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Glastonbury Festival

Es bietet Auftritte von Musikgruppen aller Bereiche der zeitgenössischen populären Musik, von Rockmusik über Folk, Weltmusik und Jazz bis hin zu Hip-Hop, Drum …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Entwicklung
  3. 3. Organisation und Pausen
  4. 4. Musikalische Vielfalt
  5. 5. Probleme und öffentliche Aufmerksamkeit

Kern und Bedeutung

Das Glastonbury Festival of Contemporary Performing Arts ist ein Festival für Musik und darstellende Kunst. Es findet seit 1970 auf einem Bauernhof bei Pilton nahe der Stadt Glastonbury in Somerset im Südwesten Englands statt. Meist liegt es am letzten Wochenende im Juni und dauert drei Tage.

Das Festival gilt als eines der weltweit größten Open-Air-Musikfestivals. 2019 hatte es rund 203.000 Besucher. Es ist besonders wichtig, weil es nicht nur Musik zeigt, sondern auch Theater, Tanz, Comedy und Zirkus. Musikalisch reicht das Programm über viele Bereiche der zeitgenössischen populären Musik: Rockmusik, Folk, Weltmusik, Jazz, Hip-Hop, Drum and Bass und weitere Richtungen.

Entstehung und Entwicklung

Die Ursprünge des Festivals liegen in der Hippie-Ära und sind von deren Ethik beeinflusst. Spuren davon sind bis heute sichtbar, etwa in den Bereichen Green Futures und Healing Fields auf dem Festivalgelände. Das Festival hat außerdem den Ruf einer Stätte exzessiven Drogenkonsums. Ein Megalith-Kreis auf dem Gelände wirkt zwar historisch, wurde aber eigens für das Festival errichtet.

Das erste Festival fand am 19. September 1970 auf der Worthy Farm des Milchbauern Michael Eavis statt. Es hieß Pilton Pop, Blues & Folk Festival. Rund 1500 Zuschauer sahen unter anderem Marc Bolan, Keith Christmas, Stackridge, Al Stewart und Quintessence. Der Eintritt kostete ein Pfund; kostenlose Milch der Farm war inbegriffen.

Schon im folgenden Juni gab es zur Sommersonnenwende ein zweites Festival, Glastonbury Fayre. Es wurde von Andrew Kerr und Arabella Churchill organisiert. Bei freiem Eintritt traten unter anderem Hawkwind, Traffic, Melanie, David Bowie, Joan Baez, Fairport Convention und Quintessence auf. 1978 fand ein kleines spontanes Festival statt. 1979 organisierten Bill Harkin und Arabella Churchill zum Internationalen Jahr des Kindes ein weiteres Glastonbury Fayre. Dieses dreitägige Festival mit Peter Gabriel, Steve Hillage und der Alex Harvey Band wurde finanziell ein Verlust.

Seit 1981 heißt die Veranstaltung Glastonbury Festival. Sie wird von Michael Eavis organisiert und findet, mit wenigen Ausnahmen, jährlich statt.

Organisation und Pausen

Michael Eavis leitet das Festival bis heute über sein Unternehmen Glastonbury Festivals Ltd, das seit 1981 besteht. Er legt weiterhin große Teile des Programms fest. Einzelne Bereiche und Bühnen werden aber von anderen Gruppen verantwortet: The Left Field wird von einigen gewerkschaftsnahen Vereinen organisiert, ein anderes Feld von Greenpeace.

Seit 2002 teilt Eavis die Organisation mit der Veranstalterfirma Festival Republic, die damals Mean Fiddler Music Group hieß. Der Vertrag wird jeweils für fünf Jahre geschlossen. Eavis erklärte, dass danach jeweils ein Jahr pausiert wird. Alle Gewinne spendet er für wohltätige Zwecke; seit der Kooperation 2002 entsprechend seinem Anteil von 60 % an den Gesamtgewinnen. Die Kosten bleiben auch deshalb vergleichsweise niedrig, weil viele Freiwillige mitarbeiten. Stände und technische Infrastruktur werden jedoch von passenden Firmen bereitgestellt.

Für seinen jahrzehntelangen Einsatz erhielt Eavis breite Anerkennung, darunter Ehrendoktorwürden der University of Bath und der University of Bristol sowie die Auszeichnung als Commander of the Order of the British Empire (CBE).

