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Fairtrade Labelling Organizations International
Die Organisation entwickelt eigene Standards für fairen Handel und vergibt über ihre nationalen Siegelorganisationen das Fairtrade-Siegel für Produkte, die …
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Kernidee und Aufbau
Fairtrade Labelling Organizations International (FLO), in der Außendarstellung Fairtrade International, ist eine 1997 gegründete Dachorganisation für fairen Handel mit Sitz in Bonn. Ihr Zweck ist die Förderung der Entwicklungshilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Sie entwickelt eigene Standards für fairen Handel und vergibt über nationale Siegelorganisationen das Fairtrade-Siegel für Produkte, die nach diesen FLO-Standards zertifiziert wurden.
FLO ist mit anderen international tätigen Dachorganisationen im Netzwerk FINE zusammengeschlossen und Mitglied der ISEAL Alliance. Zur Organisation gehören nationale Siegelinitiativen, Produzentennetzwerke und Marketingorganisationen. Aus dem deutschsprachigen Raum zählen Fairtrade Deutschland, Fairtrade Österreich und Max Havelaar für die Schweiz zu den Mitgliedern. 2018 waren insgesamt 20 nationale Fairtrade-Organisationen, drei Produzentenorganisationen und neun Marketingorganisationen Mitglied.
Die Vollmitglieder entsenden Vertreter in die Hauptversammlung. Dort sind Produzentenorganisationen und Siegelinitiativen je zur Hälfte vertreten. Die Hauptversammlung wählt den Vorstand. Auch dort gilt eine Quotenregelung: vier Vorstandsmitglieder werden von den nationalen Siegelinitiativen nominiert, vier von den Produzentenorganisationen; drei weitere werden durch ein ernanntes Nominierungskomitee vorgeschlagen. Der Vorstand wählt die Geschäftsführung und ernennt Ausschüsse, besonders den Ausschuss zur Weiterentwicklung der Fairtrade-Standards.
Zertifizierung und Arbeitsweise
FLO arbeitet eng mit der FLO-CERT GmbH zusammen. FLO-CERT überprüft und zertifiziert Produzenten und Händler anhand der von FLO entwickelten Standards. Die Zertifizierung bedeutet: Es wird geprüft, ob eine Organisation bestimmte Regeln einhält, damit ihre Produkte das Fairtrade-Siegel tragen dürfen.
FLO-CERT ist nach ISO 65 als unabhängige Zertifizierungsorganisation akkreditiert. Dies soll Qualitätsmanagement, Transparenz und unabhängige Zertifizierungsentscheidungen zeigen. Die Zertifizierung und Überwachung von Siegelnehmern, also Organisationen oder Unternehmen, die das Siegel nutzen dürfen, erfolgt durch FLO-CERT.
FLO konzentriert sich vor allem auf die Zertifizierung landwirtschaftlicher Produkte. Mit FLO arbeiten sowohl Alternative Handelsorganisationen, also Fairhandelsorganisationen, als auch große Einzelhandelsketten, Discounter und Unternehmen der Lebensmittelindustrie zusammen. Für die letztgenannten Unternehmen ist die Produktion von und der Handel mit Fairtrade-Produkten meist nur eine Nische im Sortiment. Dieser Fokus auf Produktzertifizierung und Lizenzvergabe auch außerhalb reiner Fairhandelsorganisationen unterscheidet FLO von der World Fair Trade Organization.
Entwicklung
Das erste Gütesiegel für den Fairen Handel wurde 1988 durch Max Havelaar in den Niederlanden eingeführt. Ziel war es, mehr fair gehandelten Kaffee zu verkaufen. Dieses Ziel wurde erreicht: Der Marktanteil stieg von 0,2 % im Jahr 1987 auf 1,7 % im Jahr 1989. Der Erfolg führte dazu, dass vor allem Entwicklungshilfeorganisationen in weiteren Ländern Siegelinitiativen gründeten, darunter als erste nationale TransFair-Initiative Transfair-Deutschland.
Die nationalen Siegelinitiativen unterschieden sich zunächst in Organisation und Standards. Manche Vorstände wurden aus Entwicklungshilfeorganisationen besetzt, andere bestimmten ihre Nachfolger selbst, und an manchen waren auch Produzenten und Händler beteiligt. Auch bei den Regeln gab es Unterschiede: Einige Initiativen erlaubten die Zertifizierung von Teeplantagen, andere beschränkten sich auf kleinbäuerliche Betriebe.
Um Standards und Abläufe zu vereinheitlichen, gründeten 17 Siegelinitiativen 1997 Fairtrade Labelling Organizations International als gemeinsame Dachorganisation. 2002 führte FLO das gemeinsame Fairtrade-Siegel ein. 2004 wurde FLO-CERT gegründet, um eine unabhängige Zertifizierung von Produzenten und Händlern zu gewährleisten. FLO erhielt den König-Baudouin-Preis 2002/2003. Seit 2011 tritt FLO nach außen unter dem Namen Fairtrade International auf.
