Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Friendly Floatees
Friendly Floatees (engl., dt. etwa Freundliche Treibteilchen) sind eine Charge von Quietscheentchen und anderen Plastiktieren, die berühmt wurden, …
Inhalt5 Abschnitte
Was die Friendly Floatees sind
Friendly Floatees sind eine bekannt gewordene Ladung von Quietscheentchen und anderen Plastiktieren, die nach einem Schiffsunfall im Meer trieben. Der englische Name bedeutet etwa „freundliche Treibteilchen“. Die Spielzeuge wurden über viele Jahre an weit voneinander entfernten Küsten angespült. Dadurch konnten Forschende Rückschlüsse auf Meeresströmungen ziehen.
Der Fall zeigt zugleich, dass verlorene Massengüter nur ein Teil des größeren Problems von Plastikmüll in den Ozeanen sind.
Unfall und Herkunft
Die Friendly Floatees stammten vom Frachtschiff Ever Laurel, das unter griechischer Flagge fuhr. Am 10. Januar 1992 geriet das Schiff auf dem Weg von Hongkong nach Tacoma im US-Bundesstaat Washington in einen schweren Sturm.
Im Nordpazifik an der Datumsgrenze verlor die Ever Laurel drei Container. Dabei wurden etwa 28.800 Kunststofftiere ins Meer gespült. Dazu gehörten gelbe Enten, grüne Frösche, blaue Schildkröten und rote Biber.
Wanderwege im Meer
Nach acht Monaten wurden die ersten Spielzeuge in Alaska angespült. Das weckte das Interesse des Ozeanforschers Curtis Ebbesmeyer. Nach seinen Nachforschungen erreichten viele der Plastiktiere Australien und Indonesien, einige auch Chile.
Viele Enten folgten der Ringströmung des Pazifiks. Eine Ringströmung ist eine großräumige kreisförmige Meeresströmung; im Pazifik benötigt sie zwei bis drei Jahre für eine Umdrehung. 1995 wurde festgestellt, dass Spielzeugtiere vom Beringmeer durch die Beringstraße ins Packeis des Nordpolarmeeres drifteten.
Später befassten sich auch Forschende am Center of Oceanography in Southampton mit den Plastiktieren, darunter der Meeresströmungsforscher Simon Boxall. Die Floatees passierten die Ostküste Grönlands. In den Jahren 2000 und 2003 wurden Exemplare in den US-Staaten Maine und Massachusetts gefunden. Auf den Hebriden wurde 2003 ein ausgebleichter Frosch entdeckt. Im August 2007 meldete Penny Harris den Fund einer Ente an einem Strand in Devon, etwa 27.000 km vom Ursprungsort entfernt. Von Juli bis Dezember 2003 setzte der US-Hersteller First Years Inc., dessen Name auf den Tieren stand, 100 US-Dollar Finderlohn aus.
Nutzen und Grenzen für die Forschung
Die Friendly Floatees waren für die Meereskunde interessant, weil ihr Weg Hinweise auf Oberflächenströmungen gab. Auch Klimaforscher wie Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimaforschung interessierten sich für ihre Wanderwege.
Ein wichtiger Zusammenhang ist die grönländische Eisschmelze im Zuge des Klimawandels. Dabei gelangt Süßwasser in die Labradorsee, das Nordpolarmeer und die Grönlandsee. Da Süßwasser leichter ist, sinkt es nicht so leicht ab. Dadurch können Meeresströmungen verlangsamt werden.
Die Aussagekraft solcher Funde hat aber Grenzen: An der Oberfläche schwimmendes Treibgut wird vom Wind beeinflusst. Wissenschaftliche Treibbojen können so gebaut werden, dass tief im Wasser liegende Angriffsflächen den Windeinfluss weitgehend ausschalten.
Künstlerische Verarbeitung
Das Schicksal der Friendly Floatees wurde auch in der Kunst und Literatur aufgegriffen. Die niederländische Künstlerin Marga Houtman schuf die über zwei Meter große Enten-Skulptur Mother Duck. Sie soll in England auf die Ankunft ihrer kleinen Artgenossen warten.
Der österreichische Schriftsteller Heinrich Steinfest erwähnt die nach dem Unfall in den Ozeanen treibenden Plastikenten mehrfach in seinem Roman Der Umfang der Hölle. Außerdem entstanden Kinderbücher zum Thema sowie das Theaterstück für Kinder Quietsch, die Ente von Anne-Kathrin Klatt. Es wurde am 1. Dezember 2007 am Landestheater Tübingen uraufgeführt.