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Europa (Insel)

Europa (französisch Île Europa) ist eine 30 km² große tropische Insel in der südlichen Straße von Mosambik, ungefähr 300 km von der Küste Madagaskars …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Lage und Bedeutung
  2. 2. Inselaufbau und Lagune
  3. 3. Semiarides Passatklima
  4. 4. Pflanzen, Vögel und andere Tiere
  5. 5. Besitz, Verwaltung und Anspruch Madagaskars

Lage und Bedeutung

Europa (französisch Île Europa) ist eine unbewohnte, tropische Insel in der südlichen Straße von Mosambik. Sie hat eine Fläche von 30 km² und gehört politisch zu den Îles Éparses, einem Distrikt des französischen Überseegebiets Terres australes et antarctiques françaises.

Die Insel liegt ungefähr 300 km vor der Küste Madagaskars in der Region Atsimo-Andrefana und 500 km vor der Küste Mosambiks in der Provinz Inhambane. Ihre Koordinaten sind 22° 20′ 44″ S, 40° 21′ 57″ O. Europa ist besonders bedeutsam wegen ihrer weitgehend erhaltenen ursprünglichen Vegetation, ihrer großen Vogelkolonien und ihrer Rolle als wichtigster Eiablageplatz der Suppenschildkröte im Indischen Ozean.

Inselaufbau und Lagune

Europa liegt rund 350 km nordwestlich der madagassischen Stadt Toliara und 110 km südöstlich des Atolls Bassas da India, das ebenfalls zu den Îles Éparses gehört. Die Insel ist ungefähr 7 km lang und 6 km breit; ihr Umfang beträgt 22,2 km.

Fast die gesamte Insel ist von einem Saumriff umgeben. Im Inneren ist sie sehr flach. Eine zentrale Ebene wird bei Hochwasser oft überflutet. Sie ist von einem nur wenig höheren Gürtel aus verkarstetem Korallenkalk umgeben. Verkarstet bedeutet, dass das Kalkgestein durch Wasser gelöst und geformt wurde. Im Nordwesten ist dieser Kalkgürtel bis zu zwei Kilometer breit, sonst schmal und im Nordosten nicht vorhanden.

Die höchsten Stellen erreichen bis zu 7 m und liegen vor allem im westlichen Dünensaum. Im Nordosten befindet sich eine etwa 900 ha große, flache Lagune. Sie ist größtenteils mit Mangroven bewachsen und fällt bei Niedrigwasser teilweise trocken.

Semiarides Passatklima

Das Klima Europas ist semiarid, also eher trocken, und wird vom Südost-Passat geprägt. Pro Jahr fallen 562 mm Niederschlag. Der meiste Regen fällt von November bis Mai; von Juni bis Oktober ist die etwas kühlere Trockenzeit mit nur einzelnen Niederschlägen.

Die mittlere Tageshöchsttemperatur beträgt im Jahresmittel 28,5 °C, die mittlere Tagestiefsttemperatur 20,9 °C. Am wärmsten ist es im Februar mit einer mittleren Tageshöchsttemperatur von 31,2 °C, am kühlsten im Juli mit 25,6 °C. Die niedrigsten mittleren Tagestiefsttemperaturen liegen im Juli und August bei 17,7 °C.

Der niederschlagsreichste Monat ist Januar mit 130 mm, gefolgt von Dezember mit 129 mm; im Oktober fallen durchschnittlich nur 7 mm. Es gibt jährlich 45 Regentage. Die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit liegt bei 77,6 %, die Sonnenscheindauer bei durchschnittlich 9 Stunden pro Tag.

Pflanzen, Vögel und andere Tiere

Europa besitzt als einzige der Îles Éparses eine weitgehend intakte ursprüngliche Vegetation. Im Norden wächst ein Trockenwald aus Wolfsmilchgewächsen, besonders Euphorbia stenoclada. Der Süden besteht aus krautiger Steppe. Große Teile der Lagune sind Mangrovenwald, vor allem Rhizophora mucronata; außerdem kommen Avicennia marina, Bruguiera gymnorhiza und Ceriops tagal vor.

