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Deutsch-Französisches Jugendwerk

Das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW; französisch Office franco-allemand pour la Jeunesse, OFAJ) ist eine Organisation im Dienst der deutsch …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernaufgabe und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Aufbau
  3. 3. Ziele, Arbeitsweise und aktuelle Ausrichtung
  4. 4. Formen des Austauschs
  5. 5. Sprache und interkulturelles Lernen
  6. 6. Zahlen und internationale Programme

Kernaufgabe und Bedeutung

Das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW; französisch Office franco-allemand pour la Jeunesse, OFAJ) ist eine unabhängige internationale Organisation im Dienst der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Seine Hauptaufgabe ist es, die Beziehungen zwischen jungen Menschen aus Deutschland und Frankreich zu intensivieren, ihr gegenseitiges Verständnis zu vertiefen und ihnen die Kultur des Nachbarlandes näherzubringen.

Das DFJW fördert vor allem Jugendbegegnungen und Austauschprogramme. Dazu gehören schulische und außerschulische Begegnungen, Programme in der beruflichen Bildung, Studentenaustausch, Sprachkurse, Fortbildungen für Betreuungspersonen sowie trinationale Programme mit Jugendlichen aus weiteren Ländern. Ziel ist nicht nur Begegnung, sondern auch interkulturelles Lernen: Junge Menschen sollen lernen, andere Sichtweisen zu verstehen, mit sprachlichen und kulturellen Unterschieden umzugehen und gemeinsame europäische Verantwortung wahrzunehmen.

Entstehung und Aufbau

Der Grundstein für das DFJW wurde durch den Elysée-Vertrag gelegt, den Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle am 22. Januar 1963 unterzeichneten. Am 5. Juli 1963 wurde in einem zwischenstaatlichen Abkommen die Gründung einer „Organisation zur Förderung der Beziehungen zwischen der deutschen und der französischen Jugend“ vereinbart. Artikel 2 (1) des Gründungsabkommens legt fest: „Das Jugendwerk hat die Aufgabe, die Bande zwischen der Jugend der beiden Länder enger zu gestalten und ihr Verständnis füreinander zu vertiefen; es hat hierzu die Jugendbegegnung und den Jugendaustausch anzuregen, zu fördern und gegebenenfalls selbst durchzuführen.“

Am 29. Juli 1963 wurden Diensträume in Rhöndorf bei Bonn eröffnet, am 9. Oktober 1963 folgte ein Standort in Paris. Bis Dezember 2000 war das Generalsekretariat in Rhöndorf ansässig; danach wurde Paris Hauptsitz. Der deutsche Standort befindet sich in Berlin. 2014 wurde eine Außenstelle in Saarbrücken eröffnet, die vor allem für den Deutsch-Französischen Freiwilligendienst zuständig ist. Außerdem gibt es eine Außenstelle in Straßburg.

An der Spitze des DFJW steht ein Verwaltungsrat. Den Vorsitz haben die Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Karin Prien, und Marina Ferrari, französischer Minister für Sport, Jugend und Vereinswesen. Das ausführende Organ ist das Generalsekretariat, geleitet von einem deutsch-französischen Tandem: Tobias Bütow leitet das DFJW seit März 2019 von deutscher Seite, Pascale Trimbach hat den französischen Posten seit April 2026 inne. Etwa 100 Bedienstete arbeiten in binational besetzten Referaten in Paris, Berlin, Saarbrücken und Straßburg.

Ziele, Arbeitsweise und aktuelle Ausrichtung

Das DFJW versteht sich als Kompetenzzentrum für die Regierungen Deutschlands und Frankreichs. Es berät und vermittelt zwischen staatlichen Ebenen und Akteuren der Zivilgesellschaft, also etwa Vereinen, Schulen, Hochschulen, Jugendverbänden oder Städtepartnerschaften. Nach dem Subsidiaritätsgedanken arbeitet es mit vielen Partnern zusammen: Es unterstützt dort, wo Partner Austauschprogramme organisieren, durch finanzielle, pädagogische und sprachliche Hilfe.

Zu den Zielen gehören: die Beziehungen zwischen Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Verantwortlichen der Jugendarbeit in beiden Ländern zu vertiefen; die Kultur des Partners zu vermitteln; interkulturelles Lernen zu fördern; berufliche Qualifizierung zu unterstützen; gemeinsame Projekte für bürgerschaftliches Engagement zu stärken; für die besondere Verantwortung Deutschlands und Frankreichs in Europa zu sensibilisieren; und die Neugier auf die Partnersprache zu wecken und zu vertiefen.

Für die kommenden drei Jahre, aufbauend auf der Sitzung des Verwaltungsrats vom 19. Dezember 2025, setzt das DFJW Schwerpunkte auf Jugendbeteiligung im und durch Austausch, Inklusion und Vielfalt, Kultur(en) und Sprachen, Vertrauen junger Menschen in ihre Zukunft sowie Demokratie und Frieden in Europa. Dadurch sollen Schlüsselkompetenzen für Europa und Demokratie vermittelt werden.

Formen des Austauschs

Ein wichtiger Arbeitsbereich ist die berufliche Bildung. Sie richtet sich an junge Menschen in Ausbildung, benachteiligte Jugendliche, Studierende und junge Berufstätige. Jedes Jahr vereinen 460 Begegnungen fast 10.000 Jugendliche. Dazu zählen Programme mit Berufsschulen, Handwerk, Landwirtschaft, berufliche Eingliederungsprogramme für junge Arbeitslose, Fortbildung junger Berufstätiger, „Arbeit beim Partner“, Stipendien für junge Künstler und Multiplikatoren im Bereich Kulturvermittlung und Medien, der deutsch-französische Freiwilligendienst sowie Praxes.

