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Friedensgutachten
Es analysiert aktuelle Gewaltkonflikte, zeigt Trends der internationalen Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik auf und gibt Empfehlungen für die Politik.
Inhalt3 Abschnitte
Gegenstand und Aufgabe
Das Friedensgutachten ist ein gemeinsames jährliches Gutachten der vier führenden deutschen Institute für Friedens- und Konfliktforschung: des Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC), des Peace Research Institute Frankfurt – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF), des Instituts für Entwicklung und Frieden (INEF) und des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH).
Es untersucht aktuelle Gewaltkonflikte, beschreibt Trends der internationalen Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik und leitet daraus Empfehlungen für die Politik ab. Das Gutachten dient damit als Instrument der Politikberatung: Wissenschaftliche Erkenntnisse werden in praktische Handlungsanweisungen für die Friedens- und Sicherheitspolitik in Deutschland und Europa übertragen.
Die Erstausgabe erschien 1987. Das Gutachten erscheint jährlich. Herausgeber sind Christopher Daase, Tobias Debiel, Nicole Deitelhoff, Conrad Schetter und Ursula Schröder. Bis 2019 wurde es im LIT Verlag Berlin veröffentlicht, seit 2020 erscheint es im Transcript Verlag. Seit 2018 ist es zusätzlich auf den Websites des Projekts und des Verlags kostenlos im Open Access verfügbar. Gefördert wird es von der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF).
Arbeitsweise und Aufbau
Seit 1987 veröffentlichen die deutschen Friedensforschungsinstitute das Friedensgutachten als zentrales Medium für den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik. Interdisziplinäre Autorenteams erarbeiten die Kapitel gemeinsam. Beteiligt sind Fachrichtungen wie Friedens- und Konfliktforschung, Internationale Beziehungen, Politikwissenschaft, Soziologie, Ethnologie und Regionalwissenschaften. Dadurch werden unterschiedliche fachliche und regionale Perspektiven zusammengeführt.
Auf Grundlage der Analysen formulieren die Herausgeber eine gemeinsame Stellungnahme. Sie zieht eine Bilanz der Ergebnisse, pointiert zentrale Aussagen und entwickelt konkrete Empfehlungen für die deutsche und europäische Friedens- und Sicherheitspolitik.
Die Inhalte sind in fünf jährlich wiederkehrende Themenfelder gegliedert:
- Bewaffnete Konflikte
- Nachhaltiger Frieden
- Rüstungsdynamiken
- Institutionelle Friedenssicherung
- Transnationale Sicherheitsrisiken
Zusätzlich gibt es das Kapitel „Fokus“. Darin wird ein Thema des aktuellen Konfliktgeschehens ausführlicher untersucht.
Das Friedensgutachten wird jedes Jahr in Berlin vor der Bundespressekonferenz vorgestellt. Danach diskutieren die beteiligten Institute ihre Befunde und Empfehlungen mit Ministerien und interessierten Fraktionen der Parteien in Berlin. Zu ausgewählten Themen, besonders zum Fokusthema, finden in Berlin und bundesweit öffentliche Veranstaltungen statt. Das Gutachten erhält insgesamt starke mediale Beachtung.
Im Buchhandel ist das Friedensgutachten erhältlich. Seine Print-ISSN lautet 0932-7983, die Online-ISSN 2751-3866. Als Website ist friedensgutachten.de angegeben; außerdem gibt es ein Artikelarchiv beziehungsweise Archiv.
Titel und Schwerpunkte seit 2000
Die Titel der Ausgaben zeigen, welche Konflikte und friedenspolitischen Fragen jeweils besonders wichtig waren:
- 2000: „Friedensmacht Europa?“
- 2001: „Krisenregion Naher Osten“
- 2002: „Folgen des 11. September 2001“
- 2003: „Die neue Weltordnung verträgt keine Militarisierung“
- 2004: „Frieden zu schaffen ist schwieriger als Krieg zu führen“
- 2005: „Friedensprozesse brauchen einen langen Atem“
- 2006: „Zentralen Herausforderungen für Frieden und Sicherheit“
- 2007: „Militäreinsätze auf dem Prüfstand“
- 2008: „Die neue Hochrüstung sprengt alle Dimensionen“
- 2009: „Möglichkeiten, Wege und Grenzen, Kriege und Gewaltkonflikte zu beenden“
- 2010: „Kritische Bilanz des Afghanistankrieges“
- 2011: „Umbrüche, Krieg und Intervention im arabischen Raum“
- 2012: „Globale Machtverschiebungen verlangen nach gemeinsamer Sicherheit und Kooperationsmacht“
- 2013: „Neue Kriege, neue Rüstung, neue Rüstungsmärkte“
- 2014: „Europa: Friedensprojekt am Ende?“
- 2015: „Mehr Verantwortung übernehmen“
- 2016: „Fluchtursachen in den Fokus: Verantwortung übernehmen“
- 2017: „Wie lässt sich Gewalt bändigen, wenn die kooperative Weltordnung zerfällt?“
- 2018: „Kriege ohne Ende. Mehr Diplomatie – weniger Rüstungsexporte“
- 2019: „Vorwärts in die Vergangenheit? Frieden braucht Partner“
- 2020: „Im Schatten der Pandemie: letzte Chance für Europa“
- 2021: „Europa kann mehr!“
- 2022: „Friedensfähig in Kriegszeiten“
- 2023: „Noch lange kein Frieden“
- 2024: „Welt ohne Kompass“
- 2025: „Frieden retten“
An den Titeln werden wiederkehrende Schwerpunkte sichtbar: die Rolle Europas, bewaffnete Konflikte und Militäreinsätze, Rüstung und Rüstungsexporte, Friedensprozesse, globale Machtverschiebungen sowie die internationale Sicherheits- und Kooperationsordnung. Die Titel beziehen sich unter anderem auf den Nahen Osten, die Folgen des 11. September 2001, Afghanistan, den arabischen Raum, Fluchtursachen und die Pandemie. Seit 2022 stehen ausdrücklich die Bedingungen für Frieden in Kriegszeiten und die Gefährdung des Friedens im Mittelpunkt.