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Die Konferenz der Tiere (Roman)
Die Konferenz der Tiere ist ein Kinderbuch des deutschen Schriftstellers Erich Kästner, das 1949 erschienen ist. Es ist Kästners erster Roman nach dem …
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Werk und Grundidee
Die Konferenz der Tiere ist ein 1949 erschienenes Kinderbuch von Erich Kästner. Es war sein erster Roman nach dem Zweiten Weltkrieg und sein neuntes Kinderbuch. Im Mittelpunkt stehen Vertreter aller Tierarten, die nach dem wiederholten politischen Scheitern der Menschen selbst eine internationale Konferenz einberufen. Ihr Ziel ist eine friedliche Welt, in der Erwachsene Verantwortung für die Zukunft der Kinder übernehmen.
Das Buch verbindet eine einfache, bilderreiche Tiergeschichte mit einer politischen Botschaft. Obwohl es vor allem Kinder anspricht, richtete Kästner es mit dem Untertitel „Ein Buch für Kinder und Kenner“ ausdrücklich auch an Erwachsene.
Die Konferenz und ihr Ausgang
Der Löwe Alois, der Elefant Oskar und die Giraffe Leopold erfahren aus der Zeitung, dass die 86. internationale Konferenz der Menschen ohne Ergebnis beendet worden ist. Die Regierungsvertreter haben keine Lösungen für die von Menschen verursachten Kriege, Hungersnöte und Umweltzerstörungen gefunden. Deshalb laden die drei Tiere für vier Wochen später zu einer eigenen Versammlung im Hochhaus der Tiere ein. Delegierte aus aller Welt reisen an, darunter sogar Tiere aus Bilderbüchern. Von jedem Kontinent wird außerdem ein Menschenkind eingeladen. Die Tiere halten die Kinder für unschuldig und wollen sie an ihren Plänen für eine bessere Welt beteiligen.
Zur gleichen Zeit tagen die Menschen erneut in Kapstadt. Um sie zu einer friedlichen Einigung zu zwingen, lassen die Tiere zunächst Nagetiere in deren Konferenzgebäude eindringen. Diese vernichten sämtliche Akten, weil die Tiere sie als Hindernis für eine Verständigung ansehen. Die Menschen beschaffen jedoch Kopien und ignorieren die Forderung nach einer sofortigen Übereinkunft.
Daraufhin fressen Motten die Uniformen der Konferenzteilnehmer auf, sodass diese nackt dastehen. Auch dieses Problem lösen die Menschen, ohne politisch nachzugeben. Als letzte Maßnahme entführen die Tiere deshalb die Kinder aller Familien der Welt. Die Kinder werden sicher versteckt, von Tieren betreut und spielen glücklich miteinander. Die Erwachsenen erkennen nun, wie leer eine Welt ohne Kinder ist und dass sie um deren Zukunft willen handeln müssen.
Schließlich unterzeichnen alle Staatsoberhäupter einen Vertrag: Sämtliche Grenzen werden aufgehoben, das Militär sowie alle Schuss- und Sprengwaffen werden abgeschafft. Außerdem soll jedes künftige Vorhaben der Menschheit dem Frieden und dem Wohl der Kinder dienen.
Politische und pädagogische Aussagen
Kästner erzählt die Handlung humorvoll, etwa wenn die Tiere überlegen müssen, wie eine Giraffe in einem Hotelzimmer untergebracht werden kann. Zugleich stellt er den Zustand der Welt als äußerst ernst dar und macht die Menschen für die bestehenden Missstände verantwortlich. Anders als in vielen seiner Kinderbücher nennt er konkrete politische Probleme seiner Zeit: den Indochinakrieg, die „Gefängnisse in Spanien“ als Anspielung auf die Diktatur Francos und die Gefahren von Kernwaffen.
Der Leitspruch der Tiere lautet: „Es geht um die Kinder“. Sie erkennen, dass die Menschen die Zukunft ihrer eigenen Kinder gefährden, und erscheinen ihnen moralisch überlegen. Elefant Oskar sagt: „Wir werden die Welt schon in Ordnung bringen! Wir sind ja schließlich keine Menschen!“ Auch die Entführung wird als vorübergehende Übernahme der Fürsorge dargestellt: Nach Ansicht der Tiere haben die Erwachsenen als Gesamtheit ihre Verantwortung verloren und müssen erst zur Vernunft kommen.
