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Ernst Fehr

Ernst Fehr (* 21. Juni 1956 in Hard, Vorarlberg) ist ein österreichisch-schweizerischer Wirtschaftswissenschaftler. Er ist Professor für Mikroökonomik und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Ausbildung und beruflicher Weg
  3. 3. Forschungsschwerpunkte
  4. 4. Mitgliedschaften und Anerkennung
  5. 5. Auszeichnungen
  6. 6. Ausgewählte Werke

Person und Bedeutung

Ernst Fehr (* 21. Juni 1956 in Hard, Vorarlberg) ist ein österreichisch-schweizerischer Wirtschaftswissenschaftler. Er ist Professor für Mikroökonomik und Experimentelle Wirtschaftsforschung am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Zürich.

Seine Forschung ist besonders wichtig für die Verhaltensökonomie, also für die Untersuchung, wie Menschen tatsächlich wirtschaftliche Entscheidungen treffen. Dabei geht es nicht nur um rein rationales Nutzenmaximieren, sondern auch um Fairness, Reziprozität, begrenzte Rationalität und soziale Zusammenarbeit. Reziprozität bedeutet, dass Menschen auf freundliches oder unfaires Verhalten anderer entsprechend reagieren. Begrenzte Rationalität bedeutet, dass Menschen nur eingeschränkt Informationen verarbeiten und deshalb nicht immer vollkommen rational entscheiden.

Fehr ist außerdem für Beiträge zur Neuroökonomie bekannt. Dieses Forschungsfeld untersucht, wie Vorgänge im Gehirn mit ökonomischen Entscheidungen zusammenhängen. Weitere wichtige Bereiche seiner Arbeit sind Behavioral Finance und Experimentalökonomie, also die Untersuchung wirtschaftlichen Verhaltens mit Experimenten.

Nach IDEAS/RePEc wurde Fehr als zweiteinflussreichster deutschsprachiger Ökonom geführt und im September 2011 weltweit auf Rang 99 eingeordnet. Im F.A.Z.-Ökonomenranking erschien er 2015 erstmals auf Rang 2 der einflussreichsten Ökonomen Deutschlands. Seit 2016 führt er die Ranglisten der einflussreichsten Ökonomen in Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Seit 2009 wird er auf der Thomson-Reuters-Citation-Laureates-Liste für Wirtschaftswissenschaften geführt.

Ausbildung und beruflicher Weg

Fehr studierte von 1975 bis 1980 Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien und schloss mit dem Magister ab. Von 1980 bis 1982 arbeitete er als Forschungsassistent am Lehrstuhl von Alexander Van der Bellen und besuchte Kurse am Institut für Höhere Studien. Von 1982 bis 1991 war er Assistenzprofessor an der Technischen Universität Wien am Lehrstuhl von Helmut Frisch. Zwischen 1988 und 1989 hatte er zusätzlich eine Forschungsstelle an der London School of Economics.

1986 wurde Fehr promoviert, im Juni 1991 habilitierte er sich. Von 1991 bis 1994 war er außerordentlicher Professor an der Technischen Universität Wien. Ab 1993 war er außerdem Direktor des Ludwig Boltzmann Institute for Research in Economic Growth in Wien, und zwar bis 2003.

Seit 1994 ist Fehr ordentlicher Professor für Mikroökonomik und Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich. Dort leitete er das 2011 neu geschaffene Institut für Volkswirtschaftslehre bis 2015 als Direktor. Er lehnte Rufe mehrerer renommierter Universitäten ab, darunter die Universität Bonn, die University of California, Berkeley, die University of Cambridge und die University of Oxford. Von 2003 bis 2005 war er Präsident der Economic Science Association.

2010 gründete Fehr gemeinsam mit seinem Bruder Gerhard Fehr die FehrAdvice & Partners AG. Das Unternehmen wird im Artikel als weltweit erstes Wirtschafts- und Unternehmensberatungsunternehmen beschrieben, das auf Verhaltensökonomik spezialisiert ist. Fehr ist Mitglied des Verwaltungsrats. 2016 wurde im Rahmen der Digital News Initiative ein Verlagsprojekt von Russmedia durch Google finanziert, das auf verhaltensökonomischen Erkenntnissen von Fehr und FehrAdvice basiert.

Fehr ist außerdem Initiator und Präsident des Stiftungsrats der Excellence Foundation Zurich for Economic and Social Research. Diese Stiftung fördert gesellschaftsrelevante ökonomische Spitzenforschung an der Universität Zürich. Seit 2012 leitet er als Direktor das UBS International Center of Economics in Society, ein assoziiertes Institut der Universität Zürich, das wirtschaftswissenschaftliche Forschung am Institut für Volkswirtschaftslehre finanziert. Fehr ist verheiratet, hat zwei Kinder, wohnt in Zürich, wurde dort 2018 eingebürgert und ist österreichisch-schweizerischer Doppelbürger.

Forschungsschwerpunkte

Fehrs wissenschaftliche Arbeiten behandeln vor allem soziale Präferenzen. Damit sind Vorlieben gemeint, bei denen Menschen nicht nur den eigenen Vorteil beachten, sondern auch das Wohlergehen anderer, Fairness oder die Einhaltung sozialer Regeln. Diese Forschung gehört zur Verhaltensökonomie.

