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Elementare Musikpädagogik

In der Elementaren Musikpädagogik (EMP) geht es um einen grundlegenden Musikunterricht, der die gesamte Breite des Umgangs mit Musik umfasst.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Inhalte und pädagogische Prinzipien
  3. 3. Das Elementare und das Künstlerische
  4. 4. Zielgruppen und Arbeitsfelder
  5. 5. Abgrenzung zu verwandten Konzepten
  6. 6. Ausbildung und fachliche Organisation

Grundidee und Bedeutung

Die Elementare Musikpädagogik (EMP) ist ein grundlegender Musikunterricht, der die gesamte Breite des Umgangs mit Musik umfasst. Sie dient nicht nur als Vorbereitung auf späteren Instrumental- oder Gesangsunterricht, sondern erschließt wesentliche musikalische Erfahrungsfelder. Dazu gehören sowohl reproduktives Musizieren, also das Wiedergeben vorhandener Musik, als auch produktives Musizieren, bei dem eigene musikalische Ideen entstehen.

Im Mittelpunkt stehen die bewusste Wahrnehmung, das Erkunden und Ausprobieren, die Improvisation und das eigenständige Gestalten. Die Lernenden beschäftigen sich unter anderem mit Liedern, Tänzen, szenisch-musikalischen Spielformen und Musikstücken verschiedener Art. Die Elementare Musikpraxis leistet damit einen grundlegenden Beitrag zur musikalischen Bildung und berührt zugleich zahlreiche Bereiche der Persönlichkeitsbildung.

Die Bezeichnungen werden unterschieden: „Elementare Musikpädagogik“ meint die wissenschaftliche und pädagogische Disziplin, das Lehrgebiet und das Studienfach. Die praktische Arbeit in Gruppen heißt „Elementare Musikpraxis“ oder „Elementares Musizieren“. Die EMP untersucht deren Bedingungen, Ziele, Inhalte und Methoden für Menschen aller Altersstufen – vom Baby bis zum älteren Menschen.

Inhalte und pädagogische Prinzipien

Die zentralen Inhaltsbereiche sind Singen, Instrumentalspiel, Bewegung und Tanz sowie das Wahrnehmen und Erleben von Musik. Hinzu kommen das denkerische Erfassen musikalischer Zusammenhänge, ihre Übertragung in Symbole und die Verbindung von Musik mit anderen künstlerischen Ausdrucksformen. Obwohl diese Bereiche einzeln benannt werden, gilt ihre angemessene und situationsbezogene Verknüpfung als besonderes Qualitätsmerkmal.

Der Unterricht ist spielorientiert, experimentell, kreativ und prozessorientiert. „Prozessorientiert“ bedeutet, dass nicht allein ein fertiges Ergebnis zählt, sondern auch der Weg des Erkundens, Lernens und Gestaltens. Außerdem arbeitet die EMP intermedial, indem sie mehrere Ausdrucksmedien wie Musik, Sprache, Bewegung oder Tanz verbindet. Sie ist körperorientiert, beziehungsorientiert und offen. Lernen findet deshalb häufig durch eigenes Handeln und durch die Zusammenarbeit in einer Gruppe statt.

Das Elementare und das Künstlerische

Zwei Begriffe unterscheiden die Didaktik der EMP von einer klassischen Musikdidaktik: „das Elementare“ und „das Künstlerische“.

Carl Orff verstand das Elementare als „zu den Elementen gehörig, urstofflich, uranfänglich, anfangsmäßig“. Elementare Musik ist nach ihm nie nur Musik, sondern mit Bewegung, Tanz und Sprache verbunden. Menschen werden nicht bloß als Zuhörende, sondern als Mitspielende einbezogen. Kennzeichnend sind kleine Reihenformen, Ostinati – regelmäßig wiederholte musikalische Muster – und kleine Rondoformen. Orff bezeichnete diese Musik als erdnah, naturhaft, körperlich, für jeden erlern- und erlebbar sowie dem Kind gemäß.

Ulrike Jungmair deutete das Elementare im Sinne Orffs und mit Bezug auf Wolfgang Klafki weniger als „das Einfache“ denn als „das Wesentliche“. Im Zentrum steht der Mensch, der sich bewegt, spielt, spricht, musiziert und tanzt. Lehrende knüpfen an dessen Fähigkeit an, selbst tätig zu werden, und regen individuelle, schöpferische Darstellungsformen an. Dabei werden alle Sinne und Wahrnehmungsmöglichkeiten einbezogen. Intuition, Exploration, Spiel, Übung, Improvisation und Komposition wirken mit Rezeption und Reflexion zusammen. Elementares Musizieren kann ein einfaches erstes Musikerlebnis, zugleich aber auch eine ausgereifte künstlerische Tätigkeit sein.

Christoph Richter definierte das Künstlerische als eine Tätigkeit, die etwas hervorbringt, das auch anders gestaltet sein könnte und deshalb in Gestaltung, Ausstrahlung, Wirkung und Mitteilung frei ist. Pauls und Metz nennen drei wesentliche Bereiche: einen differenzierten und originellen Umgang mit Wahrnehmung, das Hervorbringen und kreative Bearbeiten einer Idee sowie Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten einschließlich Technik und kompetenter Materialverwendung.

