmalen vieler Personen oder Fälle eine auswertbare Datenmenge. Hollerith übertrug damit ein Prinzip aus der Maschinensteuerung auf organisatorische Aufgaben wie Statistik und Verwaltung.

Ausbildung und frühe Laufbahn

Hollerith wurde als Kind deutscher Einwanderer in Buffalo im US-Bundesstaat New York geboren. Seine Eltern stammten aus Großfischlingen bei Landau in der Pfalz und waren nach dem Pfälzer Aufstand mit ihren zwei Töchtern in die USA ausgewandert. Sein Vater Johann Georg Hollerith, geboren am 18. September 1808 in Großfischlingen, hatte bis 1848 am Gymnasium Speyer alte Sprachen unterrichtet.

Herman Hollerith besuchte das New Yorker City College. Anschließend studierte er Ingenieurwissenschaften an der Columbia University und schloss das Studium 1879 als Bergwerksingenieur ab. Danach arbeitete er als „special agent“ bei der amerikanischen Volkszählung von 1880. Dort erstellte er einen statistischen Bericht über Art und regionale Verteilung der Energiequellen der Schwerindustrie. 1882 lehrte er am Massachusetts Institute of Technology, 1883 wechselte er ins US-Patentamt. Diese Stationen verbanden Technik, Statistik und Verwaltung und bildeten den Hintergrund für seine spätere Erfindung.

Lochkartenverfahren und Patente

1884 war Hollerith freiberuflich tätig. Am 23. September dieses Jahres reichte er seine erste Erfindung zur Datenspeicherung ein. Nach einigen Umarbeitungen entstanden daraus die Lochkarten-Patente 395781 und 395782 von 1889. Er griff dabei auf ältere technische Ideen zurück: Der französische Mechaniker Falcon hatte einen Webstuhl mit einem Holzbrettchen gesteuert, das Lochkombinationen enthielt. Joseph-Marie Jacquard entwickelte dieses Verfahren weiter, indem er das Holzbrettchen durch Lochkarten aus Pappschablonen ersetzte.

Hollerith nutzte dieses Grundprinzip nicht zur Textilherstellung, sondern zur Lösung und Auswertung organisatorischer Problemstellungen. Eine Anregung erhielt er von Eisenbahnschaffnern: Diese lochten Fahrkarten an bestimmten Stellen, um Merkmale eines Passagiers wie Geschlecht, Alter und Hautfarbe festzuhalten. Dadurch wurde erschwert, dass mehrere verschiedene Personen dieselbe Fahrkarte benutzten.

Aus dieser Idee entwickelte Hollerith ein System zur Erfassung von Daten auf Lochkarten. Es bestand aus der Tabelliermaschine, dem Lochkartensortierer, dem Lochkartenlocher und dem Lochkartenleser. Die Tabelliermaschine diente zum Zählen und Auswerten, der Sortierer zum Ordnen der Karten nach Merkmalen, der Locher zum Erstellen der Karten und der Leser zum Erfassen der gespeicherten Informationen. Am 9. Dezember 1888 installierte Hollerith seine Erfindung im US-Kriegsministerium. Ihr erster Einsatz war die Vereinfachung der Massenerfassung medizinischer Daten, nicht – wie oft behauptet – die Berechnung des US-Zensus. Am 9. Januar 1889 meldete er sein System zum Patent an.

Maschine und Einsatz bei Volkszählungen

Das System wurde auch Hollerithmaschine genannt. Hollerith entwickelte es in den späten 1880er-Jahren gemeinsam mit dem Arzt John Shaw Billings ursprünglich zur statistischen Erfassung von Krankheitsfällen in der Bevölkerung. Ziel war es, den Wehrzustand zu ermitteln, also Daten über die militärische Tauglichkeit beziehungsweise den Gesundheitszustand der Bevölkerung auszuwerten.

Später gelang es Hollerith, das Zensusbüro von der Verwendung seiner Maschine bei der amerikanischen Volkszählung 1890 zu überzeugen. Der Einsatz führte zu einer starken Beschleunigung der Auszählung. Die Auswertung des Datenmaterials gelang in nur zwei Jahren mit 43 Maschinen und 500 Angestellten als Bedienungspersonal. Zuvor hätte dieselbe Anzahl von Mitarbeitern dafür volle sieben Jahre benötigt.

Hollerith verkaufte seine Maschinen nicht, sondern vermietete sie an die Volkszählungsbehörde. Dadurch blieb die technische Kontrolle bei ihm, während die Behörde die Maschinen für ihre Auswertungen nutzen konnte. Sein erster größerer Auftrag außerhalb der Vereinigten Staaten kam aus Russland, wo erstmals eine Volkszählung durchgeführt wurde.

Unternehmen und Entwicklung zu IBM

Nach weiteren Verbesserungen seines Systems gründete Hollerith 1896 die Tabulating Machine Company. Mit ihr wollte er seine Erfindung kommerziell verwerten. 1905 verlor er jedoch wegen überzogener Preise seinen besten Kunden, das US-amerikanische Census Bureau. Dieses Büro führt bis heute alle zehn Jahre Volkszählungen durch. 1910 verklagte Hollerith das Volkszählungsbüro wegen angeblicher Patentverletzung und versuchte dadurch, die anstehende Volkszählung zu verhindern. Beides blieb erfolglos.

1911 verkaufte Hollerith seine Gesellschaft schließlich für rund 1,21 Millionen Dollar. Zusätzlich erhielt er einen über zehn Jahre laufenden Beratervertrag, der mit 20.000 Dollar jährlich dotiert war. Die Tabulating Machine Company fusionierte anschließend mit der Computing Scale Corporation und der International Time Recording Company zur Computing Tabulating Recording Corporation, abgekürzt CTR. 1924 wurde CTR in International Business Machines Corporation umbenannt, heute bekannt als IBM.

Deutschland, Ehrungen und Nachwirkung

In Deutschland war ab 1910 die Deutsche Hollerith-Maschinen Gesellschaft, kurz DEHOMAG, in Berlin der Lizenznehmer für Hollerith-Maschinen. Damit wurden Holleriths Verfahren und Maschinen auch außerhalb der USA wirtschaftlich und organisatorisch bedeutsam.

An Hollerith erinnern mehrere Benennungen und Ehrungen. Straßen unter anderem in Baesweiler, Bremen, Erfurt, Eschweiler, Großfischlingen, Mannheim und München wurden nach ihm benannt. Das Herman Hollerith Zentrum der Hochschule Reutlingen in Böblingen trägt ebenfalls seinen Namen. 1990 wurde Hollerith in die National Inventors Hall of Fame aufgenommen.

Auch in der Informatik blieb sein Name erhalten: Die Hollerith-Konstante in der Programmiersprache FORTRAN wurde nach Herman Hollerith benannt. Sie verweist darauf, dass Holleriths Arbeit an Lochkarten und maschineller Datenauswertung ein wichtiger Schritt in der Geschichte der Datenverarbeitung war.

Weiterlesen