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Fairtrade Deutschland

Der 1992 gegründete gemeinnützige Verein Fairtrade Deutschland e. V. mit Sitz in Köln ist die nationale Fairtrade-Organisation für Deutschland, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Aufgaben
  2. 2. Entwicklung des Vereins
  3. 3. Organisation und Finanzierung
  4. 4. Wirkungen im Markt und bei Produzenten
  5. 5. Beispiel Kaffee
  6. 6. Fairtrade-Prämie

Kern und Aufgaben

Fairtrade Deutschland e. V. ist ein 1992 gegründeter gemeinnütziger Verein mit Sitz in Köln. Er ist die nationale Fairtrade-Organisation für Deutschland. Der Verein vergibt in Deutschland das Fairtrade-Siegel an Importeure, Hersteller und Händler, wenn diese die Fairtrade-Standards erfüllen. Außerdem fördert er die Bekanntheit des Siegels in Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft.

Das Ziel des Vereins ist, wirtschaftlich benachteiligten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, Plantagenarbeiterinnen und Plantagenarbeitern sowie ihren Familien in Ländern des globalen Südens durch gerechteren Handel und nachhaltige Entwicklung bessere Lebensperspektiven zu ermöglichen. Fairtrade Deutschland ist Mitglied von Fairtrade International, der Dachorganisation der nationalen Fairtrade-Organisationen weltweit. Zu den Aufgaben gehören neben der Siegelvergabe auch Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.

Entwicklung des Vereins

Der Verein entstand 1992 zunächst als Arbeitsgemeinschaft AG Kleinbauernkaffee e. V. Im Mai 1992 benannte sie sich in TransFair – Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der Dritten Welt e. V. um und schloss ihren ersten Lizenzvertrag mit der GEPA. Bis Mitte 1992 hatte TransFair 22 Mitglieder.

1997 wurde in Bonn die Dachorganisation Fairtrade Labelling Organizations International gegründet, heute Fairtrade International. Danach stellte TransFair Deutschland sein Siegel auf den international einheitlichen Standard und das neue Fairtrade-Logo um; die Wortmarke „TransFair“ blieb bis 2007 im Siegel erhalten.

2009 startete TransFair Deutschland die Kampagne „Fairtrade-Towns“ und zeichnete Saarbrücken als erste Fairtrade-Stadt aus. Seit 2012 gibt es die Kampagne Fairtrade-Schools, die fairen Handel im Schulalltag verankern und Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung schaffen soll. 2015 rief TransFair Deutschland das Bananen-Forum ins Leben, um den gesellschaftspolitischen Dialog über den Bananenmarkt zu fördern. 2021 wurden Siegelname und Vereinsname vereinheitlicht: Aus TransFair wurde Fairtrade Deutschland e. V. Im selben Jahr startete das Programm FairActivists für junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren.

Organisation und Finanzierung

Mitglieder von Fairtrade Deutschland sind Organisationen aus Entwicklungspolitik, Kirche, Umwelt, Verbraucherschutz, Frauen, Bildung und Sozialem. 2019 hatte der Verein 35 Mitgliedsinstitutionen, 2020 waren es 36 Organisationen. Aus den Mitgliedern wird der Aufsichtsrat besetzt. In der Geschäftsstelle arbeiteten 2019 insgesamt 65 angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ehrenamtliche Multiplikatoren und Referenten unterstützen die Öffentlichkeitsarbeit.

Fairtrade Deutschland gehört zu Fairtrade International. Dort waren 2019 insgesamt 21 nationale Siegelorganisationen, 9 Marketingorganisationen und drei Produzentennetzwerke zusammengeschlossen. Produzentenvertreter verfügen bei Fairtrade International über 50 % der Stimmrechte. Fairtrade International setzt die weltweit gültigen Fairtrade-Standards fest, darunter Mindestpreise und Fairtrade-Prämien, und berät Produzentenorganisationen. Die Zertifizierung und Kontrolle übernimmt FLOCert.

Der Verein finanziert seine Arbeit vor allem über Lizenzeinnahmen für das in Deutschland vergebene Fairtrade-Siegel. 2017 waren das etwa 13,5 Mio. Euro von insgesamt etwa 18,4 Mio. Euro Einnahmen. Weitere Einnahmen stammen aus projektbezogenen Zuschüssen, Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Die größten Ausgabenposten waren 2017 der Mitgliedsbeitrag an Fairtrade International mit 3,4 Mio. Euro, Personalkosten mit 3,2 Mio. Euro sowie Presse-, Öffentlichkeitsarbeit, Kampagnen und Marketing mit 2,3 Mio. Euro.

Wirkungen im Markt und bei Produzenten

Ende der 2010er-Jahre waren durch die Arbeit von Fairtrade Deutschland mehr als 5.500 Fairtrade-gesiegelte Produkte in rund 42.000 Verkaufsstellen erhältlich. Dazu gehörten Supermärkte, Discounter, Drogerien, Biosupermärkte und Weltläden sowie mehr als 20.000 gastronomische Betriebe. 2016 überschritten die Umsätze mit Fairtrade-zertifizierten Produkten in Deutschland erstmals die Grenze von einer Milliarde Euro.

