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Big Four (Wirtschaftsprüfungsgesellschaften)

Big Four bezeichnet das Oligopol der vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt: Deloitte, EY (Ernst & Young), KPMG und PricewaterhouseCoopers (PwC) …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Aufgaben
  2. 2. Die vier Gesellschaften
  3. 3. Entstehung der heutigen Marktstruktur
  4. 4. Markt und Entwicklung in Deutschland
  5. 5. Kritik an der Marktmacht

Bedeutung und Aufgaben

Als „Big Four“ werden die vier weltweit größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte, EY (Ernst & Young), KPMG und PricewaterhouseCoopers (PwC) bezeichnet. Gemeinsam bilden sie ein Oligopol, also einen Markt, der von wenigen großen Anbietern beherrscht wird. Auf die Big Four entfallen rund 67 Prozent des weltweiten Umsatzes in der Wirtschaftsprüfung.

Wirtschaftsprüfer kontrollieren insbesondere die Jahresabschlüsse und Bilanzen von Unternehmen und erteilen bei erfolgreicher Prüfung einen Bestätigungsvermerk. Die Big Four prüfen einen Großteil der börsennotierten Unternehmen weltweit, darunter nahezu alle Gesellschaften in den wichtigen Aktienindizes S&P 500 in den USA, DAX in Deutschland und FTSE 100 in Großbritannien. Von den 160 Unternehmen, die 2015 in DAX, MDAX, SDAX und TecDAX vertreten waren, wurden 142 durch eine der Big Four geprüft.

Neben der Wirtschaftsprüfung bieten die vier Gesellschaften Steuerberatung, Unternehmensberatung und Rechtsberatung an. Insgesamt beschäftigen sie weltweit mehr als 1.498.000 Angestellte und erzielen etwa 212,2 Milliarden USD Umsatz.

Die vier Gesellschaften

Die Angaben für 2024 zeigen Größe und internationale Bedeutung der einzelnen Unternehmen:

• Deloitte beschäftigt weltweit 460.000 Menschen und erzielt 67,2 Mrd. USD Umsatz. In Deutschland arbeiten 13.789, in der Schweiz 2.720 und in Österreich 1.900 Beschäftigte. Das Unternehmen entstand aus der Fusion von Touche Ross und Deloitte Haskins & Sells und hieß früher Deloitte & Touche.

• EY beschäftigt weltweit 392.995 Menschen und erzielt 51,2 Mrd. USD Umsatz. Die Beschäftigtenzahlen liegen bei 11.100 in Deutschland, 3.049 in der Schweiz und 1.500 in Österreich. EY ging aus dem Zusammenschluss von Ernst & Whinney und Arthur Young hervor.

• PwC beschäftigt weltweit 370.000 Menschen und erzielt 55,4 Mrd. USD Umsatz. In Deutschland sind es mehr als 15.000 Beschäftigte, in der Schweiz 3.809 und in Österreich 1.241, wobei die österreichische Zahl von 2019 stammt. PwC entstand durch den Zusammenschluss von Price Waterhouse und Coopers & Lybrand.

• KPMG beschäftigt weltweit 275.288 Menschen und erzielt 38,4 Mrd. USD Umsatz. In Deutschland arbeiten 14.608, in der Schweiz 3.134 und in Österreich 2.050 Beschäftigte. KPMG entstand aus der Fusion von Peat Marwick International und der KMG-Gruppe.

Entstehung der heutigen Marktstruktur

Die heutige Gruppe entstand durch mehrere Zusammenschlüsse und das Ausscheiden eines großen Anbieters. In den 1980er Jahren sprach man zunächst von den „Big Eight“, den damals acht international dominierenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Zu ihnen gehörten Arthur Andersen, Arthur Young, Coopers & Lybrand, Ernst & Whinney, Deloitte, Haskins & Sells, Peat Marwick International, Price Waterhouse und Touche Ross.

