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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Ego-Gesellschaft

Individualisierung und der (negativ beurteilte) Wertewandel sind die soziologischen Grundbeobachtungen, auf denen das Gesellschaftskonzept beruht. Das Wort …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundidee
  2. 2. Beschriebene Erscheinungsformen
  3. 3. Kritik und Gegenpositionen

Begriff und Grundidee

Die „Ego-Gesellschaft“ ist ein kritisches Schlagwort für eine Gesellschaft, die Merkmale einer „Anspruchsgesellschaft“ und einer „Ellenbogengesellschaft“ verbindet. Gemeint ist eine Verbindung von Hedonismus – der Ausrichtung auf persönlichen Genuss – und Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen. Das Konzept beruht vor allem auf den soziologischen Beobachtungen der Individualisierung und eines negativ bewerteten Wertewandels. Es dient meist als ironische und ablehnende Beschreibung einer angeblich vorherrschenden Mentalität in der postmodernen Gesellschaft.

Die Darstellung ist jedoch nur unzureichend belegt und teilweise seit 2001 nicht mehr aktuell. Ihre Aussagen sind deshalb als zeitgebundene gesellschaftliche Diagnose und nicht als eindeutig gesicherte Tatsachen zu verstehen.

Beschriebene Erscheinungsformen

Als Kennzeichen gelten die Entfremdung zwischen Menschen und die instrumentelle Ausnutzung menschlicher Beziehungen: Andere Menschen werden vor allem als Mittel zum eigenen Vorteil betrachtet. Egoistische Werte und Korruption sollen das gesellschaftliche Leben bestimmen; der Einzelne werde dabei zu einem „bezahlbaren Objekt“.

Als Folgen nennt der Artikel soziale Kälte und Entsolidarisierung, also den Verlust gegenseitiger Unterstützung. Gemeinsinn und Mitmenschlichkeit träten in den Hintergrund. Außerdem wird ein Rückgang normaler Arbeitsverhältnisse bei gleichzeitiger Zunahme prekärer Beschäftigung beschrieben. „Prekär“ bedeutet hier unsicher und häufig schlecht abgesichert.

Als weitere Folge wurde 2001 Kinderfeindlichkeit angeführt. Die Journalistin Susanne Gaschke fasste diese Diagnose in „Die Erziehungskatastrophe“ mit den Worten zusammen: „Kinder fallen der Ego-Gesellschaft lästig, Erziehung ist nicht mehr angesagt.“

Kritik und Gegenpositionen

Vertreter der Kritik erklären die Ego-Gesellschaft mit einem Werteverfall beziehungsweise Wertewandel, durch den moralische Grundlagen angeblich beliebig würden. Als Gegenmittel werden mehr Autorität und eine Rückkehr zu traditionellen Werten gefordert. Aus der Perspektive einer durch Arbeit bestimmten Erwerbsgesellschaft erscheint die Ego-Gesellschaft als Verbindung von Faulheit, Dreistheit und Verachtung. Zugespitzt lautet die These, eine Gemeinschaft aus ausschließlich egoistischen Individuen könne gar keine Gesellschaft mehr sein.

Diese Diagnose ist umstritten. In dem 1997 von dem Soziologen Ulrich Beck herausgegebenen Buch „Kinder der Freiheit“ wird ihr entgegengehalten, dass Selbstverwirklichung und das Dasein für andere einander nicht ausschließen, sondern zusammengehören. Negative gesellschaftliche Erscheinungen sollten demnach nicht durch weniger, sondern durch mehr politische Freiheit bekämpft werden.

Auch der Soziologe Helmut Klages widersprach 2001 der pessimistischen Deutung. Er sah im Wertewandel ein großes menschliches Potenzial, das allerdings noch nicht ausgeschöpft werde.

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