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Dastar
1 Gebrauch im Sikhismus. 1.1 Männer; 1.2 Frauen und Kinder. 2 Material, Form und Farbe; 3 Debatten; 4 Weblinks; 5 Einzelnachweise. Gebrauch im Sikhismus.
Inhalt5 Abschnitte
Bedeutung und religiöse Regeln
Der Dastar ist der Turban der Sikhs. Er ist besonders für getaufte, praktizierende Sikhs, die Amritdharis, ein wichtiges religiöses Kleidungsstück. Der Sikh Reht Maryada, der Verhaltenskodex des Sikhismus, schreibt einem Sikh-Mann das Tragen eines Kachera – eines religiösen Kleidungsstücks – und eines Turbans vor. Eine Sikh-Frau darf einen Turban tragen, ist dazu aber nicht verpflichtet.
Tragen durch Männer
Vor allem männliche Amritdharis tragen den Dastar und binden ihn jeden Morgen neu. Er bedeckt das aus spirituellen Gründen ungeschnittene Haar. Außerdem bedeckt er das Dasam Duar, das „Zehnte Tor“, das Sikhs als spirituelles Energiezentrum an der Oberseite des Kopfes betrachten.
Nach dem Selbstverständnis der Sikhs drücken das ungeschnittene Haar und seine Bedeckung Weltzugewandtheit, Nobilität und Respekt vor der Schöpfung aus. Der Dastar erinnert zudem an die zehn Sikh-Gurus, die alle Turban trugen. Besonders wichtig ist Gobind Singh, der zur Verbreitung des Turbans im Sikhismus beitrug.
Frauen und Kinder
Sikh-Frauen können einen Dastar tragen. Als Alternative verwenden sie teilweise ein leichtes Tuch, das Chunni oder Dupatta genannt wird. In Großbritannien gibt es weibliche Ragi Jatha, also religiöse Musikgruppen, in denen alle Frauen und Mädchen einen Dastar tragen.
Jungen tragen zunächst den Patka, eine einfache Form des Turbans. Zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr wird ihnen bei der Dastar-bandi-Feier erstmals ein Turban im Stil der Männerturbane gebunden. Diese Feier kann zu Hause oder in einem Gurdwara, einem Gebets- und Versammlungsort der Sikhs, stattfinden.
Aufbau, Formen und Farben
Ein Dastar besteht aus einem oder mehreren Tüchern aus Baumwolle, Seide oder Synthetikfasern. Je nach Wicklungsart sind die Tücher zwischen 150 Zentimetern und mehreren Metern lang. Zu den beliebten Formen gehören Dumalla und Pagri. Unter dem Dastar wird häufig ein kappenförmiges Textil, die Pugree, getragen, das den Haarknoten festhält. Die Enden der Tücher sollen nicht heraushängen, sondern sorgfältig zwischen die einzelnen Turbanlagen gesteckt werden.
Die Farbe kann frei gewählt werden. Ob bestimmte Farben eine feste Bedeutung besitzen, ist umstritten. Orange, auch kesri genannt, ist eine typische Farbe der Sikhs und symbolisiert Opfer. Viele Kirtan-Sänger tragen einen weißen oder schwarzen Dastar. Weiß gilt als Farbe der Weisheit und Reinheit. Blau ist die Farbe der Khalsa und der Nihangs, einer Kriegerkaste innerhalb des Sikhismus.
Rechtliche und gesellschaftliche Konflikte
In säkularen Ländern wurde der Dastar wiederholt als religiöses Symbol eingeordnet und verboten. Auch im Kopftuchstreit wird er häufig zum Vergleich herangezogen. Debatten betreffen vor allem Sicherheitsvorschriften, amtliche Dokumente und religiöse Kleidung im öffentlichen Dienst.
In Großbritannien wurde 1976 der Motor-Cycle Crash Helmets (Religious Exemption) Act beschlossen. Danach muss ein Sikh wegen seines Turbans beim Motorradfahren keinen Helm tragen. In Norwegen wurde darüber gestritten, ob Sikhs den Dastar auf Passfotos tragen dürfen. In mehreren Ländern, darunter Deutschland, Norwegen, Schweden und die USA, war außerdem umstritten, ob der Turban im öffentlichen Dienst getragen werden darf, beispielsweise bei der Polizei, im Militär oder im Schuldienst.