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Der Triumph der Empfindsamkeit
Der Triumph der Empfindsamkeit ist „eine dramatische Grille“ in sechs Akten von Johann Wolfgang Goethe. Die erste Fassung entstand im Dezember 1777.
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Werk und Bedeutung
Der Triumph der Empfindsamkeit ist eine „dramatische Grille“ in sechs Akten von Johann Wolfgang Goethe. Die erste Fassung entstand im Dezember 1777. Das deutschsprachige Stück wurde am 30. Januar 1778 im Weimarer Hoftheater uraufgeführt; die Musik stammte von Carl Friedrich Siegmund von Seckendorff. Goethe spielte König Andrason, Corona Schröter dessen Gemahlin Mandandane. Eine zweite Fassung erschien 1787 im Druck.
Das Stück verspottet eine übersteigerte Empfindsamkeit: Prinz Oronaro zieht künstliche Abbilder der Natur und eine ausgestopfte Puppe der wirklichen Natur und einem lebenden Menschen vor.
Handlung
König Andrason befragt ein Orakel. Es kündigt an, Ruhe und Glück würden in sein Haus einkehren, wenn ein „greiflich Gespenst“ von schönen Händen entgeistert werde, ein leinener Sack seine „Geweide“ hergebe und die „geflickte Braut“ mit dem Verliebten vereint werde.
Prinz Oronaro führt auf seinen Reisen künstlich nachgebildete Natur mit sich. In Kästen befinden sich unter anderem eine sprudelnde Quelle, Vogelgesang und Mondschein; nur kühle Lüfte fehlen noch. Zu seinem Gepäck gehört außerdem eine geheimnisvolle Laube. Darin sitzt eine lebensgroße ausgestopfte Puppe, die sogenannte geflickte Braut, in die der Prinz verliebt ist. Neben Häckerling enthält sie drei als „Empfindsamkeiten“ bezeichnete Zauberbücher: Siegwart, eine Klostergeschichte in drei Bänden, Julie oder Die neue Heloise und Die Leiden des jungen Werthers.
Königin Mandandane erkennt, dass die Puppe ihr genaues Abbild ist. Sie weiß, dass der Prinz sie liebt. Ihr Gemahl Andrason ist über die Angelegenheit verärgert und überredet Mandandane zu einer Probe: Hinter dem Rücken des Prinzen soll sie in der Laube den Platz der Puppe einnehmen.
Als der Prinz die Laube öffnet, weist er die lebendige Mandandane zurück, weil er weiterhin seine Puppe liebt. Andrason vollendet daraufhin die Prophezeiung des Orakels: Er gibt dem Prinzen die Puppe zurück und erhält dafür seine Königin wieder. So kommen Ruhe und Glück über alle Beteiligten.
Dramatische Gestaltung
In den vierten Akt ist das Monodrama Mandandane als Proserpina eingeschoben. Ein Monodrama ist eine längere dramatische Szene, die von einer einzelnen Figur getragen wird; hier besteht sie aus Mandandanes langer Klage. Die Götter und das Orakel als ihr Sprachrohr haben zwar nur Nebenrollen, bleiben für die Handlung aber präsent.
Goethe verwendet auch Reime. Mandandane bittet Andrason darin um Verzeihung und darum, ihren Bund zu erneuern. Der Prinz richtet ähnlich gebaute Verse an die Puppe und behauptet, an ihrer Hand alles zu fühlen, was die Götter zur Freude der Menschen und zur Erneuerung des Lebens gesandt hätten. Die parallelen Äußerungen stellen die Versöhnung des Königspaars und die künstliche Liebe des Prinzen gegenüber.
Goethes Einschätzung und spätere Deutung
In einem Brief vom 16. Juni 1786 aus Ilmenau an Charlotte von Stein schrieb Goethe, das Stück sei bis auf den ersten Akt fertig, habe eine Gestalt gewonnen und werde seiner Hoffnung nach einen „besondern Effeckt“ erzielen.
Nach Gero von Wilpert ist das Stück eine „übermütige Satire“ auf die von Goethe selbst ausgelöste „Wertherkrankheit“. Als mögliches Vorbild des Prinzen nennt er Lenz. Wilpert deutet das Werk außerdem als Abkehr vom Gefühlskult des Sturm und Drang und als Hinwendung zur klassischen Epoche. Karl Otto Conrady betont Goethes Selbstironie sowie den Spott über ein übermäßiges Schwärmen für die Natur.