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F-Verteilung

F-Verteilung · 1 Definition · 2 Eigenschaften. 2.1 Erwartungswert; 2.2 Varianz; 2.3 Verteilungsfunktion · 3 Beziehungen zu anderen Verteilungen. 3.1 Beziehung zur …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Definition und zentrale Kennwerte
  3. 3. Verteilungsfunktion und Quantile
  4. 4. Beziehungen zu anderen Verteilungen
  5. 5. Nichtzentrale Form und Herleitung der Dichte

Grundidee und Bedeutung

Die F-Verteilung, auch Fisher-Verteilung oder Fisher-Snedecor-Verteilung, ist eine stetige Wahrscheinlichkeitsverteilung auf positiven Zahlen. Sie wird durch zwei unabhängige Parameter beschrieben: m Freiheitsgrade im Zähler und n Freiheitsgrade im Nenner. Freiheitsgrade geben hier an, wie viele unabhängige Informationen in die zugrunde liegenden Größen eingehen.

Die Verteilung entsteht als Quotient zweier unabhängiger Chi-Quadrat-verteilter Zufallsvariablen, nachdem jede durch ihre Zahl an Freiheitsgraden geteilt wurde:

F_{m,n} = (χ²_m/m)/(χ²_n/n).

Dabei besitzen χ²_m und χ²_n jeweils m beziehungsweise n Freiheitsgrade. Diese Konstruktion erklärt, weshalb die F-Verteilung besonders für den Vergleich von Varianzen geeignet ist. Im F-Test wird geprüft, ob sich zwei Stichprobenvarianzen nur aufgrund statistischer Schwankungen unterscheiden oder ob der Unterschied auf verschiedene Grundgesamtheiten hinweist. Auch die Varianzanalyse verwendet eine F-Statistik, um signifikante Unterschiede zwischen Gruppen zu untersuchen.

Definition und zentrale Kennwerte

Eine stetige Zufallsvariable X folgt der F-Verteilung F(m,n), wenn sie für x > 0 die Dichte

f(x|m,n) = m^(m/2)n^(n/2) · Γ((m+n)/2)/[Γ(m/2)Γ(n/2)] · x^(m/2−1)/(mx+n)^((m+n)/2)

besitzt. Γ bezeichnet die Gammafunktion. Da die Verteilung aus einem Quotienten nichtnegativer Chi-Quadrat-Größen entsteht, liegt ihr Wertebereich im positiven Bereich.

Der Erwartungswert existiert nur für n > 2. Dann gilt:

E(F_{m,n}) = n/(n−2).

Die Varianz ist nur für n > 4 definiert und beträgt:

Var(F_{m,n}) = 2n²(m+n−2)/[m(n−2)²(n−4)].

Für m > 2 erreicht die Dichte ihr Maximum bei

x_max = n(m−2)/[m(n+2)].

Die Entropie, also ein Maß für die Unbestimmtheit der Verteilung, wird in nats angegeben. Mit der Digamma-Funktion ψ lautet sie:

H(X) = ln((n/m) · Γ(m/2)Γ(n/2)/Γ(m/2+n/2)) + (1−m/2)ψ(m/2) − (1+n/2)ψ(n/2) + (m+n)/2 · ψ((m+n)/2).

Verteilungsfunktion und Quantile

Die Verteilungsfunktion gibt die Wahrscheinlichkeit P(X ≤ x) an. Sie lässt sich mithilfe der regularisierten unvollständigen Betafunktion geschlossen darstellen:

F(x|m;n) = I(mx/(mx+n), m/2, n/2),

wobei

I(z,a,b) = 1/B(a,b) · ∫₀ᶻ t^(a−1)(1−t)^(b−1) dt

die regularisierte unvollständige Betafunktion ist. Ihre Werte werden meist numerisch berechnet.

Das p-Quantil x_p ist derjenige Wert, für den p = F(x_p|m,n) gilt. Mit der inversen regularisierten unvollständigen Betafunktion I⁻¹ erhält man

x_p = nI⁻¹(p,m/2,n/2) / [m(1−I⁻¹(p,m/2,n/2))].

Quantile werden üblicherweise in F-Verteilungstabellen für ausgewählte Wahrscheinlichkeiten sowie Freiheitsgrade m und n angegeben. Dabei hilft die Beziehung

F⁻¹(p;m;n) = 1/F⁻¹(1−p;n;m).

Sie verbindet ein Quantil mit dem Kehrwert eines Quantils, bei dem die beiden Freiheitsgrade vertauscht sind.

