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Decauville

Die Maschinen- und Lokomotivfabrik Decauville [dəkovil] war ein französischer Industriebetrieb in Corbeil, der durch seine Feldbahnsysteme bekannt wurde.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Unternehmen und Bedeutung
  2. 2. Entstehung der tragbaren Feldbahn
  3. 3. Aufbau und Funktionsweise des Gleissystems
  4. 4. Wachstum und weitere Fahrzeugproduktion
  5. 5. Weltweite Einsatzgebiete und typische Beispiele
  6. 6. Niedergang und heutige Ausrichtung

Unternehmen und Bedeutung

Decauville war eine französische Maschinen- und Lokomotivfabrik in Corbeil, die vor allem durch ein leichtes, transportables Feldbahnsystem bekannt wurde. Dessen vorgefertigte Gleisjoche ließen sich rasch auf Erde oder Wegen verlegen, wieder aufnehmen und an einem anderen Ort verwenden. Dadurch eignete sich das System besonders für Landwirtschaft, Bauwesen, Bergbau, Forstwirtschaft, Industrie, Militär und archäologische Ausgrabungen. Der Name „Decauville“ wurde vielerorts allgemein mit solchen tragbaren Schmalspurbahnen verbunden.

Das Unternehmen stellte neben Gleisen auch Weichen, Drehscheiben, Wagen und Lokomotiven her. Später kamen regelspurige Eisenbahnfahrzeuge, U-Bahn-Wagen, Straßenbahnfahrzeuge, Automobile, Fahrräder und weitere technische Produkte hinzu. Die weltweite Verbreitung zeigt die Bedeutung des Systems: Die angegebene Zahl installierter Bahnen stieg von insgesamt 262 im Jahr 1878 auf 5100 im Jahr 1953; davon lagen 3939 in Frankreich.

Entstehung der tragbaren Feldbahn

Die Anfänge gehen auf Armand-Louis-Victor Decauville (1821–1871) zurück, der um 1850 bei Petit Bourg südlich von Paris Zuckerrüben anbaute. Sein Sohn Paul-Armand Decauville (1846–1922) übernahm 1871 den mehrere hundert Hektar großen Betrieb.

Im Herbst 1875 bedrohten starke Regenfälle und früher Frost eine außergewöhnlich große Zuckerrübenernte. Herkömmliche Transportkarren blieben im aufgeweichten Boden stecken. Paul Decauville ließ deshalb zwei parallele Eisenschienen auf Flacheisen zu transportablen Fahrweg-Elementen verbinden. Auf der zunächst 400 mm breiten Schmalspurbahn konnten Wagen über den nassen Boden gezogen werden.

Die Patentschrift beschrieb bereits ein vollständiges Transportsystem: vier Arten von Weichen einschließlich Dreiwegweichen, 80 kg schwere Drehscheiben, transportable Bahnübergänge mit Eichenbohlen, Plattform- und Kippwagen sowie eiserne Zugstangen für Pferde und gekuppelte Wagen. Auf dem eigenen Landgut in Petit Bourg entstand eine 5 km lange Vorführbahn. Teilbare Güter wurden dabei in Portionen von 200 bis 500 kg auf kleine zweiachsige Loren verteilt. Das Verfahren bewährte sich bei Zuckerrüben, Erde, Holz, Torf, Kohle und anderen Massengütern.

Aufbau und Funktionsweise des Gleissystems

1877 begann die industrielle Fertigung der „tragbaren Eisenbahn“. Ein Gleisjoch ist ein vorgefertigter Gleisabschnitt, bei dem Stahlschienen und Stahlschwellen mit Nieten fest verbunden sind. Die Spurweite – der Abstand zwischen den Schienen – stieg von anfangs 400 mm später meist auf 500 oder 600 mm. Passende Wagen und Lokomotiven ergänzten das System.

Die Schwellen ragten meist nicht über die Schienenfüße hinaus. Eine längliche Rippe erhöhte ihre Steifigkeit. Dadurch blieben die Gleisjoche leicht und benötigten beim Transport wenig Platz. An den Stößen verbanden zwei seitliche Laschen und eine untergelegte Stahlplatte die Schienen; Stifte wurden durch die entsprechenden Löcher gesteckt.