Ende 2011 schied Transfair USA, heute Fair Trade USA, aus FLO aus. Die Organisation war mit etwa 1 Mrd. Euro Einzelhandelsumsatz 2011 die zweitgrößte Siegelinitiative. Sie gab danach ein neues Siegel heraus und zertifiziert seitdem auch große Produzenten, die nicht als Kooperativen organisiert sind.
Mitbestimmung der Produzenten
Die Entwicklung von FLO war von Spannungen über die Beteiligung der Produzenten an Entscheidungen geprägt. Produzenten sind die Menschen oder Organisationen, die Waren wie Kaffee, Kakao oder Bananen herstellen oder anbauen. Anfangs waren nur nationale Siegelinitiativen Mitglieder von FLO.
Nach Ansicht mancher Kritiker wurden Entscheidungen zunächst vor allem durch einflussreiche und finanzstarke Initiativen geprägt. Produzenten konnten anfangs nicht formal über die Standards mitbestimmen, obwohl diese Standards sie regulierten und eigentlich zu ihrer Stärkung dienen sollten.
Auf Druck der Produzenten führte FLO mehrere Reformen durch. 2004 erhielten Produzenten das Recht, eine Minderheit der Direktoren im Aufsichtsrat zu benennen. Seit 2007 haben Produzentennetzwerke formalen Mitgliedsstatus. Seit 2014 sind sie paritätisch, also gleichberechtigt zur Hälfte, im Aufsichtsrat vertreten.
Standards, Preise und Prämie
FLO definiert Standards, die eine Organisation einhalten muss, damit ihre Produkte zertifiziert werden und das Fairtrade-Siegel erhalten können. Diese Standards enthalten organisatorische Kriterien, also Regeln für die Struktur und Arbeitsweise einer Organisation, sowie produktbezogene Kriterien, also Regeln für bestimmte Waren.
Die Standards unterscheiden zwischen fest einzuhaltenden Anforderungen und Anforderungen an kontinuierliche Prozessverbesserungen. Prozessverbesserungen bedeuten, dass Organisationen ihre Arbeitsweise schrittweise weiterentwickeln sollen.
Ein wichtiger Teil sind Preisstandards. Sie verlangen die Zahlung eines kostendeckenden Mindestpreises, den FLO nach einem bestimmten Verfahren für die meisten Produktgruppen festlegt. Wenn die Marktpreise der jeweiligen Handelsstufe über diesen Mindestpreisen liegen, muss mindestens der Marktpreis gezahlt werden. Produzenten und Händler können auch höhere Preise verhandeln. Die Preise entstehen also weiterhin durch Marktmechanismen, aber Produzenten sollen durch Regeln vor ruinös niedrigen Preisen geschützt werden.
Zusätzlich gibt es eine Fairtrade-Prämie. Sie soll kommunale Projekte fördern. Im Jahr 2013 wurden bei einem Gesamtumsatz von etwa 5,5 Mrd. Euro mit Produkten mit Fairtrade-Siegel Fairtrade-Prämien in Höhe von etwa 83 Mio. Euro gezahlt.
Markt und Kritik
FLO weitete seit ihrer Gründung die Zertifizierung zunehmend auf konventionelle Unternehmen der Lebensmittelproduktion, Lebensmittelverarbeitung und des Handels aus. Konventionelle Unternehmen sind hier Unternehmen, für die Fairer Handel nicht das ganze Geschäftsmodell ist, sondern nur ein kleiner Teil ihres Sortiments. Diese Ausweitung war der wichtigste Grund für die stark steigenden Umsätze mit zertifizierten Produkten.
Kritiker befürchten, dass solche Unternehmen kein echtes Interesse an den Zielen des Fairen Handels haben könnten. Nach dieser Kritik erfüllen sie möglicherweise nur die minimal notwendigen Kriterien, um Nischenmärkte zu erschließen und ihr Image zu verbessern.
Nach Schätzungen der FLO wurden 2009 Produkte mit Fairtrade-Siegel in etwa 70 Ländern mit einem Gesamtvolumen von 3,4 Mrd. Euro verkauft. 2013 waren es 5,5 Mrd. Euro. Die wichtigsten Absatzländer nach Umsatz waren 2013 das Vereinigte Königreich mit gut 2 Mrd. Euro, Deutschland mit 600 Mio. Euro sowie Frankreich, die Schweiz und die USA mit jeweils über 300 Mio. Euro. Die bedeutendsten Produkte nach der Zahl abgesetzter Einheiten waren Blumen, Bananen, Zucker, Kaffee und Kakao.