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Bilateraler Wechselkurs

Ein Wechselkurs ist immer dann bilateral, wenn er nur zwei Währungen berücksichtigt. Dagegen wird beim multilateralen Wechselkurs von dem Verhältnis gegenüber …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Einordnung
  2. 2. Nominaler Wechselkurs und Notierungen
  3. 3. Realer Wechselkurs
  4. 4. Bilaterale und multilaterale Betrachtung
  5. 5. Änderungen und wirtschaftliche Auswirkungen

Definition und Einordnung

Ein bilateraler Wechselkurs ist das Austauschverhältnis zwischen zwei Währungen. Er gibt den Preis einer Währung in einer anderen Währung an. Dieser Preis bildet sich auf dem Devisenmarkt. Ein Wechselkurs heißt bilateral, wenn er nur zwei Währungen berücksichtigt.

Wechselkurse werden nach zwei Kriterien unterschieden: Erstens danach, ob das Preisniveau in die Berechnung einbezogen wird (nominale oder reale Wechselkurse), und zweitens danach, gegenüber wie vielen Ländern der Kurs berechnet wird (bilaterale oder multilaterale Wechselkurse). Diese Kriterien lassen sich kombinieren, etwa zum nominalen bilateralen oder realen bilateralen Wechselkurs. In der Literatur wird häufig verkürzt nur vom nominalen beziehungsweise realen Wechselkurs gesprochen.

Nominaler Wechselkurs und Notierungen

Der nominale bilaterale Wechselkurs ist der Preis, zu dem zwei Währungen ausgetauscht werden. Er kann auf zwei Arten angegeben werden:

  • Bei der Mengennotierung wird angegeben, wie viele Einheiten der ausländischen Währung man für eine Einheit der inländischen Währung erhält, zum Beispiel 1,58 $ für einen Euro.
  • Bei der Preisnotierung wird der Preis einer Einheit der ausländischen Währung in inländischer Währung angegeben, zum Beispiel 0,63 € für einen Dollar. Diese Angabe ist der Kehrwert der Mengennotierung.

Beide Definitionen sind korrekt. Deshalb muss immer beachtet werden, welche Notierung verwendet wird. Nach der Einführung des Euro wird neben den USA auch in Europa die Mengennotierung verwendet; zuvor war in Europa die Preisnotierung üblich.

Realer Wechselkurs

Der reale bilaterale Wechselkurs ε ist das Preisverhältnis zweier Güter in unterschiedlichen Währungsräumen. Im Unterschied zum nominalen Wechselkurs wird dabei das Preisniveau einbezogen. Die Formel lautet:

ε = EP/P*

Dabei bezeichnet E den nominalen Wechselkurs, P das inländische Preisniveau und P* das ausländische Preisniveau.

Der reale Wechselkurs beschreibt damit das Austauschverhältnis von Gütern beziehungsweise Warenkörben und ist als Index definiert. Für ein frei gewähltes Basisjahr wird der Index mit einem frei gewählten Wert versehen, meist 1 oder 100. Der Indexwert selbst ist deshalb nicht aussagekräftig; wichtig ist nur seine Veränderung im Zeitverlauf. Die Berechnung ist problematisch, weil repräsentative und international vergleichbare Warenkörbe nur schwer zu bestimmen sind.

Bilaterale und multilaterale Betrachtung

Für die Beurteilung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit eines Landes reicht ein bilateraler Wechselkurs oft nicht aus. Relevant ist dann der multilaterale Wechselkurs, auch effektiver Wechselkurs genannt. Er berücksichtigt nicht nur das Verhältnis zu einem einzelnen Land, sondern die Währungen aller internationalen Handelspartner eines Landes.

Änderungen und wirtschaftliche Auswirkungen

Bei flexiblen Wechselkursen verändern Angebot und Nachfrage von Marktakteuren, insbesondere Investoren und Außenhändlern, den Kurs auf dem Devisenmarkt minütlich. Bei festen Wechselkursen tritt zusätzlich die Zentralbank als Marktakteur auf. Wechselkurse auf verschiedenen Devisenmärkten gleichen sich durch Arbitragegeschäfte unverzüglich an.

Eine nominale Aufwertung der inländischen Währung bedeutet, dass ihr Preis in Einheiten der ausländischen Währung steigt; bei Mengennotierung steigt also der Wechselkurs. Bei einer nominalen Abwertung sinkt dieser Preis; bei Mengennotierung fällt der Wechselkurs.

Auch reale Wechselkurse verändern sich. Eine reale Aufwertung der Inlandsgüter bedeutet einen Anstieg ihrer Preise im Vergleich zu ausländischen Gütern; bei Mengennotierung steigt der reale Wechselkurs. Eine reale Abwertung der Inlandsgüter bedeutet einen Rückgang ihrer Preise im Vergleich zu ausländischen Gütern; bei Mengennotierung sinkt der reale Wechselkurs. Steigt beispielsweise der reale Wechselkurs zwischen der Eurozone und den USA um 15 %, wird im Artikel angegeben, dass europäische Güter im Vergleich zu amerikanischen Gütern um 15 % teurer geworden sind. Die Darstellung der Wirkungsrichtung des nominalen Wechselkursanstiegs wird im Artikel an anderer Stelle abweichend formuliert: Bei konstanten Preisniveaus soll ein Anstieg des nominalen Wechselkurses eine reale Abwertung der Inlandswährung und eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit bewirken.

Kurzfristige Wechselkursänderungen werden vor allem durch charttechnische Erwartungen beeinflusst. Langfristig bestimmen Fundamentaldaten die Wechselkurse. Die Kaufkraftparitätentheorie vergleicht das Preisniveau handelbarer Güter, während die Zinsparitätentheorie die Zinssätze vergleicht.

Der reale Wechselkurs ist für Kaufentscheidungen im freien Warenverkehr wichtig, weil er die Kaufkraft einer Währung und die Preise inländischer Güter im Vergleich zu ausländischen Gütern berücksichtigt. Ein bloßer Vergleich nominaler Wechselkurse reicht nicht aus. Zusätzlich müssen Transportkosten, Zölle sowie Umtausch- und Überweisungsgebühren berücksichtigt werden.

Veränderungen des realen Wechselkurses beeinflussen die internationale Wettbewerbsfähigkeit und damit den Außenhandel, unter anderem im Zusammenhang mit der Marshall-Lerner-Bedingung und der Robinson-Bedingung. Kurzfristige reale Veränderungen entstehen vor allem durch Schwankungen des nominalen Kurses, da Preisniveaus nur träge reagieren. Die Anpassung an eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit kann mehrere Jahre dauern und die Form einer J-Kurve annehmen.

Eine real aufwertende Währung erhöht zwar die Kaufkraft gegenüber dem Ausland und verbessert die Terms of Trade, verringert aber zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Wirtschaft. Dadurch entstehen nachhaltige Wirkungen auf in- und ausländischen Güter- und Faktormärkten. Unternehmen geben Wechselkursänderungen außerdem nicht generell vollständig an die Angebotspreise weiter, weil Exporteure konkurrenzfähig bleiben wollen. Werden Rechnungen zunehmend in einer allgemein akzeptierten Währung ausgestellt, wirkt sich die Wechselkursänderung daher eher auf den Gewinn des Exporteurs als auf die Nachfrage aus.

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