Ein zweiter Schwerpunkt ist die Neuroökonomie: Fehr untersucht das menschliche Gehirn im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Entscheidungen. Außerdem erforscht er die psychologischen Grundlagen von Anreizsystemen. Anreizsysteme sind Regeln oder Belohnungen, die Verhalten beeinflussen sollen. Dazu gehört die Frage, wie Menschen auf Lohn, Strafe, Anerkennung oder Fairness reagieren.

Fehr beschäftigt sich auch mit den Auswirkungen sozialer Identitäten auf menschliches Verhalten. Soziale Identität meint, dass Menschen sich als Teil einer Gruppe verstehen und ihr Verhalten daran ausrichten. Im Artikel werden besonders Ehrlichkeit und die freiwillige Bereitschaft genannt, zu öffentlichen Gütern beizutragen. Öffentliche Güter sind Güter, von denen viele profitieren können, auch wenn einzelne nicht direkt dafür bezahlen.

Daneben war Fehr maßgeblich an der Entwicklung des Market Adjusted Performance Indicators (MAPI) beteiligt. Der MAPI ist ein relativer Leistungsindikator zur Messung der Top-Managementperformance von börsennotierten Unternehmen. Er basiert auf dem Informativeness Principle von Bengt Holmström. Der MAPI wird zur Bestimmung der variablen Vergütung im Top-Management verwendet. Außerdem dient er als Indikator dafür, ob das Prinzipal-Agenten-Problem in der Corporate Governance von börsennotierten Unternehmen ansatzweise gelöst ist. Das Prinzipal-Agenten-Problem beschreibt Interessenkonflikte zwischen Auftraggebern, zum Beispiel Eigentümern, und Beauftragten, zum Beispiel Managern.

Mitgliedschaften und Anerkennung

2017 wurde Fehr gemeinsam mit Philippe Aghion, einem an der Harvard University forschenden Wirtschaftsprofessor, zum lebenslangen ausländischen Ehrenmitglied der American Economic Association gewählt. Die Zahl dieser Ehrenmitglieder ist begrenzt. Die Wahl erfolgt durch das Executive Committee der American Economic Association und findet nur statt, wenn ein bisheriges Ehrenmitglied verstirbt.

Fehr ist Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences. Er ist außerdem Mitglied der American Academy of Political and Social Science, der Academia Europaea seit 2009, der Leopoldina sowie der Econometric Society. Weitere Funktionen und Mitgliedschaften sind seine externe Mitgliedschaft an der Wirtschaftsfakultät des Massachusetts Institute of Technology und seine Tätigkeit seit 2011 als Global Distinguished Professor in Economics an der New York University. 2016 wurde er als korrespondierendes Mitglied in die Österreichische Akademie der Wissenschaften gewählt.

Im Handelsblatt Ökonomen-Ranking 2011, das die Forschungsleistung von Ökonomen aus Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz analysierte, erreichte Fehr sowohl in der Kategorie „Aktuelle Forschungsleistung (seit 2007)“ als auch in der Kategorie „Top-250 Lebenswerk“ den dritten Platz.

Auszeichnungen

Fehr erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Dazu gehören 1999 der Gossen-Preis des Vereins für Socialpolitik, 2004 der Cogito-Preis der Cogito Foundation, 2008 der Marcel-Benoist-Preis, 2010 der Gustav-Stolper-Preis des Vereins für Socialpolitik, 2011 der Vorarlberger Wissenschaftspreis und 2012 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst.

Weitere Auszeichnungen sind der Gottlieb-Duttweiler-Preis 2013, der Ehrendoktor der Universität Graz 2016, der Kardinal-Innitzer-Preis in der Kategorie Geisteswissenschaft 2016, die Oskar-Morgenstern-Medaille der Universität Wien 2017 und der Distinguished Adam Smith Award for Contributions in Normative and Economic Theory der Universität Bayreuth 2022. Für 2026 nennt der Artikel außerdem Pour le Mérite und die Mitgliedschaft in der National Academy of Sciences.

Ausgewählte Werke

Die Werkauswahl zeigt zentrale Themen von Fehrs Forschung: Fairness, Kooperation, Reziprozität, Altruismus, Anreize, Geldillusion und Neuroökonomie. Beispiele sind „A theory of fairness, competition, and cooperation“ mit Klaus M. Schmidt im Quarterly Journal of Economics 1999 und „Cooperation and punishment in public goods experiments“ mit Simon Gächter im American Economic Review 2000.

Weitere wichtige Arbeiten sind „Fairness and Retaliation: The Economics of Reciprocity“ mit Simon Gächter 2000, „The nature of human altruism“ mit Urs Fischbacher 2003 und „Psychological foundations of incentives“ mit Armin Falk 2002. Mit Georg Kirchsteiger und Arno Riedl veröffentlichte Fehr 1993 „Does fairness prevent market clearing? An experimental investigation“. Mit Jean-Robert Tyran veröffentlichte er 2001 „Does money illusion matter?“.

Fehr war außerdem an Sammelbänden beteiligt, darunter „Psychologische Grundlagen der Ökonomie“ mit Gerhard Schwarz, „Moral Sentiments and Material Interests. The Foundations of Cooperation in Economic Life“ mit Herbert Gintis, Samuel Bowles und Robert T. Boyd sowie „Neuroeconomics: Decision Making and the Brain“ mit Paul W. Glimcher, Colin Camerer und Russell Alan Poldrack.

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