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Führende Null und Füllnull
Eine führende Null ist eine ganz links stehende Null in Zahlenwerten, die nur eine Füllfunktion hat. Das bedeutet, dass eine führende Null keine Bedeutung …
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Begriffe und Abgrenzung
Eine führende Null ist eine ganz links stehende Null in einem Zahlenwert, die nur als Füllzeichen dient und den Wert der Zahl nicht verändert. So haben „09“ und „9“ denselben Zahlenwert. Nicht als führende Null gilt eine links stehende Null, wenn sie Teil einer Zeichenkette in einem Code ist oder wenn die Ziffernfolge einen Dezimalbruch darstellt.
Füllnullen bringen zu kurze Ziffernfolgen in Codes auf eine vorgeschriebene Standardlänge. Sie können am Anfang, in der Mitte oder am Ende stehen. Bei einer Internationalen Bankkontonummer (IBAN) können beispielsweise zwischen der Bankleitzahl und einer zu kurzen ehemaligen Kontonummer Nullen eingefügt werden. Im Industriellen Kontenrahmen kann an eine Kontenart eine Null angehängt werden, um eine Länge von vier Zeichen zu erreichen.
Ein Nullzeichen, das als Steuerzeichen verwendet wird, gehört weder zu den führenden Nullen noch zu den Füllnullen.
Zwecke führender Nullen
Führende Nullen ermöglichen eine korrekte alphabetische beziehungsweise lexikografische Sortierung gleichartiger Angaben. Nach ISO 8601 wird deshalb etwa „09“ statt „9“ verwendet. Dadurch wird bei einer alphabetischen Sortierung die Zahl „10“ nicht zwischen „1“ und „2“ eingeordnet. Monatsangaben bleiben so in ihrer zeitlichen Reihenfolge.
In handschriftlichen Angaben können führende Nullen Manipulationen erschweren. Im 15-Punkte-Schema ist „02 Punkte“ fälschungssicherer als „2 Punkte“, weil sich bei der zweiten Schreibweise eine „1“ ergänzen ließe. Entsprechend wird bei Geldbeträgen auf Schecks beispielsweise „0100 €“ empfohlen.
Eine vorangestellte Null kann außerdem eine zusätzliche Information ausdrücken. Beginnen etwa alle Raumnummern im Erdgeschoss mit „0“, steht diese Ziffer für das Erdgeschoss. „Raum 016“ kann dann wie „Raum E 16“ verstanden und „null-sechzehn“ ausgesprochen werden.
Füllnullen in Codes
Füllnullen können die Anzahl möglicher Codenummern erhöhen. Wird eine Ziffernfolge um eine zusätzliche Stelle erweitert und dabei auch eine vorlaufende Null zugelassen, wächst die Zahl möglicher Codes um den Faktor zehn. Selbst bei unveränderter Stellenzahl gibt es mehr mögliche Ziffernfolgen, wenn eine vorlaufende Null erlaubt ist.
Bei deutschen Kfz-Kennzeichen sind vorlaufende Nullen nicht zulässig. Für eine festgelegte Buchstabenkombination und drei abschließende Ziffern bestehen deshalb 900 statt 999 Kombinationsmöglichkeiten. Ein- oder zweistellige Zahlen sind dort häufig ebenfalls ausgeschlossen, weil die Stellenzahl eine andere Bedeutung haben kann. Beim Ortskennzeichen „OL“ verweisen beispielsweise zwei nachfolgende Ziffern auf den Landkreis Oldenburg, während drei Ziffern in Verbindung mit zwei Buchstaben auf die Stadt Oldenburg verweisen.
Nullen in Datumsangaben
ISO 8601 sieht für Datumsangaben das Format JJJJ-MM-TT vor, beispielsweise „2009-08-19“. Im deutschsprachigen Raum hat sich dieses Format in der Praxis vor allem bei Dateinamen durchgesetzt. Daneben sind mehrere rein numerische Formen gebräuchlich:
- tT.mM.JJJJ ohne führende Nullen bei Tag und Monat, etwa „23.7.1926“ oder „1.1.2001“.
- TT.MM.JJJJ mit führenden Nullen, etwa „14.03.1939“ oder „02.01.2011“.
- TT.MM.JJ mit zweistelliger Jahreszahl und führenden Nullen, etwa „02.10.10“ oder „01.02.07“.
- tT.mM.JJ ohne führende Nullen bei Tag und Monat; einstellige Jahreszahlen werden vermieden. Beispiele sind „1.1.01.“ und „2.10.09“.
In internen Vermerken von Briefentwürfen, besonders im Öffentlichen Dienst, ist außerdem „Tag/Monat“ üblich, etwa „13/7“ für den 13. Juli. Damit wird der Tag der Zeichnung bezeichnet.
Zwischen verschiedenen Regeln besteht ein Spannungsverhältnis: Nach § 104 der amtlichen deutschen Rechtschreibung sind Zahlen mit nachfolgendem Punkt Ordinalzahlen, also Ordnungszahlen. Dies gilt auch vor abgekürzten oder ausgeschriebenen Monatsnamen. Da Ordnungszahlen keine führenden Nullen erhalten, ist „03. Februar“ falsch und „3. Februar“ richtig. Bei rein numerischen Datumsangaben erlaubt der Duden den Verzicht auf führende Nullen, während die mit ISO 8601 vereinbare DIN 5008 sie vorschreibt. Außerhalb von Schulen wird daher eine durchgehend einheitliche Schreibweise empfohlen. Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ) empfiehlt für seine Fachzeitschrift beispielsweise stets „21.3.2006“.
Verarbeitung durch Computer
Bei der elektronischen Datenverarbeitung muss zwischen Zahlen und Zeichenfolgen unterschieden werden. Texte werden grundsätzlich linksbündig dargestellt, Zahlen in Tabellen dagegen meist rechtsbündig, sodass Einer unter Einern und Zehner unter Zehnern stehen. Computer erkennen ohne entsprechende Vorgaben nicht, ob eine Ziffer zu einer Zahl oder zu einer alphanumerischen Zeichenfolge gehört.
In Textverarbeitungsprogrammen kann ein Dezimaltabulator Zahlen rechtsbündig ausrichten, ohne führende Nullen zu verwenden. In Tabellenkalkulationen muss für Felder, Zeilen oder Spalten zwischen Zahlenmodus und Textmodus gewählt werden, damit vorlaufende Nullen nicht verschwinden. Bei Zahlenwerten sind führende Nullen in der adischen Darstellung, also in einem Stellenwertsystem, bedeutungslos, weil der zugehörige Stellenwert ebenfalls null ist.
Einige Programmiersprachen wie C oder Python verwenden eine vorlaufende Null zur Kennzeichnung von Oktalzahlen, also Zahlen zur Basis 8. Im dargestellten Python-Beispiel bleibt „42“ die Dezimalzahl 42. „042“ wird dagegen als Oktalzahl 42₈ erkannt und in die Dezimalzahl 34₁₀ umgewandelt: 8¹ · 4 + 8⁰ · 2 = 10¹ · 3 + 10⁰ · 4. Die Eingabe „09“ erzeugt einen Syntaxfehler, weil 9 keine gültige Oktalziffer ist. Da die Null hier die Bedeutung der Angabe verändert, ist sie eine vorlaufende, aber keine führende Null.