Für bestimmte Freiheitsgrade gibt es einfache explizite Formeln. Allgemein gilt beispielsweise

x_p(2,n) = n/2 · (1/(1−p)^(2/n) − 1)

und

x_p(m,2) = 2/m · p^(2/m)/(1−p^(2/m)).

Spezialfälle sind unter anderem x_p(1,1) = tan(πp/2)² und x_p(2,2) = p/(1−p). Für manche kleinen Kombinationen von m und n ist in der angegebenen Übersicht keine explizite invertierbare Formel verzeichnet.

Beziehungen zu anderen Verteilungen

Die F-Verteilung ist eng mit mehreren wichtigen Wahrscheinlichkeitsverteilungen verbunden. Das Zeichen „∼“ bedeutet dabei „ist verteilt wie“.

Zur Beta-Verteilung: Für F_{m,n} ist die transformierte Zufallsvariable

Y = [(m/n)F_{m,n}]/[1+(m/n)F_{m,n}]

betaverteilt mit den Parametern m/2 und n/2, also Y ∼ Beta(m/2,n/2). Zugleich gilt

Y ∼ χ²_m/(χ²_m+χ²_n),

wenn die beiden Chi-Quadrat-Größen unabhängig sind.

Zur Chi-Quadrat-Verteilung: Sind χ²_m und χ²_n unabhängig und besitzen m beziehungsweise n Freiheitsgrade, so ist

(χ²_m/m)/(χ²_n/n) ∼ F(m,n).

Zur Normalverteilung: Seien X₁,…,X_m und Y₁,…,Y_n unabhängige normalverteilte Zufallsvariablen mit E(X_i)=μ, Var(X_i)=σ² sowie E(Y_j)=ν, Var(Y_j)=τ². Für ihre unabhängigen Stichprobenvarianzen S_X² und S_Y² gilt

S_X²/σ² ∼ χ²_{m−1}/(m−1), S_Y²/τ² ∼ χ²_{n−1}/(n−1).

Daher folgt

F = (S_X²/σ²)/(S_Y²/τ²)

einer F-Verteilung mit m−1 Freiheitsgraden im Zähler und n−1 Freiheitsgraden im Nenner. Dies ist die Grundlage für den statistischen Vergleich von Varianzen.

Zur Studentschen t-Verteilung: Wenn X ∼ t_n gilt, dann ist X² ∼ F(1,n). Das Quadrat einer t-verteilten Zufallsvariablen mit n Freiheitsgraden besitzt somit eine F-Verteilung mit einem Freiheitsgrad im Zähler und n Freiheitsgraden im Nenner.

Nichtzentrale Form und Herleitung der Dichte

Die nichtzentrale F-Verteilung verallgemeinert die zentrale F-Verteilung. Sind X ∼ χ²(δ,m) und Y ∼ χ²(n) unabhängig, wobei χ²(δ,m) eine nichtzentrale Chi-Quadrat-Verteilung mit Nichtzentralitätsparameter δ und m Freiheitsgraden ist, dann gilt für

Z = (X/m)/(Y/n):

Z ∼ F(δ,m,n).

Für δ = 0 entsteht wieder die zentrale F-Verteilung F(m,n). Die Dichte der nichtzentralen Form lautet

g(z|m,n,δ) = f(z|m,n) · e^(−δ/2) · ₁ℱ₁((m+n)/2, m/2, mzδ/[2(mz+n)]).

Dabei bezeichnet ₁ℱ₁ die spezielle hypergeometrische oder Kummersche Funktion, während f die Dichte der zentralen F-Verteilung ist. Erwartungswert und Varianz sind

E(Z) = n(1+δ/m)/(n−2) für n > 2

und

Var(Z) = 2n²[m(1+δ/m)²+(n−2)(1+2δ/m)]/[m(n−2)²(n−4)] für n > 4.

Für δ → 0 gehen beide Ausdrücke in die entsprechenden Formeln der zentralen F-Verteilung über.

Die zentrale Dichte kann aus der gemeinsamen Dichte der unabhängigen Variablen χ²_m und χ²_n hergeleitet werden. Dazu führt man die Transformation

f = (x/m)/(y/n), v = y

ein. Die zugehörige Jacobideterminante, welche die Änderung des Flächenelements bei der Transformation berücksichtigt, ist (m/n)v. Nach Einsetzen in die gemeinsame Dichte erhält man die gemeinsame Dichte von F und χ²_n. Anschließend wird über die nicht interessierende Variable v von 0 bis ∞ integriert. Diese Randverteilung ergibt genau

g_{m,n}(f) = m^(m/2)n^(n/2) · Γ(m/2+n/2)/[Γ(m/2)Γ(n/2)] · f^(m/2−1)/(mf+n)^((m+n)/2),

also die definierende Dichte der F-Verteilung.

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