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Briefe an einen jungen Dichter

Briefe an einen jungen Dichter ist eine Sammlung von Briefen Rainer Maria Rilkes, die 1929 im Insel Verlag als Nummer 406 der Insel-Bücherei erschien.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern des Werks
  2. 2. Entstehung und Veröffentlichung
  3. 3. Inhaltliche Ausrichtung
  4. 4. Die zehn Briefe
  5. 5. Überlieferung und moderne Ausgabe
  6. 6. Wichtige Ausgaben

Kern des Werks

Briefe an einen jungen Dichter ist eine Sammlung von Briefen Rainer Maria Rilkes. Sie erschien 1929 im Insel Verlag als Nummer 406 der Insel-Bücherei. Die Sammlung enthält Rilkes Antworten an Franz Xaver Kappus und wurde später zu Rilkes meistgelesenem Buch.

Für das Verständnis ist wichtig: Es handelt sich nicht um ein Lehrbuch über Dichtung, sondern um persönliche Ratschläge eines bekannten Dichters an einen jungen Menschen, der mit seinen ersten literarischen Versuchen unsicher war. Rilke verzichtet darauf, Kappus' Texte direkt zu kritisieren. Stattdessen spricht er über die innere Haltung zum Schreiben und über die Vielfalt der Lebensthemen, aus denen Dichtung entstehen kann.

Entstehung und Veröffentlichung

Der Briefwechsel zwischen Franz Xaver Kappus und Rainer Maria Rilke entstand in den Jahren 1903 bis 1908. Eine erste Auswahl von vier Briefen Rilkes wurde zu Ostern 1927 in einem Sonderheft der Zeitschrift Das Inselschiff unter dem Titel Dem Gedächtnis Rainer Maria Rilkes veröffentlicht. Es waren die Briefe vom 17. Februar 1903, 5. April 1903, 23. Dezember 1903 und 4. November 1904. Eine französische Ausgabe derselben Auswahl, übersetzt von Maurice Betz, erschien im November 1927 in der neu gegründeten Zeitschrift Revue d'Allemagne.

Drei Jahre nach Rilkes Tod, 1929, wandte sich Kappus an Rilkes Tochter Ruth und übersandte ihr die Briefe, darunter auch die bis dahin unveröffentlichten. Ruth Rilke gab sie gemeinsam mit Rilkes Witwe Clara Westhoff heraus; das Vorwort schrieb Kappus. Die Briefe an einen jungen Dichter wurden aus der Veröffentlichung der übrigen Briefe herausgelöst und vorangestellt. Die Herausgeberinnen wollten damit Rilkes moderne Haltung zur Orientierung im Leben stärker sichtbar machen, besonders in einer Zeit, in der Kommunismus und Nationalsozialismus an Boden gewannen. Die Texte grenzen sich sowohl von politischen Ideologien als auch von Religion ab und sollten besonders junge Menschen ansprechen.

Die Ausgabe von 1929 wurde klassisch und in viele Sprachen übersetzt.

Inhaltliche Ausrichtung

Die Sammlung umfasst insgesamt zehn Briefe. Sie sind als Antworten an Franz Xaver Kappus verfasst, der Rilke wegen seiner ersten literarischen Versuche um Hilfe gebeten hatte. Rilkes Briefe entstanden zwischen 1903 und 1908 an verschiedenen Orten Europas.

Rilke geht nicht den Weg einer gewöhnlichen Textkritik. Er bewertet Kappus' Arbeiten nicht im Einzelnen. Stattdessen gibt er persönliche Ratschläge. Er macht Kappus deutlich, dass das Leben eine große Bandbreite an Themen bereithält. Für Schülerinnen und Schüler ist daran zentral: Die Briefe behandeln Schreiben nicht nur als Technik, sondern als Ausdruck einer inneren Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben.

Die zehn Briefe

Die einzelnen Briefe sind nach Ort und Datum überliefert. Der erste Brief wurde in Paris am 17. Februar 1903 geschrieben. Der zweite entstand in Viareggio am 5. April 1903, der dritte ebenfalls in Viareggio am 23. April 1903. Der vierte Brief stammt aus Worpswede und ist auf den 16. Juli 1903 datiert.

Weitere Briefe schrieb Rilke in Rom: der fünfte am 29. Oktober 1903, der sechste am 23. Dezember 1903 und der siebte am 14. Mai 1904. Der achte Brief entstand am 12. August 1904 in Borgeby gård bei Flädie in Schweden. Der neunte wurde am 4. November 1904 in Furuborg bei Jonsered in Schweden geschrieben. Der zehnte und letzte Brief stammt wieder aus Paris und ist auf den 26. Dezember 1908 datiert.

Überlieferung und moderne Ausgabe

Die originalen Briefe Rilkes wurden von Kappus im Jahr 1953 bei einer Auktion versteigert. Die genauen Umstände dieses Geschäfts sind nicht mehr nachvollziehbar. Wahrscheinlich gelangten die Briefe über einen deutschen Verlag an einen amerikanischen Erwerber. Ihr Verbleib ist unbekannt.

Die Briefe von Kappus sind dagegen, bis auf den ersten, im Original erhalten und zugänglich. Sie befinden sich im Bestand des Rilke-Archivs Gernsbach. Im Jahr 2019 erschien im Wallstein Verlag die erste Ausgabe, die sowohl Kappus' Schreiben als auch Rilkes Antworten in zeitlicher Folge wiedergibt. Sie ermöglicht damit die Lektüre des vollständigen Schriftwechsels. Herausgegeben und kommentiert wurde diese Ausgabe von Erich Unglaub.

Wichtige Ausgaben

Die erste Buchausgabe erschien als Rainer Maria Rilke: Briefe an einen jungen Dichter in der Insel-Bücherei, Nr. 406, Insel, Leipzig 1929, mit einer Einleitung von Franz Xaver Kappus.

Weitere genannte Ausgaben sind Rainer Maria Rilke: Briefe an einen jungen Dichter, herausgegeben von Ulrich Baer, Insel-Taschenbuch Nr. 4682, Insel, Berlin 2019, ISBN 978-3-458-36382-8, sowie Rainer Maria Rilke: Briefe an einen jungen Dichter. Mit den Briefen von Franz Xaver Kappus, herausgegeben von Erich Unglaub, Wallstein-Verlag, Göttingen 2019, ISBN 978-3-8353-3425-0.

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