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Friedhelm Gehrmann
Friedhelm Gehrmann (* 12. Juni 1939 in Dortmund) ist ein deutscher Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, der seit 1981 Lehr- und Beratungstätigkeiten …
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Profil und Bedeutung
Friedhelm Gehrmann (* 12. Juni 1939 in Dortmund) ist ein deutscher Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler. Seit 1981 übt er Lehr- und Beratungstätigkeiten aus. Sein besonderes Arbeitsgebiet ist der internationale Wissens- und Technologietransfer, also die Weitergabe und praktische Nutzung von Wissen und technischen Verfahren über Ländergrenzen hinweg.
An der Steinbeis-Hochschule Berlin leitet er die Institute „Global Consulting and Government“ und „Renewable Energy, Technology and Management“. Außerdem ist er geschäftsführender Gesellschafter der 2012 von ihm gegründeten IKAT GmbH (International Knowledge and Technology Consulting GmbH), die Beratungen zum internationalen Wissens- und Technologietransfer anbietet.
Ausbildung und berufliche Stationen
Gehrmann studierte von 1960 bis 1966 Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an den Universitäten Saarbrücken, Wien und Münster. 1969 wurde er an der Universität Münster zum Dr. rer. pol. promoviert. Bis 1973 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent an den Universitäten Münster und Augsburg.
Von 1974 bis 1976 forschte er bei der Economic Commission for Europe der UNO in Genf. Dabei untersuchte er, wie regionale Unterschiede in der Stadt- und Regionalforschung mithilfe wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Indikatoren erfasst werden können. Indikatoren sind messbare Größen, die Aussagen über gesellschaftliche oder wirtschaftliche Zustände ermöglichen. Von 1976 bis 1980 war er wissenschaftlicher Referent beim Statistischen Bundesamt und bei der Hessischen Landesregierung.
1980 wurde er Professor an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl bei Bonn und zeitweise an verschiedene Bundesministerien abgeordnet. Von 1982 bis 1985 wirkte er an der Vorbereitung des UNO-Weltkongresses „1985: Jahr der Jugend“ mit und gehörte dem deutsch-sowjetischen Sozialwissenschaftler-Austausch im Zusammenhang mit der Gromyko-Initiative und der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa an. Von 1983 bis 1986 lehrte er befristet an der Universität Zürich; von 1983 bis 1987 leitete er die Sektion „Soziale Indikatoren“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.
Nach der deutschen Wiedervereinigung hatte er von 1991 bis 1996 eine Professur an der Bauhaus-Universität Weimar. Zugleich beriet er russische Ministerien zur Sanierung von Plattenbauten und zu Qualifizierungskonzepten für den Transformationsprozess in Russland. Im Auftrag der Treuhandanstalt war er außerdem für Unternehmensprivatisierungen verantwortlich. Von 1996 bis 1998 arbeitete er mit einer Sonderaufgabe als wissenschaftlicher Referent für Wirtschaftsfragen beim Bundesministerium des Innern und beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
Internationale Beratung und Hochschultätigkeit
Von 2000 bis 2002 war Gehrmann Sprecher des wissenschaftlichen Beirats des „LERNET“-Programms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie sowie Mitglied des Europäischen Instituts für eGovernment. Seit 2004 arbeitet er an der Steinbeis-Hochschule Berlin und leitet dort als Institutsdirektor zwei Institute.
2011 und 2012 beriet er Ministerien und staatliche Einrichtungen in Kasachstan, darunter das Ministry of Industry and New Technologies (MINT) und die National Agency for Technological Development (NATD). Er wurde zudem in das Vorbereitungskomitee für das „Astana Economic Forum 2012“ und die „World Anticrisis Conference Astana“ berufen. Beide Konferenzen standen unter der Schirmherrschaft der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York.
Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte
Nach seiner Promotion untersuchte Gehrmann zunächst Konjunkturindikatoren und Konjunkturumfragen. Konjunkturindikatoren sind Messgrößen, mit denen die wirtschaftliche Entwicklung beobachtet und eingeschätzt wird. Von 1973 bis 1994 beschäftigte er sich vor allem mit Sozialindikatoren, Sozialberichterstattung und Umweltindikatoren. Parallel dazu erforschte er von 1987 bis 1992 Städte und Regionen in Schwellenländern.
Seit etwa 1989 rückten Wirtschaftsberatung und Technologietransfer in Schwellenländer stärker in den Mittelpunkt. Zwischen 1993 und 2003 konzentrierte er sich aufgrund der Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien auf e-Learning, eGovernment und e-Business. Dabei arbeitete er sowohl für den öffentlichen als auch für den privaten Sektor.
Die von ihm geleiteten Steinbeis-Institute verfügen über Niederlassungen oder Kontaktbüros in Kairo, Tripoli, Teheran, Moskau, Astana, Shanghai und Singapur. Im Zusammenhang mit Qualifizierungskonzepten, besonders für Schwellenländer, gewannen Werkzeuge für interaktive multimediale Lehr- und Lernmethoden im Digitalzeitalter zunehmend an Bedeutung.
Seit 2012 liegt ein aktueller Schwerpunkt auf der Analyse und Bewertung von „Technology-Leap-Frogging“. Gemeint ist dabei die Untersuchung der Folgewirkungen, die eine Einführung moderner Hochtechnologien in Schwellenländern hat. Seit 1972 unternahm Gehrmann dazu zahlreiche Forschungs- und Vortragsreisen, unter anderem in die USA, nach Kanada, in die UdSSR beziehungsweise nach Russland sowie in mehrere Länder Nordafrikas, des Nahen Ostens, Asiens und Europas.
Veröffentlichungen
Gehrmanns Veröffentlichungen spiegeln die Entwicklung seiner Forschung wider. Seine Dissertation „Konkurse im Industrialisierungsprozess Deutschlands 1810–1913“ erschien 1973. In den 1970er- und 1980er-Jahren schrieb er unter anderem über Konjunkturindikatoren, Einkommensverteilung, Lebensqualität, Stadtentwicklung, Infrastrukturunterschiede, Sozialindikatoren, Arbeitsbedingungen und neue Informations- und Kommunikationstechnologien.
Spätere Arbeiten behandelten Bau-Marketing, die Sanierung von Pflegeeinrichtungen in Plattenbauweise und die internetgestützte Beschaffung durch öffentliche Auftraggeber. Das gemeinsam mit Heiko Schinzer und Alfred Tacke verfasste Buch „Public E-Procurement. Netzbasierte Beschaffung für öffentliche Auftraggeber und Versorgungsunternehmen“ erschien 2002. Für die „World Anti-crisis Conference“ in Astana erarbeitete er 2013 einen Bericht und Vortrag über die frühzeitige Erkennung von Innovations- und Technologietrends während fortlaufender Modernisierung und Umstrukturierung.