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Claus Weselsky

Claus Weselsky (* 18. Februar 1959 in Dresden) ist ein deutscher Lokführer und Gewerkschaftsfunktionär. Er war von 2008 bis 2024 Bundesvorsitzender der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Wer Claus Weselsky ist
  2. 2. Herkunft und Berufsausbildung
  3. 3. Aufstieg in der GDL
  4. 4. Führungsämter und Tarifkonflikte
  5. 5. Kritik und öffentliche Kontroversen
  6. 6. Privates und Medienauftritte

Wer Claus Weselsky ist

Claus Weselsky, geboren am 18. Februar 1959 in Dresden, ist ein deutscher Lokführer und Gewerkschaftsfunktionär. Bekannt wurde er vor allem als Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), die er von 2008 bis 2024 führte. Die GDL vertritt Interessen von Lokführerinnen und Lokführern und anderen Beschäftigten im Bahnverkehr, besonders in Tarifverhandlungen über Löhne und Arbeitsbedingungen.

Weselsky wurde einer breiten Öffentlichkeit während der Tarifkonflikte mit der Deutschen Bahn bekannt, besonders 2007/2008 und bei den Streiks ab 2014. Seine Rolle war wichtig, weil die GDL unter seiner Führung wiederholt harte Arbeitskämpfe führte und damit große Auswirkungen auf den Bahnverkehr in Deutschland hatte.

Herkunft und Berufsausbildung

Weselsky wurde als Sohn einer Arbeiter- und späteren Neubauernfamilie geboren und wuchs in der DDR im Bezirk Dresden auf. Er hat zwei ältere Geschwister. Nach seiner Geburt zog die Familie im Rahmen der Kampagne „Industriearbeiter aufs Land“ nach Kreischa bei Dresden und übernahm dort einen Vierseithof. Weselsky besuchte die Polytechnische Oberschule und arbeitete nebenher in der Landwirtschaft.

Er lernte zunächst den Beruf des Dieselmotorenschlossers. Nach dem ersten Lehrjahr wurde er für die Spezialisierung zum Lokführer ausgewählt. Von 1975 bis 1977 absolvierte er bei der Deutschen Reichsbahn in Dresden eine Ausbildung zum Schienenfahrzeugschlosser. 1977 folgte die Ausbildung zum Lokführer für Diesel- und E-Lokomotiven.

Danach arbeitete er bei der Deutschen Reichsbahn als Lokführer: zuerst auf Rangierloks, ab 1982 auf Güterzügen und später auch auf Personen- und Schnellzügen. Bis 1990 lebte er in Kreischa.

Aufstieg in der GDL

Im Mai 1990 trat Weselsky in die Anfang 1990 wiedergegründete Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer ein. Nach der Wende war er ab 1990 bei der Deutschen Reichsbahn als Koordinator sowie als Personalrats- und Betriebsratsmitglied tätig. Als die GDL einen Ost-Verband gegründet hatte, leitete er ab 1990 die Ortsgruppe in Pirna.

1992 fuhr Weselsky seinen letzten Zug. Danach arbeitete er als Gewerkschaftsfunktionär. Zunächst war er Betriebsrat im Regionalverkehr in Dresden. Nach 1992 wurde er stellvertretender Bezirksvorsitzender des Bezirks Dresden, ab 1999 stellvertretender Bezirksvorsitzender im fusionierten Bezirk Berlin-Sachsen-Brandenburg. Von 2002 bis 2006 arbeitete er in der Tarifabteilung der GDL.

Seit der Fusion der Deutschen Reichsbahn mit der Deutschen Bundesbahn 1994 gehört Weselsky zur Deutschen Bahn AG. Seit 2002 ist er für seine gewerkschaftliche Tätigkeit freigestellt und wechselte in die GDL-Zentrale nach Frankfurt am Main.