2012 und 2018 fand das Festival nicht statt, damit sich das Ackerland erholen konnte. 2020 und 2021 wurde es wegen der COVID-19-Pandemie abgesagt. Als Ersatz wurde 2021 in der Nacht vom 22. zum 23. Mai das mehrstündige Musikprogramm Live at Worthy Farm als Livestream im Internet ausgestrahlt.

Musikalische Vielfalt

Das Glastonbury Festival ist eines der größten und bekanntesten Rockfestivals in Europa. Es wird mitunter als „englisches Woodstock“ bezeichnet. Anders als viele Festivals ist es nicht auf eine bestimmte Musikrichtung festgelegt und präsentiert nicht nur möglichst bekannte Acts. Sein Kennzeichen ist ein sehr breites musikalisches Spektrum.

Zu den länger bekannten Stars, die mit dem Festival verbunden werden, gehören zum Beispiel Johnny Cash, Led Zeppelin, Neil Diamond, Paul McCartney im Juni 2004, Prince, Robbie Williams, Shakira, Suzanne Vega, T. Rex und The Kinks. Daneben traten jüngere Rock-Acts wie Travis, Lady Gaga, Coldplay, Muse, Oasis und New Order auf.

In den 1990er- und 2000er-Jahren bot das Festival außerdem vielen Alternative-Acts und Newcomern eine Bühne. Genannt werden unter anderem Jamiroquai, die deutsche Worldmusic-Gruppe Dissidenten, Michelle Shocked, Angie Palmer, PJ Harvey und Nightmares on Wax. 2003 spielten beispielsweise die Manic Street Preachers, Dave Gahan von Depeche Mode, die Sugababes, Asian Dub Foundation, Pendulum, Radiohead, The Flaming Lips, Los Lobos, Primal Scream, The Skatalites und viele weitere Bands in knapp zehn verschiedenen Zelten.

Seit 2007 gibt es die BBC Introducing Stage. Dort werden junge oder noch nicht unter Vertrag stehende Bands einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Beispiele sind Gabby Young & The Other Animals, The Ting Tings, The Brute Chorus, Two Door Cinema Club und Jake Bugg. Jake Bugg trat beim folgenden Festival bereits auf der Hauptbühne auf.

Probleme und öffentliche Aufmerksamkeit

Wegen seiner Bekanntheit stehen auch die Begleitumstände des Festivals immer wieder im Mittelpunkt. In den 1990er-Jahren war es berüchtigt für massive Überfüllung und Kriminalität. Viele Menschen versuchten, ohne Eintrittskarte auf das Gelände zu kommen; diese Praxis führte zu großen Problemen.

2002 wurde das Festival mit einem deutlich verstärkten Außenzaun wiedereröffnet. 2003 hatte das Publikum weitgehend akzeptiert, dass kostenloser Zutritt kaum noch möglich war. Die Karten waren damals innerhalb von 20 Stunden nach Beginn des Vorverkaufs ausverkauft. 2004 war das Festival erneut innerhalb von 24 Stunden ausverkauft. Dabei gab es heftige Beschwerden, weil viele Interessierte weder über das Internet noch telefonisch durchkamen. In den ersten fünf Minuten nach Freischaltung gab es zwei Millionen Aufrufe der Internetverbindung; auf den Telefonleitungen gingen in 24 Stunden durchschnittlich 2.500 Anrufe pro Minute ein. Die Organisation war mit diesen Zahlen offensichtlich überfordert.

Für 2005 wurden 150.000 Besucher erwartet. Starke Regenfälle sorgten jedoch dafür, dass zu Beginn des Festivals ein Großteil der aufgebauten Zelte knietief unter Wasser stand. Die ersten Auftritte mussten verschoben werden. Ebenfalls 2005 wurde die John-Peel-Bühne eingeweiht, benannt nach dem im Vorjahr verstorbenen BBC-Radio-1-DJ, der regelmäßiger Präsentator auf dem Festival gewesen war.

2008 geriet das Festival in die Kritik, nachdem Michael Eavis in der Zeitung The Sun sagte, David Gilmour habe angeboten, auf dem Festival zu spielen. Eavis lehnte dies mit der Begründung ab, Gilmour sei zu alt für das junge Publikum.

Ein weiteres Problem ist Wildpinkeln. Dadurch gelangen erhebliche Mengen konsumierter illegaler Drogen in den Whitelake River auf dem Festivalgelände. Das hat negative Folgen unter anderem für den gefährdeten Europäischen Aal.

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