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Franz-Josef Brüggemeier
Brüggemeier gilt als einer der Wegbereiter der Umweltgeschichte als historischer Disziplin in Deutschland.
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Bedeutung und Fachgebiet
Franz-Josef Brüggemeier, geboren am 7. März 1951 in Bottrop, ist ein deutscher Historiker. Er war von 1998 bis 2018 Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Besonders wichtig ist er für die Umweltgeschichte, also die historische Untersuchung des Verhältnisses von Mensch, Gesellschaft, Natur und Umweltproblemen. Brüggemeier gilt als einer der Wegbereiter dieser Disziplin in Deutschland.
Seine Forschungsschwerpunkte sind die deutsche und britische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, die Umweltgeschichte und die Geschichte des Sports. Er ist außerdem Mitglied in der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur.
Ausbildung und frühe Forschung
Brüggemeier besuchte das Mauritius-Gymnasium in Büren/Westfalen und machte 1969 Abitur. Danach studierte er Geschichte und Sozialwissenschaften an den Universitäten Bochum, München, York in England und Bremen. 1975 schloss er das Studium mit dem Staatsexamen ab.
Von 1975 bis 1979 war er Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Neuere Geschichte an der Universität-Gesamthochschule Essen. Gleichzeitig begann er ein Medizinstudium. 1981 erhielt er die Approbation, also die staatliche Zulassung als Arzt, und arbeitete bis 1983 als Arzt am Marienhospital Gelsenkirchen.
Im Mai 1982 wurde Brüggemeier bei Lutz Niethammer in Essen promoviert. Seine Dissertation behandelte die Geschichte der Ruhrbergleute zwischen 1889 und 1919. Die Studie untersuchte sowohl allgemeine Entwicklungsbedingungen als auch konkrete Erfahrungen im Alltag der Bergleute. Sie wurde breit rezipiert und bildete die Grundlage für die ARD-Fernsehserie „Rote Erde“, die Brüggemeier fachlich betreute. Sein Interesse an der Erfahrungsgeschichte des Ruhrreviers zeigte sich auch in der Mitkonzeption des Forschungsprojekts „Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet 1930–1960“ sowie in seiner medizinischen Dissertation von 1990 über das Kruppsche Krankenhaus von 1870 bis 1914.
Akademische Laufbahn
Von Oktober 1983 bis 1994 arbeitete Brüggemeier als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Neuere Geschichte an der Fernuniversität Hagen. Dort entwickelte er sein Interesse an Umweltgeschichte weiter, verbunden mit seiner doppelten Perspektive als Historiker und Mediziner. 1987 erschien der zusammen mit Thomas Rommelspacher herausgegebene Sammelband „Geschichte der Umwelt im 19. und 20. Jahrhundert“.
1994 habilitierte sich Brüggemeier mit einer Pionierstudie über Luftverschmutzung, Industrialisierung und Risikobewusstsein im 19. Jahrhundert. Eine Habilitation ist eine wissenschaftliche Qualifikation, die in Deutschland häufig Voraussetzung für eine Professur ist. Von 1995 bis 1998 lehrte er als Professor für Neuere Geschichte an der Universität Hannover.
Von 1998 bis 2018 war er Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Im Sommersemester 2012 vertrat er an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts, die Professur von Sven Beckert, der im Rahmen eines Kooperationsprogramms an der Universität Freiburg war. Seit seiner Emeritierung im Jahr 2018 ist Brüggemeier Mitarbeiter und Fellow am Institut für Soziale Bewegungen an der Ruhr-Universität Bochum.
Wichtige Veröffentlichungen
Brüggemeiers Veröffentlichungen zeigen seine zentralen Themen: Ruhrgebiet, Bergbau, Umweltgeschichte, Energiegeschichte, Großbritannien und Sportgeschichte. Zu seinen Monographien gehören „Leben vor Ort. Ruhrbergleute und Ruhrbergbau 1889–1919“ von 1983, „Die Krupp’schen Krankenanstalten (1870–1914)“ von 1990 und, zusammen mit Thomas Rommelspacher, „Blauer Himmel über der Ruhr. Geschichte der Umwelt im Ruhrgebiet 1840–1990“ von 1992.
Weitere wichtige Einzelwerke sind „Das unendliche Meer der Lüfte. Luftverschmutzung, Industrialisierung und Risikobewusstsein im 19. Jahrhundert“ von 1996, „Tschernobyl, 26. April 1986 – die ökologische Herausforderung“ von 1998, „Zurück auf dem Platz. Deutschland und die Fußball-Weltmeisterschaft 1954“ von 2004, „Geschichte Großbritanniens im 20. Jahrhundert“ von 2010 und „Schranken der Natur. Umwelt, Gesellschaft, Experimente 1750 bis heute“ von 2014. Später erschienen unter anderem „Sonne, Wasser, Wind: Die Entwicklung der Energiewende in Deutschland“ von 2015, „Grubengold. Das Zeitalter der Kohle von 1750 bis heute“ von 2018 und „Margaret Thatcher. Die Eiserne Lady. Eine Biographie“ von 2025.
Als Herausgeber war Brüggemeier ebenfalls an wichtigen Sammelwerken beteiligt, darunter „Besiegte Natur. Geschichte der Umwelt im 19. und 20. Jahrhundert“ von 1987, „Industrie – Natur. Lesebuch zur Geschichte der Umwelt im 19. Jahrhundert“ von 1995, „Die Welt im Jahr 1000“ von 2000, „Natur- und Umweltschutz nach 1945“ von 2005 und „How Green Were the Nazis? Nature, Environment, and Nation in the Third Reich“ von 2006.
Auszeichnung
Im Jahr 2026 wurde Franz-Josef Brüggemeier der Bochumer Historikerpreis zugesprochen. Der Preis wurde zu diesem Zeitpunkt zum neunten Mal verliehen.