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Die Schöne und das Biest (Volksmärchen)
Die Schöne und das Biest, ursprünglich Die Schöne und das Tier (französisches Original La Belle et la Bête), ist ein traditionelles Volksmärchen aus …
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Grundlagen und Bedeutung
Die Schöne und das Biest, ursprünglich Die Schöne und das Tier, ist ein traditionelles französisches Volksmärchen. Der französische Originaltitel lautet La Belle et la Bête. In der internationalen Märchenforschung wird der Stoff als ATU 425C eingeordnet. Im Mittelpunkt steht die Begegnung einer jungen Frau mit einem verzauberten, äußerlich abschreckenden Wesen. Das Märchen zeigt den Gegensatz zwischen äußerem Aussehen und innerem Wert: Die Schöne erkennt im Tier nicht nur die bedrohliche Gestalt, sondern auch Freundlichkeit, Großzügigkeit und Liebesfähigkeit.
Die erste bekannte Veröffentlichung stammt von Gabrielle-Suzanne de Villeneuve. Ihre Fassung erschien 1740 in La jeune américaine, et les contes marins. Villeneuve griff dabei auf ältere Motive zurück, unter anderem auf Stoffe aus Giovanni Francesco Straparolas Ergötzliche Nächte von 1550 bis 1555, besonders König Schwein. Bekannter wurde jedoch die stark gekürzte Fassung von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont, die 1756 im Magasin des enfan[t]s, ou dialogues entre une sage gouvernante et plusieurs de ses élèves erschien. Noch im selben Jahr wurde sie von Johann Joachim Schwabe ins Deutsche übertragen und unter dem Titel Die Schöne, und das Thier. Ein Mährchen veröffentlicht.
Handlung bei Villeneuve
In Villeneuves Fassung hat ein reicher Kaufmann sechs Kinder: drei Söhne und drei Töchter. Die jüngste Tochter heißt wegen ihrer Schönheit und Güte „die Schöne“ (La Belle). Sie ist bescheiden und freundlich, während ihre Schwestern als boshaft und selbstsüchtig beschrieben werden. Als der Kaufmann durch einen Sturm auf See sein Vermögen verliert, muss die Familie in ein kleines Haus auf dem Land ziehen und arbeiten. Jahre später hört der Kaufmann, eines seiner Schiffe habe doch den Hafen erreicht. Vor der Reise wünschen sich die älteren Töchter Schmuck und teure Kleider; die Schöne bittet nur um eine Rose. In der Stadt erfährt der Kaufmann, dass die Ladung zur Begleichung seiner Schulden beschlagnahmt wurde.
Auf dem Rückweg verirrt er sich im Wald und kommt in ein prächtiges, aber menschenleeres Schloss. Dort findet er Essen und Unterkunft. Am nächsten Morgen pflückt er im Rosengarten eine Rose für die Schöne. Darauf erscheint ein abscheuliches Tier (Bête) mit einem Rüssel ähnlich dem eines Elefanten. Es wirft dem Kaufmann vor, seinen wertvollsten Besitz genommen zu haben, obwohl es ihn gastfreundlich aufgenommen habe. Der Kaufmann soll sterben, doch das Tier lässt ihn gehen, wenn er zurückkehrt oder eine seiner Töchter freiwillig an seiner Stelle ins Schloss kommt.
Die Schöne fühlt sich verantwortlich und geht freiwillig zum Schloss, obwohl sie ihren Tod erwartet. Das Tier behandelt sie höflich und schenkt ihrer Familie Pferde, Schmuck und Kleider. Im Schloss lebt die Schöne zunächst luxuriös, erkundet Räume und Gärten und wird jeden Abend vom Tier unterhalten. Das Tier fragt sie täglich, ob sie die Nacht mit ihm verbringen wolle; sie lehnt ab. In ihren Träumen erscheint ihr ein schöner Prinz, den sie mit dem Tier nicht in Verbindung bringt. Sie glaubt sogar, das Tier halte den Prinzen gefangen.
Nach mehreren Monaten bekommt die Schöne Heimweh. Das Tier erlaubt ihr einen Besuch bei ihrer Familie unter der Bedingung, dass sie nach genau zwei Monaten zurückkehrt; sonst werde es sterben. Zuhause werden ihre Schwestern neidisch auf ihr gutes Aussehen und ihre schönen Kleider. Als die Schöne nach zwei Monaten im Traum sieht, dass das Tier im Sterben liegt, kehrt sie mit einem Zauberring zurück. Sie erkennt ihre Liebe zu ihm, gesteht sie und willigt in die Heirat ein. Am nächsten Morgen liegt neben ihr der zurückverwandelte schöne Prinz aus ihren Träumen.
Danach erscheinen eine gute Fee und die Mutter des Prinzen. Die Königin will die Ehe zunächst nicht zulassen, weil die Schöne scheinbar nur eine Kaufmannstochter ist. Die Fee erklärt jedoch, dass die Schöne in Wahrheit die Tochter eines Königs und einer Fee sei. Außerdem wird die Vorgeschichte des Prinzen erzählt: Eine alte Fee verfluchte ihn, weil er sie nicht heiraten wollte. Nur die aufrichtige Liebe einer Frau und ihre Bereitschaft zur Heirat konnten ihn erlösen.
Beaumonts gekürzte Fassung
Jeanne-Marie Leprince de Beaumont kürzte Villeneuves Fassung deutlich. Sie ließ viele ausführliche Hintergrundgeschichten weg und betonte stärker eine einfache, lehrhafte Märchenform. Besonders wichtig ist bei ihr die Tugendhaftigkeit der Schönen. Sie wird nicht nur als schön, sondern auch als besonders gut, pflichtbewusst und bescheiden dargestellt. In der deutschen Übersetzung heißt es, sie habe „den größten Theil ihrer Zeit auf das Lesen guter Bücher“ verwendet.