Im Studentenaustausch will das DFJW die Mobilität von Studierenden und jungen Forschern im deutsch-französischen und internationalen Rahmen verbessern. Es arbeitet mit Universitäten zusammen und unterstützt Studierende, die selbstständig Praktika oder Forschungsaufenthalte im Partnerland durchführen. Genannt werden 105 Programme mit 2.222 Studenten, darunter binationale Seminare, Workshops, Unternehmenspraktika, deutsch-französische Projekte und Studienaufenthalte an Kunst- und Musikhochschulen; zusätzlich gibt es 347 Praktika im Hochschulbereich.

Der schulische Austausch umfasst Gruppenbegegnungen am Ort des Partners oder an einem Drittort für Schüler des Primar- und Sekundarbereichs. Individuelle Austauschprogramme wie das Voltaire-Programm und das Brigitte-Sauzay-Programm beruhen auf gegenseitiger Aufnahme eines Gastschülers in einer Familie und Schule des Partnerlandes. Für Lehrkräfte bietet das DFJW in Kooperation mit dem Pädagogischen Austauschdienst das Élysée-Prim-Programm an.

Außerschulische Jugendbegegnungen werden etwa von Jugendverbänden, Städtepartnerschaftskomitees, Sportvereinen und Vereinen aus Kunst und Kultur durchgeführt. Genannt werden 858 Programme mit 23.566 Teilnehmern sowie jährlich 111 Individualstipendien. Für 2019 nennt der Artikel 19.112 Teilnehmende an außerschulischen Jugendbegegnungen.

Sprache und interkulturelles Lernen

Die Förderung der Partnersprache hat im DFJW eine zentrale Rolle. Die Programme richten sich meist an junge Menschen zwischen 3 und 30 Jahren sowie an Verantwortliche von Jugendbegegnungen. Das DFJW vergibt Stipendien für Intensivsprachkurse an junge Berufstätige, Studierende und Leiter deutsch-französischer Jugendbegegnungen. Es unterstützt außerdem außerschulische Sprachkurse, Kindersprachkurse und binationale Sprachkurse, in denen deutsche und französische Jugendliche gemeinsam lernen.

Wichtige Methoden sind die Tandem-Methode, Sprachanimation und Tele-Tandem. Bei der Tandem-Methode unterstützen sich zwei Lernende gegenseitig beim Erlernen der jeweils anderen Sprache. Sprachanimation bezeichnet spielerische und aktivierende Methoden, die Kommunikation in Begegnungen erleichtern sollen. Tele-Tandem nutzt digitale Kommunikation für gemeinsames Lernen. Das DFJW bildet auch Gruppendolmetscher aus, die in Jugendbegegnungen eingesetzt werden; jedes Jahr nehmen mehr als 200 Personen an diesen Fortbildungen teil. Zusätzlich veröffentlicht es zwei- oder dreisprachige Glossare zu Themen wie Fußball, Integration und Chancengleichheit, Küche, Kindergarten und Grundschule.

Zur Qualitätssicherung bietet das DFJW mit Partnern Aus- und Fortbildungen im Bereich Austauschpädagogik und Sprache an. Dazu gehören Grundausbildungen, BAFA-JuLeiCa-Ausbildungen sowie thematische Fort- und Weiterbildungen. Außerdem beteiligt sich das DFJW an der Evaluation Internationaler Jugendbegegnungen; dafür stellt der Forschungsverbund Freizeitenevaluation das Online-Tool „i-EVAL“ bereit. 2019 wurden fast 1.500 Teamer in 91 Fortbildungen ausgebildet; zugleich nennt der Artikel momentan 734 ausgebildete Teamer.

Zahlen und internationale Programme

Seit 1963 hat das DFJW über 10 Millionen jungen Deutschen und Franzosen die Teilnahme an 400.000 Austauschprogrammen ermöglicht. Jährlich fördert es durchschnittlich etwa 8400 Begegnungen, davon rund 5200 Gruppenaustauschprogramme und 3200 Individualaustauschprogramme. 2021 nahmen etwa 69.000 Jugendliche teil. Bis 2025 zählt das DFJW insgesamt 10 Millionen Begegnungen unter jungen Menschen; mit 53 % bilden die 13- bis 17-Jährigen die Mehrheit. Die meisten Begegnungen finden im schulischen Bereich statt, mit etwa 83.000 Austauschpersonen.

Finanziell erhielt die Organisation 2013 eine Erhöhung der Haushaltsmittel um 10 Prozent. Für 2019 beschlossen Deutschland und Frankreich eine zusätzliche Aufstockung um 4 Millionen Euro. Der Haushalt wird im Artikel mit 30,3 Millionen Euro angegeben und setzt sich aus gleichen Beiträgen der deutschen und französischen Regierung zusammen. In der Übersicht wird für 2023 ein Umsatz von 38,5 Millionen Euro genannt. Zusätzlich erhält das DFJW Mittel aus Sonderfonds der beiden Außenministerien, besonders für Austausch mit mittel- und osteuropäischen Ländern, südosteuropäischen Ländern und Maghrebstaaten.

Seit 1976 darf das DFJW 5 Prozent seiner Programme trilateral mit Jugendlichen aus Ländern der Europäischen Gemeinschaft durchführen, seit 1990 auch mit allen anderen Ländern. Seit 2004 dürfen bis zu 15 Prozent des Budgets für trinationale Begegnungen verwendet werden. Schwerpunktregionen sind Mittel- und Osteuropa, Südosteuropa und der Mittelmeerraum. Außerdem gibt es einzelne Programme mit Ländern wie Kanada, Südkorea, Mali, Mexiko, Japan, Senegal oder den USA. 2019 fanden 399 trinationale Programme in 45 Ländern mit Unterstützung des DFJW statt.

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