Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Geographie Sierra Leones
Neben Brandrodung und Wanderhackbau sind auch die Überfischung und die illegale Entwaldung eine Bedrohung. Weite Teile des Primärwaldes sind deshalb …
Inhalt5 Abschnitte
Lage und Naturraum
Sierra Leone ist eine Republik in Westafrika an der Atlantikküste. Das Land liegt nördlich des Äquators zwischen dem 7. und 10. Breitengrad. Es grenzt im Norden und Nordosten an Guinea, im Süden und Südosten an Liberia und im Westen an den Atlantik.
Sierra Leone umfasst 71.740 km²; davon sind 120 km² Wasserflächen. Geologisch wird das Land von drei Gebieten geprägt: dem Westafrika-Kraton im Osten, dem orogenischen Gürtel der Rokelide in der Mitte und einem etwa 20 bis 30 Kilometer breiten Sedimenten-Küstenstreifen im Westen. Geomorphologisch lassen sich Mangroven, Guineische Hochwälder, Plateaus und Bergregionen unterscheiden.
Die Bergregionen liegen vor allem im Osten. Dort befinden sich die Loma Mountains mit dem Bintumani, der 1945 m hoch ist und im Artikel als höchster Berg Westafrikas bezeichnet wird. In der Western Area um Freetown liegt der 888 m hohe Picket Hill in den Löwenbergen.
Klima und Gewässer
Nach der Köppen-Geiger-Klassifikation besteht Sierra Leones Klima vor allem aus einer tropischen Monsunregion, die etwa 90 Prozent der Landesfläche einnimmt. Eine tropische Savannenzone gibt es nur im Nordosten.
Die jährlichen Niederschläge erreichen an der Küste bis zu 5000 mm und betragen im Osten mindestens 2000 mm. Damit gehört die Küste zu den feuchtesten Regionen Westafrikas. Das Jahr gliedert sich in Regen- und Trockenzeit. Die Regenzeit beginnt Mitte Mai mit dem westafrikanischen Monsun und bringt tägliche Gewitter und Regenfälle. Im August und September kann es ununterbrochen regnen. Mitte Oktober beginnt die Trockenzeit. Im Dezember und Januar weht der Harmattan, ein Wind aus der Sahara, der Staub und kühle Luft mitführt. Februar, März und April sind die heißesten Monate mit seltenen Niederschlägen. Deshalb unterscheiden die Einheimischen auch drei Jahreszeiten: rainy season, harmattan season und dry season.
Die täglichen und jährlichen Temperaturschwankungen sind gering. In Freetown liegen die Temperaturen fast ganzjährig, tagsüber wie nachts, bei 28 bis 32 °C.
Zu den wichtigsten Flüssen gehören von Nord nach Süd Great Scarcies (Kolenté; 129 km in Sierra Leone), Little Scarcies (Kava beziehungsweise Kaba; 161 km), Rokel (Seli; 290 km), Taia (Jong beziehungsweise Taye), Sewa (209 km), Moa (266 km) und Mano (105 km). Bedeutende Seen sind der Mape-See mit bis zu 85 km², der Mabesi-See mit bis zu 36 km² und der Sonfon-See, der ein wichtiges Naturschutzgebiet ist. Der Sierra Leone River bildet bei Freetown ein Ästuar; Sherbro ist ein Ästuar beziehungsweise eine Meerenge. Große Binneninseln sind Tasso und Bunce, im Atlantik liegen vor allem Sherbro und Dublin.
Flora, Fauna und Schutz
Die unterschiedlichen tropischen Lebensräume führen zu einer reichhaltigen Flora. In den Savannengebieten des Nordens und Nordostens wächst vor allem Elefantengras. An den Küsten ist die Rote Mangrove verbreitet, die bis zu 30 m hoch wird. Ölpalmen und Mangobäume kommen landesweit vor. Die Orchideenart Bulbophyllum parvum ist endemisch, kommt also ausschließlich in Sierra Leone vor.
Sierra Leone war früher Lebensraum vieler typischer Regenwaldtiere. Der Bürgerkrieg in den 1990er Jahren und die Nutzung von Tieren als Bushmeat führten dazu, dass zahlreiche Arten ausgerottet oder stark dezimiert wurden. Zu den bekannten Tierarten gehören Elefant, Flusspferd, Rotbüffel und Manati. Das Land ist außerdem eines der letzten Rückzugsgebiete des Zwergflusspferds, des Graupapageien und des Jentink-Duckers. Ausgestorben sind unter anderem der Westafrikanische Löwe, der Kob, das Breitmaulnashorn, die Westafrika-Kuhantilope, die Pferdeantilope, das Sitatunga und die Riesen-Elenantilope. Mit bis zu 20 Antilopenarten besitzt Sierra Leone dennoch eine große Artenvielfalt im Verhältnis zu seiner Landesgröße.
