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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Haidholzen

Straßennamen wie „Schlesierstraße“ oder „Sudetenlandstraße“ weisen bis heute auf die Herkunft dieser Vertriebenen hin (→ Flucht und Vertreibung 1945–1950).

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Ort und Lage
  2. 2. Entstehung und Zeit des Nationalsozialismus
  3. 3. Siedlung nach dem Zweiten Weltkrieg
  4. 4. Kirchen

Ort und Lage

Haidholzen ist ein Pfarrdorf und Gemeindeteil von Stephanskirchen im oberbayerischen Landkreis Rosenheim. Es liegt nordwestlich von Stephanskirchen und schließt heute unmittelbar an den Hauptort an. Laut Zensus 2022 hat Haidholzen 2780 Einwohner.

Entstehung und Zeit des Nationalsozialismus

Haidholzen ist ein vergleichsweise junger Ort. Bei den bayerischen Verwaltungsreformen von 1818 wurden Stephanskirchen und die neu entstandene Arbeiter- und Taglöhnersiedlung Hofleiten selbstständige politische Gemeinden. 1854 wurden Hofleiten und Stephanskirchen vereinigt. Das Gebiet Haidenholz gehörte zur Gemeinde Stephanskirchen.

Im Zuge der Militarisierung während des Dritten Reiches wurde ab 1937 der Bau einer Kaserne am Haidenholz vorbereitet. Von November 1944 bis April 1945 bestand dort das Außenlager Stephanskirchen des Konzentrationslagers Dachau. Etwa 250 KZ-Häftlinge mussten Zwangsarbeit leisten. Russische, polnische und französische Kriegsgefangene waren in einer Barackensiedlung auf dem Gelände der Flak-Kaserne untergebracht.

Die Häftlinge arbeiteten für regionale Auftraggeber sowie für die Chiemgauer Vertriebsgesellschaft O.H.G., ein Zweigwerk von BMW. Dieses fertigte in Stephanskirchen Flugzeugmotoren, nahm den Betrieb jedoch nie vollständig auf. Mehrere unabhängige Quellen belegen, dass im Außenlager auch Inhaftierte ermordet wurden.

Ende 1944 wurde das Werk bei Luftangriffen getroffen. Zwei Belegschaftsmitglieder starben; 30 % der Gebäudesubstanz und 20 % des Maschinenparks wurden zerstört. Der Schaden betrug 250.000 RM. Auf Befehl Heinrich Himmlers wurden die Häftlinge im März und April 1945 in rückwärtige Konzentrationslager gebracht. Während dieser Evakuierung starben viele Menschen an Erschöpfung oder wurden von der SS erschossen.

Siedlung nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen etwa 1500 Flüchtlinge und Heimatvertriebene nach Stephanskirchen. In der Nähe der ehemaligen Kaserne gründeten sie die Siedlung Haidholzen. Straßennamen wie „Schlesierstraße“ und „Sudetenlandstraße“ erinnern bis heute an die Herkunft der Vertriebenen.

Das Hauptgebäude der früheren Flak-Kaserne ist erhalten. Seit 1947 befinden sich darin die Produktionsanlagen einer Süßwarenfabrik.

Kirchen

In Haidholzen gibt es eine römisch-katholische und eine evangelisch-lutherische Kirche:

  • Die Pfarrkirche „Maria Königin des Friedens“ wurde 1969/1970 zusammen mit dem Pfarrhaus gebaut. 1999 entstand zwischen beiden Gebäuden ein freistehender Glockenturm von rund 12 Metern Höhe. Die Kirche gehört heute zum Pfarrverband Stephanskirchen.

  • Die evangelisch-lutherische Heilig-Geist-Kirche wurde 1966 eingeweiht. Sie ist eine Predigtstation der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Rosenheim.

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