Bei Beaumont hat der Kaufmann nur drei Töchter. Die jüngste ist als „das schöne Kind“ (La belle enfant) bekannt. Sie schlägt Heiratsanträge aus, um ihren Vater nicht allein zu lassen, erledigt die Arbeit gewissenhaft, spielt nach der Arbeit Klavier, singt und spinnt. Als das Tier den Kaufmann gehen lässt, gibt es ihm einen Koffer voller Goldstücke mit. Beim Abschied der Schönen reiben sich ihre bösen Schwestern die Augen mit einer Zwiebel ein, um Tränen vorzutäuschen.
Im Schloss glaubt die Schöne zunächst, das Tier werde sie auffressen. In der ersten Nacht erscheint ihr im Traum eine Dame, die ihr gutes Herz lobt und ihr eine Belohnung verspricht. Beim Gang durch den Palast findet sie ein eigenes Zimmer mit einer großen Bibliothek. Beaumont fügt außerdem einen Zauberspiegel ein, in dem die Schöne ihre Familie sehen kann. Die Frage des Tiers ist bei Beaumont nicht mehr die nach einer gemeinsamen Nacht, sondern die nach der Heirat. Nach der Rückverwandlung des Tiers in einen Prinzen trifft das Paar auf die Familie der Schönen und auf die Fee aus dem Traum. Die Fee verwandelt die bösen Schwestern in lebende Bildsäulen, die am Eingang des Palastes stehen und für immer das Glück ihrer Schwester sehen sollen.
Herkunft, Varianten und Motive
Das Märchen enthält sehr alte Motive. Ähnliche Elemente finden sich bereits in Apuleius’ Erzählung von Amor und Psyche aus dem 2. Jahrhundert, etwa die neidischen Schwestern, die Psyche glauben machen, sie sei mit einem Ungeheuer verheiratet. Als reales Vorbild einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte wird die Ehe zwischen Pedro Gonsalvus und Catherine Raffelin genannt. Portugiesische und britische Forscher kamen mit phylogenetischen Methoden zu dem Schluss, dass das Märchen wahrscheinlich etwa 2500 bis 6000 Jahre alt ist.
Es gibt zahlreiche Varianten. In Griechenland sind drei ähnliche Fassungen von Johann Georg von Hahn, Georgios A. Megas und Felix Karlinger bekannt; sie tragen auf Deutsch den Titel Die Schlange, und der Prinz ist jeweils eine Schlange. In einer italienischen Version aus Francesco Mangos Novelline popolari sarde, deutsch Der Bär und die drei Schwestern, ist der verzauberte König ein Bär. In Alexander Nikolajewitsch Afanassjews russischer Version Der verwunschene Zarensohn erscheint ein Drache.
Ein zentrales Motiv ist das Versprechen eines Vaters, einer bedrohlichen Macht das erste Lebendige zu geben, das ihm bei der Heimkehr begegnet. Er erwartet ein Tier, doch ihm kommt sein liebstes Kind entgegen. Dieses Motiv findet sich schon im Alten Testament in der Geschichte von Jephtha. Auch im deutschen Märchen Das singende springende Löweneckerchen der Brüder Grimm wird es weitergeführt. Die fleißige jüngste Tochter mit neidischen älteren Schwestern verbindet La Belle et la Bête mit Aschenputtel. Das Motiv des in eine hässliche Gestalt verwandelten Prinzen erinnert außerdem an Der Froschkönig.
Weitere verwandte oder abgewandelte Erzählungen sind das norwegische Märchen Östlich von der Sonne und westlich vom Mond von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe, in dem das Tier ein großer Eisbär ist, das griechische Märchen Der goldgrüne Adler aus der Sammlung von Georgias Megas und Die Rosenknospe von Božena Němcová. In Němcovás Erzählung muss das Mädchen drei Nächte lang quälende Geister schweigend ertragen, um das Ungeheuer zu erlösen.
Künstlerische Bearbeitungen
Der Stoff wurde in vielen Künsten aufgenommen. In der bildenden Kunst gibt es Illustrationen und Darstellungen unter anderem von Walter Crane, Edmund Dulac, Camille Roqueplan, Félicien Rops, Henri Rousseau, Edgar Walter, Elizabeth Shaw und Birgit Kahle. In der Literatur gehören zu den Bearbeitungen Sergei Aksakows Die feuerrote Blume von 1858, Angela Carters Mister Lyons Werbung und Die Braut des Tigers aus Blaubarts Zimmer von 1979, Alex Flinns Beastly von 2007 und Kathrin Langes Wenn die Nebel flüstern, erwacht mein Herz von 2020.
Auch Oper, Theater, Film, Fernsehen, Musik, Musical, Computerspiel und Hörspiel griffen den Stoff auf. Beispiele sind André Grétrys Zémire et Azor von 1771, Louis Spohrs Oper Zemire und Azor von 1819, Jean Cocteaus Film La Belle et la Bête von 1946, der Disney-Zeichentrickfilm Die Schöne und das Biest von 1991, der Disney-Realfilm von 2017 sowie der japanische Animationsfilm Belle von 2021. In der Musik wird das Märchen etwa in Maurice Ravels Les entretiens de la belle et de la bête, dem vierten Satz aus Ma Mère l'Oye von 1908 bis 1911, aufgegriffen. Zudem entstanden mehrere Musicals, darunter Beauty and the Beast: Live on Stage! von 1991 und Die Schöne und das Biest nach dem Disney-Film mit Erstaufführung 1994.