Seit dem starken Bevölkerungswachstum, besonders seit den 1950er Jahren, steht die Natur zunehmend unter Druck. Brandrodung, Wanderhackbau, Überfischung und illegale Entwaldung bedrohen die Umwelt; große Teile des Primärwaldes sind zerstört. Seit dem Bürgerkrieg wird der Natur- und Umweltschutz durch politischen Druck verstärkt berücksichtigt. Unter anderem wurden zahlreiche neue Naturschutzgebiete ausgewiesen. Sierra Leone hat internationale Abkommen unterzeichnet, darunter die Biodiversitätskonvention, die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, das Übereinkommen zur Bekämpfung der Wüstenbildung, das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, die Ramsar-Konvention und das Kyoto-Protokoll.
Staatsgebiet und politische Gliederung
Das Staatsgebiet liegt zwischen 7°–10° nördlicher Breite und 10°–13° westlicher Länge. Der nördlichste Punkt liegt an der Grenze zu Guinea bei 10° nördlicher Breite. Der östlichste Punkt befindet sich nahe dem Dreiländereck mit Guinea und Liberia bei etwa 10°16'18.00" westlicher Länge. Der südlichste Punkt liegt bei 6°55'24.37" nördlicher Breite am Mano an der Grenze zu Liberia. Im Westen reicht Sierra Leone bis 13°17'54.49" westlicher Länge in Freetown.
Die Grenzen zu den Nachbarländern sind insgesamt 1093 km lang: 794 km entfallen auf Guinea und 299 km auf Liberia. Die Atlantikküste ist 402 km lang.
Politisch ist Sierra Leone in vier Provinzen und ein Gebiet gegliedert. Diese Einheiten umfassen insgesamt 16 Distrikte. Die Provinzen sind zusätzlich in Chiefdoms unterteilt; außerdem gibt es Wahlkreise und Wards. Die Eastern Province hat Kenema als Hauptstadt, 15.553 km² Fläche, 1.641.012 Einwohner (2015), 3 Distrikte und 45 Chiefdoms. Die Northern Province hat Makeni als Hauptstadt, 4 Distrikte und 55 Chiefdoms. Die North West Province hat Port Loko als Hauptstadt, 3 Distrikte, 34 Chiefdoms und 1.162.065 Einwohner (2017). Die Southern Province hat Bo als Hauptstadt, 19.694 km² Fläche, 1.438.572 Einwohner (2015), 4 Distrikte und 52 Chiefdoms. Das Western-Gebiet mit Freetown als Hauptstadt umfasst 557 km², hatte 1.493.252 Einwohner (2015) und besteht aus 2 Distrikten.
Siedlungen und Bevölkerung
Etwa 22 Prozent der Landesfläche wurden 2015 landwirtschaftlich genutzt. Knapp 38 Prozent beziehungsweise 27.258,21 km² waren 2010 bewaldet.
2015 lebten 7,076 Millionen Menschen in Sierra Leone. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug 2018 etwa 2,4 Prozent. Von 1960 bis heute hat sich die Gesamtbevölkerung fast verdreifacht, seit 1985 hat sie sich verdoppelt. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte lag bei knapp 100 Einwohnern je km²; in der Western Area erreichte sie bis zu knapp 2700 Personen je km².
Die größten urbanen Ansiedlungen waren 2015 Freetown mit 1.055.964 Einwohnern, Waterloo mit 208.795, Kenema mit 200.443, Bo mit 174.369, Port Loko mit 160.217, Koidu mit 128.303 und Makeni mit 125.907 Einwohnern.
Die Fruchtbarkeitsziffer lag bei 4,7 Kindern pro Frau. Fast 42 Prozent der Bevölkerung waren 2018 jünger als 15 Jahre, während nur knapp 3,8 Prozent älter als 65 Jahre waren. Die Lebenserwartung betrug 2018 59 Jahre; damit lag Sierra Leone auf Rang 212 von 223 untersuchten Staaten und Gebieten weltweit. Das Durchschnittsalter lag bei 19,1 Jahren.