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Denudation

Als Denudation (von lateinisch denudare „entblößen“, nudus „nackt“) wird in der Geologie eine flächenhaft wirkende Abtragung der Landfläche bezeichnet.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff
  2. 2. Transportmedien der Abtragung
  3. 3. Typen der Denudation
  4. 4. Geschwindigkeit der Abtragung
  5. 5. Bedeutungen in Medizin und Zahnmedizin
  6. 6. Bedeutung in Psychologie und Verhaltenswissenschaften

Grundbegriff

Denudation bezeichnet in der Geologie die flächenhaft wirkende Abtragung einer Landfläche. Dabei wird der Regolith, also die lockere Verwitterungsdecke über dem festen Gestein, abgetragen. Werden diese Vorgänge nicht durch die Zufuhr neuen Materials ausgeglichen, kann schließlich das darunterliegende Gestein freigelegt werden. Häufig werden Denudation und Erosion gemeinsam unter dem Begriff „Erosion“ zusammengefasst.

Denudation ist außerdem ein Sammelbegriff für die Gesamtwirkung aller flächenhaften Hangabtragungsprozesse. In Medizin, Zahnmedizin, Verhaltenswissenschaften und Psychologie wird das Wort allgemein im Sinne von Freilegung oder Entblößung verwendet.

Transportmedien der Abtragung

Denudationsprozesse werden danach unterschieden, wodurch das abgetragene Material bewegt oder gelöst wird:

  • Ohne Transportmedium wirkt unmittelbar die Schwerkraft, beispielsweise bei einem Bergsturz.
  • Unkonzentriertes Wasser führt durch Spülen zur Abtragung; als Beispiel nennt der Artikel die Küstenerosion.
  • Porenwasser, Eis oder Schnee ermöglichen Fließbewegungen; hierzu zählt die Solifluktion.
  • Andere Gleitmittel können ebenfalls eine Bewegung ermöglichen, etwa Ton im Flysch oder Salz.
  • Lösungsprozesse erzeugen im Karst die Karstdenudation.
  • Frostwirkung verursacht in periglazialen, also von Frost geprägten Gebieten, unter anderem Solifluktion.
  • Gletscher bewirken glaziale Abtragung beziehungsweise Glazialerosion.
  • Wind verursacht äolische Denudation beziehungsweise Winderosion.

Typen der Denudation

Bei der Sturzdenudation fallen gelockerte Partikel vor allem an steilen Felswänden hangabwärts und bilden eine Sturz- oder Schutthalde. Dabei werden sie nach ihrer Korngröße sortiert: Größere Teilchen fliegen oder rollen weiter als kleinere. Ein Sonderfall ist der Bergsturz. Durch Erdbeben, Frostsprengung oder Durchfeuchtung können ganze Bergflanken abstürzen und teilweise bestehende Talschultern versteilen.

Bei der Versatzdenudation dehnt sich Bodenmaterial durch die Wasseraufnahme quellfähiger Tonminerale oder durch das Gefrieren von Bodenwasser aus. Gibt es Wasser ab oder taut das Eis, zieht es sich wieder zusammen. Durch das wiederholte Heben und Senken der Bodenoberfläche werden Bodenpartikel schrittweise hangabwärts versetzt.

Beim Rutschen oder Gleiten bewegt sich das Material als kompakte Einheit auf einer Gleitfläche hangabwärts. Solche Bewegungen treten bevorzugt auf wasserundurchlässigen Tonschichten auf. Sonderformen an Steilhängen sind Lawinen, manche Muren und Plaiken, die durch das Abrutschen der Grasnarbe entstehen.

Fließungen entstehen, wenn feinerdereiches Material vollständig wassergesättigt ist und sich nicht nur oberhalb einer Gleitfläche bewegt. Bei einer Mure fließt wassergesättigter Schutt breiartig den Hang hinab.

Geschwindigkeit der Abtragung

Der Denudationsmeter gibt die Zeitspanne an, die zur Abtragung einer 1 Meter mächtigen Landoberfläche benötigt wird. Für Mitteleuropa beträgt dieser Wert durchschnittlich etwa 20.000 Jahre.

Bedeutungen in Medizin und Zahnmedizin

In der Medizin kann Denudation die Freilegung oder Zerstörung einer Gewebeschicht bezeichnen. Beispiele sind die Zerstörung des Myelins an Nervenfasern, also die Demyelinisierung bei Multipler Sklerose, die Denudation der Epidermis sowie der durch Strahlenschäden verursachte Verlust des Schleimhautepithels.

Denudierung oder Denudation kann außerdem das Freimachen oder Entfernen einer Gewebeschicht bedeuten. Unter der Denudierung des unteren Ösophagus verstand man die operative Entfernung der Vagusäste in diesem Bereich. In der Chirurgie bezeichnet Denudierung auch das schonende Freipräparieren anatomischer Strukturen während einer Operation, wobei Blutversorgung und Innervation, also die Versorgung durch Nerven, erhalten werden sollen.

In der Zahnmedizin ist eine Denudation das Ablösen des Zahnfleischs vom Zahn, etwa infolge einer Parodontitis. Die „Denudatio radicis“ bezeichnet die Entblößung der Zahnwurzel beziehungsweise des Zahnhalses durch das Zurücktreten des Zahnfleisches.

Bedeutung in Psychologie und Verhaltenswissenschaften

In den Verhaltenswissenschaften und in der Psychologie bezeichnen „Denudation“ und „denudieren“ das Entblößen oder Entkleiden. Die Begriffe können sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn verwendet werden.

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