Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Biologiestudium
Das Biologiestudium ist eines der beliebtesten naturwissenschaftlichen Fächer an den Universitäten; an vielen Universitäten ist die Anzahl der Zulassungen …
Inhalt5 Abschnitte
Überblick und Voraussetzungen
Das Biologiestudium gehört zu den beliebtesten naturwissenschaftlichen Universitätsfächern. Es vermittelt Kenntnisse über Lebewesen und biologische Prozesse sowie über angrenzende Naturwissenschaften. Für die Aufnahme sind das Abitur oder ein vergleichbarer Schulabschluss erforderlich. An vielen Hochschulen ist die Zahl der Studienplätze durch einen Numerus clausus beschränkt.
Gute Vorkenntnisse in Biologie, Chemie, Physik und Mathematik erleichtern besonders die ersten Semester. Das Fach gilt zwar manchmal als „leichtestes“ naturwissenschaftliches Studienfach, enthält aber gerade am Anfang einen erheblichen Anteil an Chemie und Physik. Einführungsveranstaltungen werden an vielen Hochschulen gemeinsam für Studierende der Physik, Chemie und Biologie angeboten. Verpflichtende Kurse in Theoretischer Biologie haben zudem die mathematischen Anforderungen erhöht. Wer Biologie nicht bis zum Abitur hatte, kann das Studium dennoch beginnen, muss aber meist mehr Aufwand einplanen.
Zulassung und Inhalte des Studiums
In Deutschland vergeben die einzelnen Universitäten Studienplätze für Bachelor- und Masterstudiengänge in Biologie selbst. Für den Abschluss Lehramt werden Studienplätze nur in Nordrhein-Westfalen durch die Stiftung für Hochschulzulassung vergeben; sonst bewirbt man sich direkt an der Hochschule. Da Hochschulen eigene Auswahlkriterien festlegen dürfen, müssen Bewerber die Bedingungen am gewünschten Studienort genau prüfen. Auch für Lehramtsstudiengänge können hohe Numeri Clausi gelten.
Zum Studium gehören Vorlesungen, Seminare, Praktika und Exkursionen. Viele Studierende absolvieren in den Semesterferien zusätzlich Praktika außerhalb der Hochschule, um Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln. Je nach Hochschule können unter anderem Botanik, Zoologie, Zellbiologie, Genetik, Ökologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Biochemie, Immunologie, Neurobiologie, Physik, Chemie, Mathematik, Bioinformatik, Theoretische Biologie oder Verhaltensbiologie behandelt werden. Nicht jede Hochschule bietet alle Teilgebiete an.
Bis Mitte der 1960er-Jahre gab es meist einen einheitlichen biologischen Ausbildungsgang, der grundsätzlich mit der Doktorprüfung endete. In den frühen 1950er-Jahren wurde an der Universität Hamburg der Diplom-Studiengang Biologie eingeführt. Seit der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre prägten vor allem Diplomstudiengänge und das Lehramt an Gymnasien die Ausbildung. Heute werden Diplomstudiengänge weitgehend durch Bachelor-/Master-Studiengänge ersetzt; der Bachelor soll dabei der erste berufsqualifizierende Abschluss sein.
Diplom sowie Bachelor und Master
Der Studiengang Biologie/Diplom besteht gewöhnlich aus einem viersemestrigen Grundstudium und einem mindestens viersemestrigen Hauptstudium. Im Grundstudium stehen je nach Universität Chemie, Physik und Mathematik im Mittelpunkt; teilweise beginnen bereits im ersten Semester Veranstaltungen zu Morphologie und Physiologie von Pflanzen und Tieren. Morphologie beschreibt den Bau von Lebewesen, Physiologie ihre Lebensvorgänge.
Das Grundstudium endet meist mit der Vordiplom-Prüfung, häufig als mündliche Prüfung in Botanik, Zoologie, Chemie und Physik. An einigen Hochschulen wird sie durch studienbegleitende Leistungsprüfungen ersetzt. Im Hauptstudium wählen Studierende oft ein biologisches Hauptfach, etwa Genetik, ein bis zwei biologische Nebenfächer, etwa Mikrobiologie, sowie ein nicht biologisches Nebenfach, etwa Organische Chemie. Mehrmonatige Mitarbeit in Forschungsgruppen gehört ebenfalls dazu. Sie kann später zum Thema der Diplomarbeit oder einer angestrebten Doktorarbeit führen.
