Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Deutscher Gemeinschafts-Diakonieverband
Mit über 4.000 Mitarbeitenden ist das DGD-Netzwerk einer der großen diakonischen Arbeitgeber im Diakonischen Werk der evangelischen Kirche und Mitglied im …
Inhalt5 Abschnitte
Profil und Bedeutung
Der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband (DGD) ist ein 1922 gegründeter eingetragener Verein und eine Stiftung mit Sitz in Marburg. Er bildet ein Netzwerk aus über 100 diakonisch-missionarischen Einrichtungen. Diakonie bedeutet hier christlich begründete soziale, medizinische und pflegerische Arbeit; missionarisch bezeichnet die Weitergabe des christlichen Glaubens. Der DGD verbindet christliche Glaubensüberzeugung, diakonisches Engagement und Evangelisation.
Das Netzwerk beschäftigt über 4.000 Mitarbeitende und gehört zu den großen diakonischen Arbeitgebern im Diakonischen Werk der evangelischen Kirche. Es ist Mitglied im Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband und eng mit der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen verbunden. Der Umsatz betrug 2023 genau 76.399.618 Euro.
Das Motto „Weil Leben mehr ist“ drückt den Grundgedanken aus, das Leben als Geschenk Gottes in seiner Vielfalt und Einzigartigkeit anzunehmen und Gott sowie den Menschen ganzheitlich zu dienen.
Arbeitsfelder
Die Arbeit des DGD umfasst mehrere miteinander verbundene Bereiche:
-
Gesundheit und Pflege: Kliniken sowie Senioren- und Pflegeeinrichtungen leisten medizinische und pflegerische Versorgung. Dabei soll der Mensch als Ganzes im Mittelpunkt stehen.
-
Bildung und Ausbildung: Das Angebot reicht von schulischer und beruflicher Ausbildung bis zum theologischen Studium, beispielsweise an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg.
-
Lebensgemeinschaften und Lebensparks: In 6 nationalen und 4 internationalen Diakonissenhäusern sowie 6 Lebensparks können Menschen gemeinsam leben und sich auf Grundlage einer gemeinsamen Vision diakonisch und missionarisch engagieren. Diakonissenhäuser sind christliche Lebens- und Dienstgemeinschaften von Frauen.
-
Gäste- und Tagungshäuser: Etwa 10 Häuser bieten Raum für Gemeinschaft, Erholung und geistliche Angebote.
-
Medien und Mission: Das Evangelium wird unter anderem durch den Francke-Verlag, den Brunnen-Verlag, Alpha-Buchhandlungen, Chrismedia, die Marburger Medien und die Marburger Mission verbreitet.
-
Gemeindearbeit: Gemeinden, Gemeinschaften und geistliche Zentren sollen Menschen ermöglichen, ihre Beziehung zu Gott zu vertiefen und ihren Glauben in einer gemeinschaftlichen Umgebung zu leben.
Entstehung und Aufbau
Die Ursprünge reichen bis zum 20. Oktober 1899 zurück. An diesem Tag gründete Pfarrer Carl Ferdinand Blazejewski im ostpreußischen Borken ein Gemeinschafts-Schwesterhaus. Nach seinem Tod am 24. Mai 1900 holte Pfarrer Theophil Krawielitzki die junge Schwesternschaft an seine Pfarrstelle im westpreußischen Vandsburg, dem heutigen Więcbork. Dort ließ er für sie das erste Diakonissen-Mutterhaus der evangelischen Gemeinschaftsbewegung errichten.
Weitere Mutterhäuser entstanden 1908 in Marburg unter dem Namen „Hebron“, 1909 in Gunzenhausen als „Hensoltshöhe“ und 1921 in Elbingerode. Diese Einrichtungen schlossen sich 1922 rechtlich zum Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverband mit Sitz in Marburg zusammen. 1932 folgte ein Mutterhaus in Lachen. 1945 wurde in Velbert das Diakonissen-Mutterhaus Bleibergquelle gegründet, zunächst unter dem Namen „Neuvandsburg-West“.
Der Verband entstand im Umfeld der christlichen Erweckungsbewegung. Von Beginn an verband er Glaubensgemeinschaften, praktische diakonische Dienste und missionarisches Engagement.
Nationalsozialismus und weitere Entwicklung
Die politische und kirchenpolitische Haltung des DGD während des Nationalsozialismus und des Kirchenkampfes gilt als umstritten. Anfang 1935 beendete der damalige Direktor Theophil Krawielitzki die Mitgliedschaft des Verbandes im Gnadauer Gemeinschaftsverband. Erst im März 1946 trat der DGD unter Krawielitzkis Nachfolger, Pfarrer Arno Haun, wieder bei. Zuvor gab der Verband ein Schuldbekenntnis ab.
Im November 2012 wurde die DGD-Stiftung gegründet. Sie übernahm die Aufgaben des Gesellschafters der DGD-GmbH Krankenhausbetriebe und der Diakonie-Krankenhaus Harz GmbH. 2016 wurde Pfarrer Joachim Drechsel Vorstandsvorsitzender. Nach seiner Pensionierung führten Claudia Fremder und Hubertus Jaeger die Arbeit seit 2020 fort. 2021 wurde Frieder Trommer Vorstandsvorsitzender des DGD e. V.
Leitung und Netzwerk
Der gegenwärtig angegebene Vorstand des DGD e. V. besteht aus Frank Spatz als Vorstandsvorsitzendem, Diakonisse Iris Daut als stellvertretender Vorstandsvorsitzender, Diakonisse Astrid Duske, Geschäftsführer Johannes Bormuth und Reinhard Steeger.
Zum Netzwerk gehören Diakonissen-Mutterhäuser in Elbingerode, Gunzenhausen, Lachen, Lemförde, Marburg-Wehrda und Velbert. Internationale Gemeinschaften befinden sich unter anderem in der Schweiz, den USA, den Niederlanden, Brasilien, Japan und Ruanda.
Weitere Mitgliedsorganisationen sind medizinische Einrichtungen wie die Klinik Hohe Mark und die Fachklinik Haus Immanuel, Bildungswerke wie die Stiftung Studien- und Lebensgemeinschaft Tabor als Trägerin der Evangelischen Hochschule Tabor sowie das mbs Bibelseminar, außerdem die Stiftung Marburger Medien und die Stiftung Marburger Mission. Hinzu kommen mehrere regionale Gemeinschaftsverbände, die im Bund evangelischer Gemeinschaften zusammengeschlossen sind, sowie der Verlag der Francke-Buchhandlung und acht Francke-Buchhandlungen.