Als Hauptursachen der Probleme betrachten die Tiere „die Akten und das Militär“. Das Buch verspottet deshalb Bürokratie und militärisches Denken. Nach der Vernichtung der Akten wird beispielsweise jede Aktentasche der Menschen von einem bewaffneten Soldaten bewacht. Der verständnislose Sonderbeauftragte Feldmarschall Zornmüller versucht erfolglos, die Tiere zum Einlenken zu bewegen. Auch Staatsgrenzen gelten als Friedenshindernis; die Tiere verlangen ihre Aufhebung und schließlich sogar das „Ende der Staatsidee“.
Die Abschaffung des Militärs und die Abrüstung der Sicherheitskräfte drücken Kästners Antimilitarismus aus, der auf seinen Erfahrungen während des Ersten Weltkrieges beruht. Daneben soll die Bürokratie auf ein Mindestmaß begrenzt werden, denn „Büros sind für die Menschen da, nicht umgekehrt“. Die Wissenschaft soll vollständig dem Frieden dienen. Lehrer sollen die bestbezahlten Beamten sein, weil die Erziehung der Kinder zur höchsten und schwersten Aufgabe erklärt wird. Als Ziel echter Erziehung formuliert das Buch: „Es gibt keine Trägheit des Herzens mehr.“
Entstehung und Veröffentlichung
Die Grundidee stammte von der mit Kästner befreundeten Kinderbuchautorin Jella Lepman. Sie schlug eine Geschichte vor, in der Tiere anstelle der Menschen die Politik übernehmen und den Frieden für künftige Generationen sichern. Kästner hatte 1946 Lepmans Internationale Jugendbuchausstellung besucht und in der Neuen Zeitung begeistert darüber geschrieben. Seine Behauptung, dort den Hauptfiguren der ausgestellten Kinderbücher persönlich begegnet zu sein, griff er im Roman wieder auf: Auch erfundene Tiere aus bekannten Büchern nehmen an der Konferenz teil.
Die Erstausgabe erschien 1949 im Schweizer Europa Verlag. Walter Trier illustrierte sie, obwohl er seit seiner Emigration 1933 in Toronto lebte und die Zusammenarbeit deshalb logistisch schwierig war. Unter Kästners Romanen besitzt Die Konferenz der Tiere die umfangreichsten Illustrationen. Seit der Erstausgabe wurde das Werk häufig neu aufgelegt, seit 1978 wiederholt im Cecilie Dressler Verlag. Weitere genannte Ausgaben erschienen 1971 als Lizenzausgabe des Buchklubs Ex Libris Zürich, 1998 im Atrium Verlag Zürich mit der ISBN 3-85535-991-1 und 2010 im Cecilie Dressler Verlag mit der ISBN 3-7915-3029-1.
Bearbeitungen und öffentliche Bezugnahme
Schon kurz nach der Veröffentlichung bot Kästner Walt Disney den Stoff zur Verfilmung an. Disney lehnte ab, weil ihm die Geschichte zu politisch war. 1950 entstand das Hörspiel Die Konferenz der Tiere – Eine Geschichte für Kinder und Kenner – beinahe ein Märchen, bearbeitet von James Krüss und Irene Kürschner und inszeniert von Kurt Wilhelm. 1952 folgte beim österreichischen Sender Rot-Weiß-Rot im Landesstudio Oberösterreich eine weitere Hörspielfassung unter der Regie von Hans Krendlesberger.
1969 erschien Curt Lindas westdeutscher Zeichentrickfilm Die Konferenz der Tiere, in dem unter anderem Georg Thomalla den Löwen sprach. Der computeranimierte Film Konferenz der Tiere, der nur lose auf dem Buch beruht, kam am 7. Oktober 2010 in die deutschen Kinos. 2022 veröffentlichte der Verlag für Kindertheater Hamburg eine Musiktheaterfassung als Community Music Drama; das Libretto schrieb Manuela Widmer, die Musik komponierte Jakob Gruchmann.
Der Titel und die Grundidee wurden auch politisch aufgegriffen: Am 7. Mai 1984 veranstalteten Gegner des geplanten Donaukraftwerks in der Hainburger Au eine „Pressekonferenz der Tiere“. Zu den Beteiligten gehörten Gerhard Heilingbrunner mit Günther Nenning im Auhirsch-Kostüm, Jörg Mauthe als Schwarzstorch und Peter Turrini als Rotbauchunke. Am 8. Dezember 1984 wurde die Au besetzt. Der Kraftwerksbau wurde schließlich verhindert, und die Forderung eines Volksbegehrens nach einem Nationalpark Donauauen wurde erfüllt.