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Ei des Kolumbus
Das Ei des Kolumbus ist Gegenstand einer Redensart, die eine verblüffend einfache Lösung für ein unlösbar scheinendes Problem beschreibt, nämlich ein Ei auf …
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Bedeutung der Redensart
„Das Ei des Kolumbus“ bezeichnet eine verblüffend einfache Lösung für ein Problem, das zunächst unlösbar scheint. Gemeint ist die Aufgabe, ein Ei auf seine Spitze zu stellen. Die Redensart betont: Eine Lösung kann im Nachhinein selbstverständlich wirken, obwohl jemand sie zuerst finden und ausführen musste.
Ähnlich wird heute die Redewendung vom Zerschlagen des Gordischen Knotens verwendet. Diese war ursprünglich jedoch deutlich gewalttätiger konnotiert.
Die Anekdote um Kolumbus
Nach einer verbreiteten Erzählung wurde Christoph Kolumbus nach seiner Rückkehr aus Amerika bei einem Essen des Kardinals Mendoza im Jahr 1493 vorgehalten, die Entdeckung der Neuen Welt sei leicht gewesen und hätte auch jeder andere schaffen können. Kolumbus forderte daraufhin die Anwesenden auf, ein gekochtes Ei auf der Spitze aufzustellen. Niemand gelang dies.
Kolumbus schlug anschließend die Spitze seines Eis leicht auf den Tisch, drückte sie dadurch ein und stellte das Ei hin. Auf den Einwand, das hätten die anderen ebenfalls gekonnt, antwortete er: „Der Unterschied ist, meine Herren, dass Sie es hätten tun können, ich hingegen habe es getan!“
In Südamerika ist auch eine Variante verbreitet: Dort soll Kolumbus das Ei nicht eingedrückt, sondern in einen Haufen Salz gestellt haben.
Ursprung und literarische Rezeption
Die Geschichte war ursprünglich nicht auf Kolumbus bezogen. Giorgio Vasari (1511–1574) erzählte sie über den italienischen Baumeister Filippo Brunelleschi (1377–1446). Brunelleschi soll mit der Lösung des „Ei-Problems“ den Auftrag für die Kuppel des Doms Santa Maria del Fiore erhalten haben. Die Kuppel in Florenz erinnert in ihrer Form an ein an der Spitze aufgestoßenes Ei.
Girolamo Benzoni verband die Anekdote mit Kolumbus. In Historia del mondo nuovo, Venedig 1565, erzählt er die Kolumbus-Version, erklärt aber, er kenne sie nur vom Hörensagen.
Die Redensart ist in vielen europäischen Sprachen verbreitet; im Englischen scheint sie dagegen unbekannt oder zumindest nicht allgemein gebräuchlich zu sein. Sie wird dennoch unter anderem in Mary Shelleys Vorwort zu Frankenstein, in F. Scott Fitzgeralds Der große Gatsby und in Paul Austers City of Glass erwähnt. Bei Shelley steht sie für die Bedeutung von Entdeckung und Erfindung: Erfindung entstehe nicht aus dem Nichts, sondern aus dem Chaos.
Darstellungen, Denkmäler und technische Varianten
Seit dem 17. Jahrhundert wurde die Anekdote in Graphiken und Miniaturen dargestellt. Bekannt ist besonders eine Radierung von William Hogarth, die mehrfach nachgestochen wurde. Daniel Hartmann nutzte das Motiv 1673 mit der Redensart „Und das könten wir alle“ als Allegorie auf die Anwendbarkeit seines eigenen Lehrbuchs.
Das 45 Meter hohe, 1995 eingeweihte Kolumbus-Denkmal Nacimiento de un Hombre Nuevo in Sevilla wird umgangssprachlich Huevo de Colón („Ei des Kolumbus“) genannt. Weitere Erinnerungsorte sind ein Denkmal in Sant Antoni auf Ibiza sowie ein „Ei des Kolumbus“ im Museum Reichenfels in Hohenleuben. Dieses Stück sollte 1893 auf der Weltausstellung in Chicago an den 400. Jahrestag der Entdeckung Amerikas erinnern.
Ei als Motorversuch und Spielzeug
Für die Columbian World Exhibition zum 400. Jahrestag der Entdeckung Amerikas entwickelte Nikola Tesla für den Stand der Westinghouse Electric einen Induktionsmotor. Sein Rotor besteht aus einem Metallei. Durch schnelle Rotation wirkt es wie ein Kreisel und kann ohne den Trick des Kolumbus auf der Spitze stehen. Das Experiment ist im Nikola-Tesla-Museum in Belgrad zu sehen.
Auch Zaubertricks und Spielzeuge, etwa ein Trickei mit einer unsymmetrischen Sanduhr im Innern, lassen ein Ei auf der Spitze stehen. S. Witgeests Natürliches Zauberbuch, Nürnberg 1702, beschreibt, wie ein echtes Ei ohne Zerbrechen aufgestellt werden kann: Man schüttelt es, bis sich der Dotter verteilt, und richtet es vorsichtig aus. Nach Christian Ucke ist dies wahrscheinlich möglich, weil die Eiform nicht vollkommen ist: Kleine ebene Aufsatzflächen können entstehen, über denen der Schwerpunkt liegt.