Führungsämter und Tarifkonflikte

Von Mai 2006 bis Mai 2008 war Weselsky stellvertretender Bundesvorsitzender der GDL. Am 6. Mai 2008 wurde er Bundesvorsitzender und damit Nachfolger von Manfred Schell. Bereits im Tarifkonflikt 2007 war er als Tarifexperte in erster Reihe an den Verhandlungen mit der Deutschen Bahn beteiligt. Im selben Jahr bot ihm die Deutsche Bahn den Posten des Personalvorstandes an, den er ablehnte.

2010 wurde Weselsky zum Vizepräsidenten der Autonomen Lokomotivführer-Gewerkschaften Europas gewählt. 2012 wurde er mit 90 Prozent der Stimmen als GDL-Vorsitzender wiedergewählt. Seit 2012 ist er außerdem stellvertretender Bundesvorsitzender des gewerkschaftlichen Dachverbandes DBB Beamtenbund und Tarifunion.

Bis zum 17. Juni 2015 saß Weselsky als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der DB Regio AG; diese Funktion hatte er seit Juli 2006 inne. Nach 16 Jahren als GDL-Vorsitzender kandidierte er bei der Generalversammlung am 3. September 2024 nicht erneut und ging in den Ruhestand. Mario Reiß wurde sein Nachfolger, Weselsky wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Zum 1. Februar 2025 wurde Weselsky ein Vorstand der Fair Train.

Kritik und öffentliche Kontroversen

Weselskys Führungsstil war innerhalb der GDL umstritten. 2013 eskalierte ein Konflikt im GDL-Vorstand, der mit der Amtsenthebung zweier Stellvertreter durch den Hauptvorstand endete. Sein Vorgänger Manfred Schell warf ihm einen autoritären Führungsstil vor und legte aus Protest den Ehrenvorsitz der GDL nieder. Eine von Schell mitgegründete Initiative für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der GDL kritisierte Weselsky ebenfalls scharf. 2015 wurde Schell wegen Beitragsrückständen aus der GDL-Mitgliedsliste gestrichen; außerdem beschloss der geschäftsführende GDL-Vorstand den Ausschluss der früheren Funktionäre Volker Siewke und Dieter Kowalsky wegen des Vorwurfs gewerkschaftsschädigenden Verhaltens.

Im August 2014 geriet Weselsky wegen einer Aussage über die Gründung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft in öffentliche Kritik. Er sagte: „Wenn sich zwei Kranke miteinander ins Bett legen und ein Kind zeugen, da kommt von Beginn an was Behindertes raus.“ Die Aussage wurde als diskriminierend gegenüber kranken beziehungsweise behinderten Menschen kritisiert. Weselsky entschuldigte sich später und bezeichnete die Äußerung als größten Fehler des Tarifkonflikts.

Auch GDL-Streiks im Herbst 2014 führten zu starker Kritik in den Medien. Ihm wurden mangelnde Verhandlungsbereitschaft und das Ziel vorgeworfen, den Machtbereich der GDL zu erweitern, zulasten der Bahnkunden und der konkurrierenden EVG. Besonders kritisiert wurden Streiks von 50 beziehungsweise 61 Stunden sowie ein Streiktermin an einem besonders verkehrsreichen Wochenende mit Herbstferien in mehreren Bundesländern und den Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls. Zugleich kritisierten der Deutsche Journalisten-Verband und der Medienjournalist Stefan Niggemeier Teile der Berichterstattung über Weselsky als unsachlich beziehungsweise persönlich angreifend. Ende 2014 beantragte Weselsky nach einer anonymen Drohung Polizeischutz.

Privates und Medienauftritte

Weselsky ist seit Juli 2007 Mitglied der CDU. Er ist geschieden und Vater eines erwachsenen Sohnes.

2023 widmete Jan Böhmermann ihm in der Sendung ZDF Magazin Royale den Song „Claus Weselsky (ist immer noch da)“. Am 13. Januar 2025 begleitete Weselsky diesen Song als Dirigent beim Auftaktkonzert der Tour „Eisern Ehrenfeld“ von Jan Böhmermann und dem Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

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