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Die Reise zum Mond
Die Reise zum Mond (Originaltitel Le voyage dans la lune) ist ein Science-Fiction-Film des französischen Filmpioniers Georges Méliès aus dem Jahr 1902.
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Einordnung und Bedeutung
Die Reise zum Mond (Originaltitel: Le voyage dans la lune) ist ein französischer Science-Fiction-Film von Georges Méliès aus dem Jahr 1902. Der 16 Minuten lange, französischsprachige Film entstand bei Star Film; Méliès war Regisseur, Drehbuchautor und Produzent und spielte Professor Barbenfouillis. Er gilt als Méliès’ bekanntester Film und als einer der ersten Science-Fiction-Filme.
Die Uraufführung war am 1. September 1902 im Pariser Olympia. Zusammen mit Der große Eisenbahnraub (1903) und frühen Filmen der Brüder Lumière zählt der Film zu den bekanntesten Werken der Anfangszeit der Filmgeschichte. Besonders berühmt wurde das Bild der Kapsel, die im rechten Auge eines Mondgesichts landet.
Reise zum Mond und Rückkehr
Professor Barbenfouillis schlägt auf einem Kongress der Astronomischen Gesellschaft eine Mondreise vor: Sechs Astronauten sollen in einer Kapsel mit einer gigantischen Kanone zum Mond geschossen werden. Nach anfänglichem Einspruch eines Wissenschaftlers wird der Plan beschlossen. Die Astronauten verfolgen den Bau der Kapsel und der Kanone.
Mit Regenschirmen steigen sie in die Kapsel. Damen schieben sie wie einen Hinterlader in die Kanone; nach dem Hissen der französischen Trikolore wird sie abgeschossen. Die Kapsel trifft das rechte Auge des Mondgesichts und landet anschließend auf der Mondoberfläche. Die Wissenschaftler betrachten die Landschaft und die aufgehende Erde.
Während sie schlafen, werden Sterne und Planeten lebendig und schicken einen Schneeschauer. Die Reisenden fliehen in eine Grotte mit riesigen Pilzen. Barbenfouillis verwandelt seinen in den Boden gerammten Regenschirm in einen wachsenden Pilz. Dann greifen Seleniten, die Bewohner des Mondes, an. Schläge mit einem Regenschirm lassen zwei Seleniten in Rauchwolken verdampfen. Die übrigen Erdlinge werden jedoch gefangen genommen und vor den Herrscher der Seleniten geführt. Barbenfouillis zerreißt seine Fesseln und zerschmettert den Herrscher, sodass die Gruppe zur Kapsel fliehen kann.
Die Kapsel stürzt, durch den Sprung eines Seleniten ausgelöst, von einem Abgrund zur Erde. Sie fällt ins Meer, sinkt zum Meeresgrund und steigt durch statischen Auftrieb wieder auf. Ein Dampfer schleppt sie in einen Hafen. In der Stadt werden die Heimkehrer gefeiert, erhalten den Ritterorden der Mondfahrt, und ein gefangener Selenit wird vorgeführt. Der Schluss zeigt einen Tanz um eine Statue zu Ehren von Barbenfouillis und der Wissenschaft.
Vorlagen, Tricks und Fassungen
Der Film basiert auf den Romanen Von der Erde zum Mond von Jules Verne und Die ersten Menschen auf dem Mond von H. G. Wells. Méliès nutzte seine Erfahrung als Zauberkünstler: Bühnentechniken wie Falltüren und pyrotechnische Effekte verband er mit filmischen Verfahren. Dazu gehören Doppelbelichtungen, Split Screens sowie Stop-Action oder Stop-Motion. Diese Techniken ermöglichten Szenen, die auf einer Theaterbühne nicht darstellbar waren.
Méliès entwarf außerdem Szenenbilder und Kostüme. Die aufwendige Gestaltung machte den Film zu einer seiner teuersten Produktionen, aber auch zum erfolgreichsten seiner mehr als 500 Filme. In den Vereinigten Staaten wurden heimlich Kopien durch Techniker von Edisons Filmstudio angefertigt und veröffentlicht; andere Produzenten brachten Schwarzkopien unter anderen Titeln heraus, etwa als A Trip to Mars.
2002 wurde in Frankreich eine vollständige, komplett handkolorierte Kopie entdeckt. Es gibt viele Fassungen. Die Szene eines Raumflugs in den geöffneten Mund des Mondgesichts gehört nicht zu diesem Film, sondern zu Excursion dans la lune (1908) von Segundo de Chomón. Zwischentitel zur Handlung gab es damals noch nicht; Méliès hatte jedoch einen Begleittext vorbereitet und den Film mit 30 Kapitelüberschriften beworben.
Wirkung, Kritik und Musik
Bilder des Films wurden über mehr als hundert Jahre wiederholt zitiert. Die Kanone erscheint in Was kommen wird, das Mondgesicht unter anderem in Moulin Rouge. Originalszenen wurden für Queens Musikvideo Heaven for Everyone (1995) verwendet; Tonight, Tonight der Smashing Pumpkins (1995) orientiert sich stilistisch am Film. Weitere Bezüge finden sich in From the Earth to the Moon, Futurama, Martin Scorseses Hugo Cabret sowie Musikvideos von J.B.O. und King Buffalo. In Lisa Frankenstein (2024) erscheint das Mondgesicht mehrfach.
Das Lexikon des internationalen Films bezeichnet den Film als „Ein Klassiker (nicht nur) des Science-Fiction-Kinos“ und hebt Méliès’ Mischung aus „umwerfender Naivität“ und „beeindruckendem tricktechnischen Erfindungsreichtum“ hervor.
2012 erschien eine für 400.000 Euro restaurierte Farbversion auf DVD und Blu-ray; sie enthält auch die Schwarzweiß-Version und die 65-minütige Dokumentation Le voyage extraordinaire von Serge Bromberg und Eric Lange. Im selben Jahr komponierte Stephan König eine Filmmusik, uraufgeführt am 1. Juni 2012 vom Leipziger Kammerorchester artentfaltung im MDR-Kubus. Ebenfalls 2012 veröffentlichte das französische Electronica-Duo Air seine Filmmusik als Album Le Voyage dans la Lune.