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Emil Stöhrer

Hier war auch Ampere wirksam, auf den die Unterscheidung zwischen Stromstärke und Spannung sowie der Nachweis elektrodynamischer Stromwirkungen zurückgehen.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Arbeitsweise
  2. 2. Ausbildung und Werkstätten
  3. 3. Elektrotechnische Erfindungen
  4. 4. Zeigertelegraf und Musikinstrumente
  5. 5. Ämter und Auszeichnungen

Bedeutung und Arbeitsweise

Emil Stöhrer (* 25. September 1813 in Delitzsch bei Leipzig; † 25. August 1890 in Leipzig) war ein deutscher Mechaniker, Elektrotechniker und Erfinder. Er entwickelte unter anderem Elektrobatterien, Induktionsapparate, Elektrogeneratoren, Elektromotoren, ein Elektroauto, Elektrotelegrafen und Musikinstrumente.

Seine Tätigkeit fiel in eine frühe Entwicklungsphase der Elektrotechnik. Damals arbeiteten theoretisch und experimentell tätige Physiker eng mit erfahrenen Mechanikern und wirtschaftlich interessierten Geschäftsleuten zusammen. Stöhrer verband handwerkliches Können und praktische Erfahrung mit naturwissenschaftlichen Methoden und unternehmerischen Interessen. Anregungen erhielt er besonders durch den Physiker Wilhelm Eduard Weber. Zu den weiteren wichtigen Forschern dieser Zeit gehörten Gustav Theodor Fechner, Carl Friedrich Gauß, Michael Faraday, Emil Lenz und James Clerk Maxwell.

Ausbildung und Werkstätten

Stöhrer wurde 1813 als Sohn eines Arztes geboren. Von 1827 bis 1829 schloss er seine Schulausbildung bis zum Abiturientenexamen an der Fürsten- und Landesschule Schulpforta ab. Anschließend machte er eine Lehre beim Leipziger Universitätsmechaniker Johann Gottlieb Wießner, der für seine wissenschaftlichen Instrumente bekannt war.

Um praktische Fähigkeiten zu erwerben, ging Stöhrer auf Wanderschaft. Sie führte ihn bis nach Paris, das damals ein bedeutendes Zentrum der Feinmechanik und Elektromechanik war. Die dortigen Entwicklungen regten ihn später zum Bau elektromagnetischer Apparate an. In Deutschland wurde er zu einem führenden Hersteller solcher Geräte. Nach seiner Wanderschaft gründete er in Jena eine eigene Werkstatt.

Später heiratete er eine Tochter Wießners und trat in dessen Leipziger Werkstatt ein. Nach Wießners Tod führte er den Betrieb ab 1842 allein weiter. 1863 übergab er das Geschäft seinem Sohn Emil Stöhrer (* 1. März 1840 in Leipzig). Danach gründete er in Dresden eine zweite Werkstatt für elektrotherapeutische Apparate, also medizinische Geräte zur Behandlung mit Elektrizität. Diese übergab er 1880 ebenfalls seinem Sohn. Nach dessen unerwartetem Tod im Jahr 1882 übernahm Stöhrer beide Geschäfte wieder selbst.

Elektrotechnische Erfindungen

Stöhrer baute zunächst vielseitig einsetzbare Elektrobatterien und Induktionsapparate. Ein Induktionsapparat erzeugt mithilfe elektromagnetischer Induktion elektrische Spannungen oder Ströme. Er gehörte außerdem zu den ersten Konstrukteuren von Elektrogeneratoren und Elektromotoren, die relativ starke Ströme lieferten beziehungsweise nutzten. Dadurch weckten seine Geräte Interesse an einer wirtschaftlichen Nutzung der Elektrizität.

Den Elektromagnetismus verwendete Stöhrer auch zum Antrieb eines Elektroautos, für das er ein Patent besaß. Mit diesem Fahrzeug fuhr er 1842 vom Leipziger Stadtzentrum in den etwa 5 km entfernten Vorort Connewitz.

1844 verbesserte er seine elektromagnetischen Maschinen. Er ordnete mehrere Permanentmagnete in Hufeisenform kreisförmig an. Ihnen stellte er ebenso viele Elektromagnete gegenüber, die drehbar an einer gemeinsamen Achse befestigt waren. Diese „Stöhrer’sche Maschine“ galt in Deutschland lange als die geeignetste Konstruktion ihrer Art und wurde vielfach praktisch eingesetzt.

Zeigertelegraf und Musikinstrumente

1846 entwickelte Stöhrer auf Anregung Wilhelm Eduard Webers einen elektrischen Zeigertelegrafen. Das Gerät wurde mit Wechselstrom aus einem Magnetinduktor betrieben. Bei einem Zeigertelegrafen sind Buchstaben und weitere Zeichen kreisförmig auf einer Scheibe angeordnet. Übertragene Stromimpulse bewegen die Zeiger auf der Sender- und Empfängerseite jeweils um den gleichen Betrag. So können die Zeichen nacheinander ausgewählt und übertragen werden.

Ab 1847 setzte die Sächsisch-Bayerische Staats-Eisenbahn den Zeigertelegrafen auf der Strecke Leipzig–Hof ein. Bei der geplanten Modernisierung der 1846 eingerichteten elektrischen Telegrafenlinie Bremen–Bremerhaven wurde Stöhrers Buchstabentelegraf 1849 ebenfalls erprobt. Den Auftrag für die Sende- und Empfangsgeräte erhielt jedoch das System Morse.

Stöhrer konstruierte darüber hinaus Musikinstrumente. Genannt werden ein Pianino mit Harmonium und ein ungewöhnliches Saiteninstrument in Pianinoform mit Klaviatur, das ein vollständiges Streichorchester ersetzen konnte. Auf Ausstellungen in Paris und Wien wurde dieses Instrument als das vollkommenste seiner Art gerühmt.

Ämter und Auszeichnungen

Stöhrer war Vizepräsident der Leipziger Polytechnischen Gesellschaft. Diese Gesellschaft förderte die industrielle Entwicklung Leipzigs, indem sie sich mit gewerblichen und technischen Problemen befasste.

Durch zahlreiche Veröffentlichungen wurde Stöhrer bekannt. Er schrieb unter anderem Beiträge für das „Polytechnische Zentralblatt“ und die „Annalen der Physik und Chemie“.

1860 verlieh ihm die Universität Jena wegen seiner bahnbrechenden Leistungen die Ehrendoktorwürde, auch „honoris causa“ genannt. Außerdem wurde er Ehrenbürger der Stadt Leipzig.

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