Meist lag das Gleis ohne Schotter unmittelbar auf Feldwegen oder dem Erdboden. Auf besonders weichem Untergrund und an der Außenseite von Kurven verteilten angeschraubte, halbschalenförmige Füße die Last. Je nach notwendiger Tragfähigkeit wog ein Meter einer einzelnen Schiene 4,5 kg, 7 kg, 9,5 kg oder 12 kg. Ein 5 m langes Gleisjoch mit 500 mm Spurweite und Schienen von 4,5 kg/m wog nur 50 kg und konnte deshalb von einem Mann getragen und verlegt werden.

Diese Bauweise erlaubte sogenannte fliegende Gleise: Beim Fortschreiten einer Baustelle oder eines Transports konnten Arbeiter die hinteren Gleisstücke aufnehmen und vorne erneut auslegen. Beim Transport der Funde aus dem Grab Tutanchamuns wurden die Gleise auf diese Weise über 10 km umgesetzt; der Transport dauerte 1922 insgesamt 15 Stunden.

Wachstum und weitere Fahrzeugproduktion

1880 meldete Decauville 3000 Bestellungen und plante in Corbeil eine Fabrik mit 80.000 m² Fläche. Besonders bekannt wurde die Bahn der Pariser Weltausstellung 1889, die 6 Millionen Menschen beförderte. Für die Weltausstellung 1900 entstand eine elektrische Ausstellungsbahn parallel zur 3,5 km langen „Straße der Zukunft“, einem hölzernen Fahrsteig.

1911 bestand die Société Nouvelle des Établissements Decauville Aîné mit einem Kapital von 5 Millionen Francs. Ein auf 20 Jahre angelegtes Abkommen mit Orenstein & Koppel – Arthur Koppel sollte die Absatzgebiete aufteilen. Während des Ersten Weltkriegs nutzte die Entente 600-mm-Bahnen des Systems als militärische Trench Railways. Um 1923 besaß Decauville Werke in Corbeil-Essonnes, Marquette-lez-Lille, Aulnay-sous-Bois und Moulins; zeitweise bestanden auch Werke in Italien und Belgien.

Die Firma baute zudem Fahrzeuge für die Normalspur von 1435 mm. 1896 entstand der erste normalspurige Dampftriebwagen. Zu den späteren Erzeugnissen gehörten Diesel- und dieselelektrische Triebwagen sowie Kleinlokomotiven. Die neun 1936/1937 für die PLM gebauten Fahrzeuge liefen später bei der SNCF als Baureihe X 52000, waren 24,00 m lang, erreichten 110 km/h und blieben nach Umbauten bis 1973 im Einsatz. Zwischen 1950 und 1954 entstanden die Triebwagen X 2401 bis X 2479. Für die SNCF baute Decauville außerdem 59 Lokomotiven der Baureihe Y 6200, 50 der Y 6400, 80 der Y 7100 und 120 der Y 7400.

Für die Pariser Nord-Sud-Métro lieferte Decauville Sprague-Thomson-Fahrzeuge: 53 Beiwagen im Jahr 1910, weitere 47 im Jahr 1912, zehn 1919 bestellte und 1922 als M 91 bis M 100 ausgelieferte Triebwagen sowie 24 Beiwagen zwischen 1921 und 1925.

Paul Decauville gründete 1897 die Société des Voitures Automobiles Decauville; sie produzierte von 1898 bis 1910/1911 Automobile. Fahrräder gehörten von 1891 bis 1911 zum Sortiment. Ein 1906 gezeigter benzinbetriebener Straßenbahnwagen hatte einen Vierzylindermotor mit 18 PS, drei Geschwindigkeitsstufen für 6, 18 und 30 km/h sowie 24 Sitz- und 10 Stehplätze. 1907 erfand Paul Decauville außerdem die „Cuirasse Decauville“, eine Uferbefestigung aus vor Ort gepressten Lochziegeln, die auf Drahtseile aufgefädelt wurden.

Weltweite Einsatzgebiete und typische Beispiele

Decauville-Bahnen wurden weltweit eingesetzt, weil ihre Strecken schnell aufgebaut und dem Arbeitsfortschritt angepasst werden konnten. Sie transportierten landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Zuckerrüben, Kaffee, Kakao, Bananen und Orangen, außerdem Holz, Torf, Kohle, Erze, Salz, Guano, Baumaterial, Abraum und Industriegüter. Als Antrieb dienten Menschen, Pferde oder Maultiere, Schwerkraft, Seilwinden sowie Dampf-, Benzin-, Diesel- und Elektrolokomotiven.