Kreatives Schaffen ist eine zentrale Tätigkeit der EMP. Improvisation, Gestaltung und produktive Selbsttätigkeit beginnen auf allen Könnensstufen und nicht erst nach dem Erwerb technischer Fertigkeiten. Sie können vielmehr die Motivation schaffen, diese Fertigkeiten aus eigenem Antrieb zu entwickeln. Elementare Musik ist prozesshaft und wird von Menschen jeden Alters gespielt, gesungen, getanzt und erfunden. In Gruppen lernen auch unterschiedlich vorbereitete und motivierte Teilnehmende miteinander und voneinander.

Zielgruppen und Arbeitsfelder

Elementares Musizieren richtet sich an Menschen verschiedener Altersgruppen. Mögliche Arbeitsfelder sind Eltern-Kind-Gruppen, Angebote für Kinder und Jugendliche sowie die Arbeit mit Erwachsenen und Senioren.

Bei Kindern und Jugendlichen gehören dazu beispielsweise Elementare Musikpraxis mit Vier- bis Sechsjährigen und mit Sechs- bis Siebenjährigen, Spiel- und Singkreise, Musik- und Theatergruppen sowie Trommelgruppen. Die breite Zielgruppe zeigt, dass EMP nicht auf die frühkindliche Musikerziehung oder auf die Vorbereitung eines späteren Instrumentalunterrichts beschränkt ist.

Abgrenzung zu verwandten Konzepten

In den 1960er und 1970er Jahren etablierten sich an deutschen Musikschulen die Musikalische Früherziehung (MFE) zur frühen Heranführung an Musik und die Musikalische Grundausbildung (MGA) als Vorbereitung auf späteren Instrumental- oder Gesangsunterricht. Da inzwischen zahlreiche weitere Zielgruppen einbezogen werden, wird heute umfassender von Elementarer Musikpraxis gesprochen.

Das nach Carl Orff benannte Orff-Schulwerk beruht auf dem kreativen Umgang mit Musik, Sprache und Bewegung sowie ihrem verbindenden Element, dem Rhythmus. Eng damit verbunden sind die von Carl Orff und Gunild Keetman veröffentlichten Werke „Musik für Kinder – Orff-Schulwerk“ und das Orff-Instrumentarium.

Die Rhythmik geht auf Émile Jaques-Dalcroze zurück. Ursprünglich bezeichnet sie einen körperorientierten Zugang, bei dem musikalische Gestaltungselemente in Bewegung übertragen werden. In der heutigen Praxis stehen das Wahrnehmen, Erforschen, Improvisieren und Komponieren unterschiedlicher Beziehungen zwischen Musik und Bewegung in interaktiven Gruppen im Mittelpunkt.

Die nach Zoltán Kodály benannte Kodály-Methode konzentriert sich auf den Erwerb von Theoriewissen und musikalischer Technik als Grundlage für Musikverständnis und Musizieren durch Singen. Eine zentrale Rolle spielt die relative Solmisation, bei der Tonbeziehungen mithilfe von Silben bezeichnet werden.

Ausbildung und fachliche Organisation

Elementare Musikpädagogik kann an den meisten deutschen Musikausbildungsinstituten als Hauptfach oder als ergänzendes Fach studiert und dabei unterschiedlich mit einem Instrument oder Gesang kombiniert werden.

In Österreich bieten acht Orte und elf Abteilungen beziehungsweise Institute Studien, Studienschwerpunkte und Lehrgänge in Elementarer Musikpädagogik, Musik- und Bewegungspädagogik (Rhythmik) sowie Elementarer Musik- und Bewegungs-/Tanzpädagogik (Orff-Schulwerk) an. In der Schweiz wird das Fach aufgrund der verbreiteten Berufspraxis meist „Musikalische Grundschule“ oder „Musikalische Grundkurse“ genannt. Es besteht eine Tendenz, es besonders in der Basisstufe als verbindliches Schulfach mit speziell ausgebildeten Lehrkräften einzurichten. Ausbildungsmöglichkeiten gibt es an den Musikhochschulen Basel und Zürich sowie als Spezialisierung in der Primarlehrerausbildung des Kantons St. Gallen. Entsprechende Ausbildungen werden außerdem in unterschiedlichen Formen unter anderem in Italien, Tschechien, den USA, Neuseeland, Korea und China angeboten.

Der Arbeitskreis Elementare Musikpädagogik (AEMP) ist ein Zusammenschluss von Lehrenden deutscher Ausbildungsinstitute. Er befasst sich auf zwei Tagungen pro Jahr mit Aufgaben und Inhalten des Studienfachs. Dazu zählen Studienordnungen, die Weiterentwicklung des Faches, seine öffentliche Darstellung, neue Arbeitsfelder für Absolventinnen und Absolventen, Publikationen, Symposien, Kooperationen, Qualitätssicherung sowie Empfehlungen für das Berufsfeld.

In Österreich vernetzt die Elementare Musikpädagogik Arbeitsgemeinschaft (EMP-A) die universitären Ausbildungsinstitutionen mit ihren unterschiedlichen Profilen. Unter ihrem Dach arbeiten Elementare Musikpädagogik, Elementare Musik- und Bewegungs-/Tanzpädagogik sowie Musik- und Bewegungspädagogik/Rhythmik zusammen. Der Verein bietet eine Diskussionsplattform, unterstützt die Profilbildung der Fachrichtungen, vertritt gemeinsame Interessen öffentlich und entwickelt das Berufsfeld der Absolventinnen und Absolventen weiter.

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