Wenn bei der Verarbeitung fair produzierte und konventionelle Rohstoffe vermischt werden, werden die Produkte mit dem Zusatz „mit Mengenausgleich“ vermarktet. Mengenausgleich bedeutet hier, dass nicht jedes einzelne Rohstoffteil physisch getrennt bleibt, aber die entsprechende Menge fair gehandelter Rohstoffe im System berücksichtigt wird.

Für Produzenten sollen die Fairtrade-Standards Marktzugänge und wirtschaftliche Vorteile schaffen. Dazu zählen garantierte Mindestpreise bei sinkenden Weltmarktpreisen, die zusätzliche Fairtrade-Prämie, langfristige Lieferbeziehungen und Möglichkeiten zur Vorfinanzierung. Außerdem sollen ökologische und soziale Standards die Lebensbedingungen von Bauern und Landarbeitern verbessern, etwa durch Beiträge zur Gleichberechtigung der Geschlechter, Frauenförderung und Prävention gegen ausbeuterische Kinderarbeit.

Beispiel Kaffee

Am Beispiel Kaffee zeigt der Artikel, wie Mindestpreise und Prämien wirken können. Im August 2007 lag der Monatsdurchschnittspreis auf dem Weltmarkt bei 1,22 US-Dollar pro englischem Pfund Arabica-Rohkaffee; ein englisches Pfund entspricht 453,6 g. Produzenten erhalten aber nur einen Teil des Weltmarktpreises. Im Jahresdurchschnitt 2007 erhielten die meisten Produzenten deutlich weniger, zum Beispiel in Mexiko 1,06 US-Dollar. Während der Kaffeekrise lag der Weltmarktpreis im Oktober 2001 bei nur 0,48 US-Dollar; in El Salvador wurden 2001 im Durchschnitt nur 0,19 US-Dollar an Produzenten gezahlt.

Im Fairtrade-System zahlten teilnehmende Händler im betrachteten Zeitraum an Produzentenorganisationen mindestens 1,21 US-Dollar pro Pfund, ab Juni 2008 mindestens 1,25 US-Dollar. Lag der Weltmarktpreis darüber, musste mindestens der höhere Weltmarktpreis gezahlt werden. Zusätzlich kam eine Prämie für Gemeinschaftsprojekte hinzu: 0,10 US-Dollar pro Pfund für konventionellen Kaffee und 0,20 US-Dollar für kontrolliert biologisch angebauten Kaffee; vor Juli 2007 waren es 0,05 beziehungsweise 0,10 US-Dollar.

Für August 2007 bedeutete das im fairen Handel mindestens 0,10 US-Dollar Mehrerlös pro Pfund für konventionellen und 0,20 US-Dollar für biologischen Kaffee gegenüber dem Weltmarktpreis. Gegenüber tatsächlich gezahlten Produzentenpreisen war der Abstand oft größer, zum Beispiel in Mexiko 0,25 beziehungsweise 0,35 US-Dollar. Umgerechnet auf eine übliche 500-g-Packung hätten Produzenten im August 2007 mindestens 0,19 Euro mehr an biologisch produziertem Fairtrade-Kaffee eingenommen als bei Kaffee zum Weltmarktpreis von umgerechnet 1,13 Euro. In einer GEPA-Beispielkalkulation für mexikanischen Arabica-Kaffee gingen von 7,38 Euro Verkaufspreis pro 500-g-Packung 1,51 Euro für die Rohware an Produzentenorganisationen; davon erhielt die Organisation 0,31 Euro und der Bauer 1,20 Euro.

Fairtrade-Prämie

Die Fairtrade-Prämie wird von Händlern an Produzentenorganisationen gezahlt. Diese müssen das Geld in soziale und wirtschaftliche Entwicklung investieren. Die Verwendung unterscheidet sich je nach Region und Projektbedarf.

Im Jahr 2009 betrug die Fairtrade-Prämie in Afrika 12,6 Mio. Euro, in Asien 5,6 Mio. Euro und in Lateinamerika und der Karibik 33,8 Mio. Euro. In Afrika flossen 46 % in Business und Produktion, 22 % in Gemeinden, 16 % in Bildung, 6 % in Gesundheit, 3 % in Frauenprogramme, 0,2 % in Umweltprojekte; 3 % entfielen auf andere Zwecke und 4 % waren noch nicht ausgegeben. In Asien gingen 25 % an Gemeinden, 20 % in Business und Produktion, 18 % in Gesundheit, 12 % in Bildung, 4 % in Frauenprogramme; 14 % entfielen auf andere Zwecke und 7 % waren noch nicht ausgegeben. In Lateinamerika und der Karibik flossen 36 % in Business und Produktion, 24 % in Gemeinden, 4 % in Bildung, 3 % in Gesundheit, 2 % in Frauenprogramme und 1 % in Umweltprojekte; 18 % entfielen auf andere Zwecke und 12 % waren noch nicht ausgegeben.

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