Beim französischen Versuch zum Bau des Panamakanals von 1881 bis 1889 lieferte Decauville mehr als 4000 Kipploren. Zum Jahreswechsel 1895/1896 waren dort 14 Schmalspurlokomotiven, 7449 Decauville-Kippwagen und 110 km Decauville-Bahn vorhanden. 1905 wurden mehr als 2000 französische Loren repariert und wieder eingesetzt. Das Beispiel zeigt, wie das System große Erdbewegungen unterstützte.

In Industrie und Bergbau dienten die Bahnen unter anderem dem Kohleabbau in Tonkin, dem Zinktransport in Vietnam, dem Bauxit- und Phosphatabbau, Steinbrüchen, Sägewerken und Werften. Auf Plantagen verbanden sie Felder, Verarbeitungsgebäude, Lager und Schiffsanleger. Eine etwa 40 km lange Strecke führte vom mexikanischen Puerto Morelos nach Leona Vicario und transportierte Chicle für die Kaugummiherstellung. Zweiachsige Holzloren mit 1 t Ladegewicht wurden von Pferden oder Maultieren gezogen; die Zugtiere wechselten alle 10 km.

Auch bei wissenschaftlichen Ausgrabungen waren die Bahnen wichtig. Sie beförderten Abraum in Deir el-Bahari, Gizeh, Deir el-Medina, Herculaneum, Ugarit, Susa, Teotihuacán und Lachisch. Bei der Trinil-Expedition auf Java 1907/1908 ersetzten sie den mühsamen Abtransport in kleinen Tragkörben. Ihr Einsatz war jedoch nicht automatisch wissenschaftlich vorbildlich: In Karthago ließ Alfred Louis Delattre zwischen 1899 und 1901 mehr als 1300 Gräber mit einer auf raschen Abtransport ausgerichteten Methode untersuchen. Da der Sand erst nach dem Auskippen durchsucht wurde, ging die Abfolge der Bodenschichten verloren; spätere Archäologen kritisierten diesen erheblichen Datenverlust.

Militärisch wurden Feldbahnen zum Nachschub, Munitions- und Verwundetentransport sowie beim Festungs- und Bunkerbau verwendet. Im Ersten Weltkrieg verband ein umfangreiches Schmalspurnetz Stellungen und Depots im Festungsgürtel um Paris. In der Schlacht bei Amiens am 8. August 1918 wurden 600-mm-Gleise auf Normalspurschwellen verlegt, damit sie später leichter auf Normalspur umgebaut werden konnten. Weitere Anwendungen reichten von Wasserballast- und Standseilbahnen über Hafenmolen und Kühlhäuser bis zur Versetzung des gesamten Postamts von Papeete im Jahr 1902.

Niedergang und heutige Ausrichtung

Am 30. November 1936 wurden 1200 streikende Arbeiter des Decauville-Werks für Eisenbahnmaterial in Lille entlassen. 1956 wurde die Whittaker-Gruppe Mehrheitsaktionärin der Decauville S.A. Danach gab das Unternehmen das Eisenbahngeschäft schrittweise zugunsten von Ausrüstung für Lastkraftwagen und Schiffe auf. Die Beschäftigtenzahl sank von rund 1000 im Jahr 1957 auf 689 im Jahr 1960 und 560 im Jahr 1962.

Nach einer Neuverteilung der Anteile entstand 1985 die Société Industrielle Decauville. Nur das ursprüngliche Werk in Corbeil blieb bestehen und stellte in den frühen 2000er Jahren vorübergehend den Betrieb ein. Seit 2014 gehörte Decauville SAS als Tochter von Marrel zur CTELM-Gruppe; diese gehört seit 2018 dem Ladekranhersteller Fassi. Decauville montierte unter seiner Marke LKW-Ladekräne, Abrollkipper und Absetzkipper. Das frühere Produktsortiment wird inzwischen unter Marrel hergestellt. Decauville SAS ist nur noch Fassi-Händler und Teil der Fassi-Gruppe. Im Januar 2026 änderte das Unternehmen seinen Markennamen und sein Logo von Decauville zu Fassi Paris Sud.

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