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Fiskalpolitik unter festen Wechselkursen

Fiskalpolitik unter festen Wechselkursen bedeutet das Festlegen der Staatseinnahmen (z. B. Steuern, Gebühren/Beiträge aus öffentlichen Dienstleistungen) und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Einordnung
  2. 2. Wirkung expansiver Fiskalpolitik
  3. 3. Bedeutung der Kapitalbewegungen
  4. 4. Administrierte Wechselkursänderungen
  5. 5. Vor- und Nachteile der Wechselkursbindung

Grundidee und Einordnung

Fiskalpolitik unter festen Wechselkursen bezeichnet die Festlegung der Staatseinnahmen, etwa Steuern, Gebühren und Beiträge, sowie der Staatsausgaben, etwa staatliche Konsum- und Investitionsausgaben oder Subventionen, wenn der Außenwert der Währung festgelegt ist. Ein fester Wechselkurs bedeutet, dass der Preis der Inlandswährung gegenüber ausländischen Währungen fixiert ist oder nur innerhalb enger Bandbreiten vom vereinbarten Leitkurs abweichen darf. Bei Abweichungen auf dem Devisenmarkt muss die Zentralbank eingreifen.

Fiskalpolitik ist ein Teil der Finanzpolitik und damit ein Instrument der staatlichen Wirtschaftspolitik. Da wirtschaftspolitische Änderungen den Wechselkurs beeinflussen, kann die Fiskalpolitik bei einem festen Wechselkurs nicht unabhängig von der Geldpolitik betrieben werden: Die Zentralbank muss durch Käufe oder Verkäufe von Vermögenswerten eine unerwünschte Auf- oder Abwertung verhindern.

In der Praxis ist eine feste Bandbreite realistischer als eine völlig unveränderliche Bindung. Bei dauerhaften Zahlungsbilanzdefiziten oder -überschüssen lässt sich eine Abwertung beziehungsweise Aufwertung langfristig kaum vermeiden.

Wirkung expansiver Fiskalpolitik

Expansive Fiskalpolitik bedeutet, dass der Staat seine Ausgaben erhöht oder seine Einnahmen senkt, beispielsweise durch eine Verringerung der Steuern. Dadurch steigt die staatliche Nachfrage und das Gütermarktgleichgewicht verschiebt sich zu einem höheren Produktionsniveau. Die Arbeitslosigkeit sinkt, während Einkommen, Preisniveau und Zinssatz steigen. Zugleich entstehen tendenziell ein Kapitalbilanzüberschuss und ein Leistungsbilanzdefizit.

Mit der höheren Produktion nimmt die Geldnachfrage zu. Das steigende Preisniveau und der höhere Inlandszinssatz erzeugen Aufwertungsdruck auf die heimische Währung. Ohne Eingriff der Zentralbank würde sich der Wechselkurs verändern. Um den festen Kurs zu verteidigen, kauft die Zentralbank ausländische Vermögenswerte gegen neu geschaffenes eigenes Geld. Dadurch steigen Geldangebot und Geldmenge wieder. Der anschließend sinkende Zins und das steigende Einkommen verringern den Kapitalbilanzüberschuss und vergrößern das Leistungsbilanzdefizit.

Nach der Intervention bleibt der Wechselkurs unverändert, während die Produktion gegenüber dem ursprünglichen Zustand höher ist. Der Zentralbank wird dabei langfristig eine Ausweitung des Geldangebots aufgezwungen.

Bedeutung der Kapitalbewegungen

Wie wirksam die Fiskalpolitik ist, hängt von der internationalen Kapitalmobilität ab, also davon, wie leicht Kapital auf Zinsunterschiede zwischen Ländern reagiert und Grenzen überschreitet.

Bei Kapitalimmobilität und einem Defizit in Zahlungs- und Leistungsbilanz erhöht expansive Fiskalpolitik zunächst das Gleichgewichtseinkommen: IS → IS' und kurzfristig entsteht WK₂. Danach sinkt das Geldangebot, LM → LM'', bis das Handelsdefizit beseitigt und WK₃ erreicht ist. Die Zentralbank muss die Devisennachfrage durch den Verkauf von Devisen ausgleichen und zieht dadurch Zentralbankgeld ein. Die Geldknappheit lässt den Zinssatz steigen und verursacht einen Crowding-out-Effekt: Privater Konsum und Investitionen werden verdrängt. Güternachfrage und Geldangebot kehren langfristig zum Ausgangsniveau zurück; die Fiskalpolitik ist in diesem Fall langfristig unwirksam.