Im Bachelor-System umfasst das Studium grundsätzlich vier Semester Grundstudium und zwei Semester Hauptstudium. Nach sechs Semestern wird eine wissenschaftliche Arbeit angefertigt, für die etwa drei bis vier Monate vorgesehen sind. An den Bachelor kann ein Masterstudium anschließen; dessen Zulassung hängt an vielen Hochschulen vom Abschneiden im Bachelor-Examen ab. Der Bachelor ist ein erster berufsqualifizierender Abschluss, der Master entspricht dem früheren Diplom-Abschluss Biologie. Die Umstellung erfolgte auch wegen der europäischen Vereinheitlichung der Abschlüsse im Bologna-Prozess. Daneben entstanden Studiengänge mit besonderen Schwerpunkten in Teilbereichen der Biowissenschaften, etwa zu molekularen Grundlagen des Lebens und deren Untersuchung.
Lehramtsstudiengänge
Lehrkräfte werden mindestens für zwei Unterrichtsfächer ausgebildet. Neben Biologie ist meist ein weiteres naturwissenschaftliches Fach das zweite Hauptfach; möglich sind aber auch Kombinationen wie Biologie/Germanistik oder Biologie/Sportwissenschaften. Solche Kombinationen können zeitaufwändig sein, weil Lehrveranstaltungen unterschiedlicher Fachrichtungen nicht abgestimmt sind. Zum Studium gehören mehrere Schulpraktika mit Vorbereitungs- und Nachbereitungskursen.
Für das Lehramt an Gymnasien ähnelt das Grundstudium teilweise dem Diplom- oder Bachelor-/Master-Studium. Biologieveranstaltungen werden oft gemeinsam besucht, während Physik, Chemie und Mathematik wegen des zweiten Fachs weniger ausführlich behandelt werden. Nach vier Semestern folgt meist eine mündliche Zwischenprüfung in Zoologie und Botanik. Im Hauptstudium sind Schwerpunkte möglich, jedoch oft weniger frei wählbar; Botanik und Zoologie sind in der Regel verpflichtende Schwerpunkte. Hinzu kommt die Didaktik der Biologie, also die Wissenschaft vom Lehren und Lernen des Fachs. Nach mindestens vier Semestern Hauptstudium kann die 1. Staatsprüfung abgelegt werden. Im Bachelor-/Master-System sind eigene Schwerpunkte stark eingeschränkt; vertiefende Einblicke bietet vor allem der knappe Freie Bereich.
Für das Lehramt an Realschulen hängt die Fächerwahl stärker vom Bundesland ab: In Bayern sind beispielsweise Biologie/Chemie und Biologie/Physik erwünscht, in Hessen ist die Kombination fast beliebig. Das Studium dauert meist sechs bis acht Semester und enthält viele fachdidaktische Veranstaltungen sowie Grundwissenschaften wie Politikwissenschaft, Soziologie, Pädagogik und Pädagogische Psychologie. Beim Lehramt an Grundschulen stehen einfaches biologisches Grundwissen und Fachdidaktik im Mittelpunkt, etwa zu Ökosystemen wie Wald und Wiese oder zu Lebensgewohnheiten von Tieren. Es dauert meist sechs bis sieben Semester.
Nebenfach und Berufsperspektiven
Biologie kann an manchen Universitäten auch Nebenfach sein, etwa in Biochemie, Mathematik, Biomedizin, Medizin, Pharmazie, Psychologie, Umweltwissenschaften, Forstwissenschaft, Chemie, Physik/Biophysik oder Sportwissenschaft. Nach einigen dieser Studiengänge ist ebenso wie nach einem Biologiestudium eine Promotion über ein biologisches Thema möglich.
Biologen arbeiten vor allem in Forschungseinrichtungen, Universitäten, Zoos, Botanischen Gärten oder in der Industrie, besonders in der Pharmaindustrie. Weitere Möglichkeiten bestehen bei Einrichtungen wie der Max-Planck-Gesellschaft oder dem Paul-Ehrlich-Institut, in Behörden und im Umweltschutz, als Wissenschaftsjournalist, Lektor eines wissenschaftlichen Verlags oder wissenschaftlicher Dokumentar. Häufig ist eine Promotion Voraussetzung. Besonders in der chemischen und pharmazeutischen Industrie konkurrieren Biologen mit Medizinern, Pharmazeuten und Tiermedizinern.
Die Berufsaussichten werden als schlecht beschrieben. Im Jahr 2023 standen 3.400 arbeitslos gemeldeten Biologen, 17 % mehr als im Vorjahr, monatlich nur gut 400 gemeldete Stellen gegenüber. Die Neuzugänge an Stellenangeboten betrugen 2023 1.800 Vakanzen, 10 Prozent weniger als im Vorjahr. Ein Drittel der Biologie-Stellen war befristet ausgeschrieben. Praxisorientiertes Studium, Auslandsaufenthalte und Praktika in der Wirtschaft können die Berufsaussichten erheblich verbessern.