Zwölf Pflanzenarten wurden durch Menschen eingeführt. Besonders invasiv, also sich stark ausbreitend und die ursprüngliche Vegetation gefährdend, sind die Agavengewächse Agave sisalana und Furcraea foetida. Sie wurden früher in einer Plantage im Norden zur Fasergewinnung angebaut. Gegen Furcraea foetida läuft seit 2013 eine Ausrottungskampagne.

Mit 13 Brutvogelarten hat Europa die vielfältigste Vogelwelt aller Îles Éparses. Die Kolonien von Rotschwanz-Tropikvogel, Arielfregattvogel und Bindenfregattvogel sind jeweils die größten ihrer Art im Indischen Ozean. Die Rußseeschwalbe ist mit rund 760.000 Brutpaaren im Jahr 2005 zahlenmäßig am häufigsten. Weitere einheimische Meeresvögel sind Rotfußtölpel, Raubseeschwalbe, Schuppensturmtaucher und eine nur auf Europa vorkommende Unterart des Weißschwanz-Tropikvogels. An der Küste leben Meerreiher und der von der IUCN als gefährdet eingestufte Dickschnabelreiher. Auch Schildrabe, Schleiereule und eine endemische Unterart des Madagaskarbrillenvogels kommen vor. Zugvögel wie Steinwälzer und Rosaflamingo machen auf der Insel Halt.

Europa ist für die Suppenschildkröte der wichtigste Eiablageplatz im Indischen Ozean: Schätzungsweise bis zu 15.000 Tiere kommen jährlich zur Eiablage. Unter den Reptilien gibt es zwei endemische Skink-Unterarten und zwei Geckoarten. Hausratte und Hausziege sind die einzigen Säugetierarten; beide wurden eingeführt und bedrohen die ursprüngliche Tier- und Pflanzenwelt. Eingeführte Häuseresel, Hauskatzen, Wildkaninchen sowie Haushühner und Helmperlhühner sind inzwischen verschwunden.

BirdLife International wies Europa als Important Bird Area RE012 aus. Am 27. Oktober 2011 erhielt die Insel den Status eines Schutzgebiets nach der Ramsar-Konvention.

Besitz, Verwaltung und Anspruch Madagaskars

Die Besatzung des britischen Schiffs HMS Europa sichtete die Insel am 24. Dezember 1774; nach diesem Schiff erhielt sie ihren Namen. Frankreich verkündete die offizielle Inbesitznahme am 31. Oktober 1897 „in Ausführung des Gesetzes vom 6. August 1896“.

Mehrere Besiedlungsversuche scheiterten, vor allem wegen fehlenden Trinkwassers. Über einen Versuch im Jahr 1860 ist wenig bekannt; vermutlich wurden damals Ziegen eingeführt. 1903 wurde eine Besiedlung erlaubt. Alte Gebäude und ein Friedhof weisen auf Einwohner im Jahr 1910 hin, doch 1923 wurden keine Bewohner mehr angetroffen.

1949 entstand eine Wetterstation, 1950 im Süden eine erste Landepiste. Da sie häufig überflutet wurde, errichtete man 1973 im Norden die heutige etwa 1400 m lange Landebahn. Seit 1973 gibt es außerdem einen kleinen Militärstützpunkt mit 14 Soldaten und einem Gendarmen. Eine neue Wetterstation wurde 1981 gebaut.

Seit 2005 wird Europa wie die übrigen Îles Éparses vom Präfekten und obersten Verwalter der französischen Süd- und Antarktisgebiete verwaltet. Zuvor hatte seit 1960 der Präfekt des Übersee-Départements Réunion die Insel verwaltet, ohne dass sie zu Réunion gehörte. Durch das Gesetz vom 21. Februar 2007 wurde Europa als fünfter Distrikt in die französischen Süd- und Antarktisgebiete eingegliedert.

Die ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ), also das Meeresgebiet mit besonderen wirtschaftlichen Nutzungsrechten, umfasst 127.300 km² und grenzt unmittelbar an die AWZ von Bassas da India. Madagaskar erhebt seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1960 Anspruch auf Europa.

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