Bei vollkommener Kapitalmobilität steigen die Zinssätze nach IS → IS' zunächst bis WK₂. Einströmendes Auslandskapital sorgt jedoch dafür, dass der inländische Zinssatz auf Weltniveau bleibt. Das ausländische Kapital wird zum festen Wechselkurs in Inlandswährung getauscht, wodurch sich die Geldmenge erhöht: LM → LM''. Bei WK₃ entsteht ein hohes Zahlungsbilanzgleichgewicht mit unverändertem Zinssatz. Die fiskalpolitischen Impulse werden durch steigende Devisenreserven und eine schnelle, starke Geldmengenexpansion unterstützt. Die Einkommenseffekte sind kurz- und langfristig größer; expansive Fiskalpolitik erreicht hier ihre größtmögliche Wirkung auf die aggregierte Nachfrage. Expansive Geldpolitik kann dagegen Output und Preise nicht beeinflussen.

Insgesamt gilt die Fiskalpolitik bei festen Wechselkursen kurz- und langfristig als wirksam. Wenn Kapitalströme zinselastisch reagieren, ist der langfristige Einkommenseffekt expansiver Fiskalpolitik stärker als der kurzfristige.

Administrierte Wechselkursänderungen

Mittelfristig kann ein Land den festgelegten Wert seiner Währung gegenüber ausländischen Währungen unvermittelt ändern.

Die politisch administrierte Abwertung wird im Artikel als Erhöhung des Preises der inländischen Währung in ausländischer Währung durch die Zentralbank definiert. Dabei steigt das feste Wechselkursniveau; inländische Güter und Dienstleistungen werden im Verhältnis zu ausländischen billiger. Mehr Transaktionen erhöhen Produktion und Geldnachfrage. Um einen Anstieg des Inlandszinssatzes zu verhindern, kauft die Zentralbank Auslandsaktiva und weitet so die Geldmenge aus. Das Ergebnis sind höhere Produktion, größere Reserven und eine höhere Geldmenge. Der Zunahme der Zentralbankreserven steht in der Zahlungsbilanz ein Zufluss privaten Kapitals gegenüber. Als Gründe für eine Abwertung nennt der Artikel die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ohne Geldpolitik, die Verbesserung der Leistungsbilanz und die Aufstockung der Währungsreserven.

Die politisch administrierte Aufwertung ist entsprechend die Reduktion des Preises der inländischen Währung in ausländischer Währung durch die Zentralbank. Das feste Wechselkursniveau sinkt und inländische Güter werden relativ teurer. Weniger Transaktionen senken die Produktion und erzeugen einen Geldangebotsüberhang. Der Inlandszinssatz fällt; deshalb verkauft die Zentralbank Auslandsaktiva und verringert die Geldmenge. Die Folgen sind eine niedrigere Produktion, geringere offizielle Reserven und eine kleinere Geldmenge.

Vor- und Nachteile der Wechselkursbindung

Für einen festen Wechselkurs spricht nach dem Artikel, dass es kurzfristig nicht zu einer realen Abwertung und einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, sondern zu einer Vermehrung der Geldmenge kommt. Eine administrierte Abwertung steigert ebenfalls gesamtwirtschaftliche Nachfrage und Geldmenge; eine Aufwertung wirkt entgegengesetzt. Langfristig führen expansive Fiskalpolitik zu einer realen Aufwertung, einer größeren Geldmenge und einem höheren inländischen Preisniveau. Bei einer Abwertung steigen das langfristige Geldmengen- und Preisniveau proportional. Die monetäre Anpassung verursacht dabei weder eine ungünstige Veränderung des inländischen Zinssatzes noch des festen Wechselkurses.

Gegen einen festen Wechselkurs spricht der Verlust geldpolitischer Selbstständigkeit. Das Land gibt ein wirksames Instrument zur Korrektur von Handelsungleichgewichten und zur Steuerung der Konjunktur auf. Außerdem verliert es die Kontrolle über den eigenen Zinssatz und muss Bewegungen ausländischer Zinssätze nachvollziehen.

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