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Detlev Dormeyer
Detlev Dormeyer (* 5. Dezember 1942 in Leoben) ist römisch-katholischer Theologe, Bibelwissenschaftler und emeritierter Professor für Neues Testament.
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Person und Forschungsschwerpunkt
Detlev Dormeyer, geboren am 5. Dezember 1942 in Leoben, ist römisch-katholischer Theologe, Bibelwissenschaftler und emeritierter Professor für Neues Testament. Das Neue Testament ist der Teil der christlichen Bibel, der vor allem von Jesus Christus, den frühen christlichen Gemeinden und ihren Schriften handelt.
Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Beziehung zwischen antiker Literatur und neutestamentlicher Literatur. Dafür nutzt er besonders eine pragmalinguistische, also handlungsorientierte, Hermeneutik. Hermeneutik bedeutet die Methode des Verstehens und Auslegens von Texten. Dormeyer untersucht vor allem neutestamentliche Gattungen, also Textformen wie Evangelien, und fragt, wie sie mit Formen der antiken Literatur zusammenhängen.
Besonders wichtig ist für ihn die Beziehung der Evangelien zur antiken Biographie. Außerdem beschäftigt er sich mit der biographischen Rezeption von Religion in Antike und Gegenwart, also damit, wie religiöse Erfahrungen und Vorstellungen in Lebensdarstellungen aufgenommen werden. Für den Religionsunterricht war er außerdem an der Entwicklung und wissenschaftlichen Fundierung der interaktionalen Bibelauslegung beteiligt. Diese Methode versteht Bibelauslegung als einen Prozess, bei dem Leserinnen und Leser aktiv mit dem Text in Beziehung treten.
Ausbildung und akademische Laufbahn
Dormeyer studierte von 1962 bis 1969 katholische Theologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt und an der Universität Münster. Zusätzlich studierte er von 1965 bis 1969 Germanistik an der Universität Münster.
1968 wurde er bei Joachim Gnilka in Münster zum Lic.theol. promoviert. Das Thema lautete: „Mk 13 – Lk 21,5 -36 – Eine exegetische Untersuchung“. Exegese bedeutet die wissenschaftliche Auslegung biblischer Texte. 1969 legte Dormeyer das Staatsexamen für das höhere Lehrfach in katholischer Religion und Deutsch ab. 1972 wurde er ebenfalls in Münster bei Joachim Gnilka zum Dr. theol. promoviert, mit dem Thema „Die Traditions- und Redaktionsgeschichte der Markuspassion“.
1972 wurde Dormeyer Akademischer Rat für „Bibelwissenschaft und Didaktik“. 1973 habilitierte er sich an der PH Westfalen-Lippe, Abteilung Münster, in „Katholische Theologie und ihre Didaktik (Schwerpunkt Bibelwissenschaft)“. Seine Habilitationsschrift hieß „Religiöse Erfahrung und Bibel“ und erschien 1975. 1977 wurde er in Münster zum außerplanmäßigen Professor ernannt.
Zwischen 1973 und 1981 hatte er Lehraufträge an der PH Kiel, der Universität Münster, der PH Westfalen-Lippe, Abteilung Bielefeld, und der Universität Dortmund. 1980 wurde er Professor am „Institut für Lehrerausbildung“ der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Münster für „Bibelwissenschaft und Didaktik“. 1997 folgte er einem Ruf an die Universität Dortmund, heute Technische Universität Dortmund, als Lehrstuhlinhaber für „Neues Testament“ an der Fakultät Humanwissenschaften und Theologie.
Internationale Tätigkeit und Emeritierung
Zwischen 1988 und 1998 nahm Dormeyer Gastprofessuren im Ausland wahr. Dazu gehörten die Universiteit van Stellenbosch in Südafrika, das St. Joseph’s Theological Institute Cedara in Hilton, Südafrika, und das Department of Religion der Furman University in Greenville, South Carolina, USA.
Von 1974 bis 1990 war er außerdem in der Lehrerfortbildung tätig, und zwar im Rahmen des Instituts für Lehrerfortbildung Essen-Werden. Das passt zu seinem Schwerpunkt auf Bibelwissenschaft und Didaktik, also der Verbindung von Fachwissenschaft und Unterricht.
Von 2006 bis 2008 war Detlev Dormeyer Dekan der Fakultät Humanwissenschaften und Theologie der Technischen Universität Dortmund. Seit 2008 ist er emeritiert. Als Schüler werden im Artikel Dirk Wördemann, Mathis-Christian Holzbach und Christa Georg-Zöller genannt.
Ehrung und persönliche Angaben
Detlev Dormeyer erhielt 2003 zusammen mit James Charlesworth vom Princeton Theological Seminary die Comenius-Medaille der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Karlsuniversität Prag.
Der Artikel nennt außerdem einige persönliche Angaben: Dormeyer wohnt seit über 30 Jahren in Bösensell. Seit 1962 ist er Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Wildenstein Freiburg im Breisgau. Er wurde auch Mitglied der KDStV Sauerlandia Münster.
Ausgewählte Schriften
Dormeyers Veröffentlichungen zeigen seine wichtigsten Arbeitsfelder: die Markuspassion, die Evangelien als literarische und theologische Gattung, das Neue Testament im Zusammenhang antiker Literatur und die Bibelauslegung im Religionsunterricht.
Zu den frühen Schriften gehören „Die Passion Jesu als Verhaltensmodell. Literarische und theologische Analyse der Traditions- und Redaktionsgeschichte der Markuspassion“ von 1974, „Religiöse Erfahrung und Bibel. Problematik und die Möglichkeiten des Einsatzes der Bibel in den Religionsunterricht“ von 1975 und „Die Bibel antwortet. Einführung in die interaktionale Bibelauslegung“ von 1978.
Weitere wichtige Titel sind „Evangelium als literarische und theologische Gattung“ von 1989, „Das Neue Testament im Rahmen der antiken Literaturgeschichte. Eine Einführung“ von 1993, die englische Übersetzung „The New Testament among the Writings of Antiquity“ von 1998 sowie „Das Markusevangelium als Idealbiographie von Jesus Christus, dem Nazarener“, erschienen 1999 und in zweiter Auflage 2002. Spätere Arbeiten sind unter anderem „Die Apostelgeschichte. Ein Kommentar für die Praxis“ von 2003, „Das Markusevangelium“ von 2005 und „Einführung in die Theologie des Neuen Testaments“ von 2010.