Seit 1987 tragen die im Vorjahr fusionierten Gesellschaften Peat Marwick International und KMG (Klynveld Main Goerdeler) den Namen KPMG. 1989 wurden aus den Big Eight die Big Six: Im Juni fusionierten Ernst & Whinney und Arthur Young zu Ernst & Young; im August schlossen sich Deloitte, Haskins & Sells und Touche Ross zu Deloitte & Touche zusammen. Im Juli 1998 entstand durch die Fusion von Price Waterhouse und Coopers & Lybrand die Gesellschaft PricewaterhouseCoopers. Damit wurden die Big Six zu den Big Five.

Nach dem Enron-Skandal von 2001 schlossen sich die selbstständigen Ländergesellschaften von Arthur Andersen unterschiedlichen Unternehmen an, besonders den übrigen großen Prüfungsgesellschaften. In Deutschland sowie unter anderem in Großbritannien und Spanien ging der größte Teil an Ernst & Young. Arthur Andersen verschwand als eigenständige Gesellschaft beziehungsweise Marke; aus den Big Five wurden die heutigen Big Four.

Markt und Entwicklung in Deutschland

Der gemeinsame Umsatz der Big Four in Deutschland betrug 2017 insgesamt 6,89 Milliarden Euro. Gegenüber 6,05 Milliarden Euro im Jahr 2016 entsprach dies einem Wachstum von 13,9 Prozent. Nach dem Umsatz im Geschäftsjahr 2022/2023 führte PwC mit 2,93 Mrd. Euro vor EY mit 2,57 Mrd. Euro, KPMG mit 2,39 Mrd. Euro und Deloitte mit 2,33 Mrd. Euro.

Wegen des früher großen Abstands von Deloitte zu den drei anderen Gesellschaften wurde der deutsche Markt teilweise eher als „Big Three“-Situation beschrieben. Deloitte verringerte diesen Abstand jedoch durch starkes Wachstum und lag 2022/2023 nur noch rund 60 Mio. Euro hinter KPMG. Von 2014 bis 2016 wuchs Deloitte mit durchschnittlich 13,2 Prozent pro Jahr am stärksten, KPMG mit 6,4 Prozent am schwächsten. Für den längeren Zeitraum 2010 bis 2016 führte EY mit durchschnittlich 5,5 Prozent, während KPMG mit 3,7 Prozent erneut das geringste Wachstum hatte.

Das Wachstum entsteht vor allem in der Steuer- und Unternehmensberatung. Dadurch entwickeln sich die Big Four zu breit aufgestellten Service- und Beratungsfirmen. Das klassische Geschäft mit der Prüfung und Testierung von Bilanzen wächst dagegen seit Jahren nur wenig. 2011 entfielen 83 Prozent der Abschlussprüfungen bei den 160 großen deutschen Aktiengesellschaften auf die Big Four.

Die EU-Prüferreform führte dazu, dass viele große Unternehmen ihre Prüfungsaufträge neu ausschrieben. Dadurch wurden Mandate, also Prüfungsaufträge, neu verteilt. In der zuvor von KPMG dominierten Versicherungsbranche wurde PwC unter anderem mit Allianz SE und Hannover Rück zur neuen Nummer eins. Bei den Großbanken hatte KPMG lange zahlreiche große Mandate. Ab 2018 besaß jedoch EY unter den deutschen Großbanken mehr Prüfungsmandate als jede andere Gesellschaft, darunter Commerzbank, KfW, DZ Bank, Landesbank Hessen-Thüringen und NRW.Bank.

Auch im DAX zeigen die Geschäftsberichte deutliche Veränderungen. Beispielsweise prüfte KPMG 2014 Allianz, BMW und Deutsche Bank. 2019 prüfte PwC Allianz und BMW, während Deutsche Bank weiterhin bei KPMG lag. 2021 wurde Deutsche Bank von EY geprüft. Die Tabellen für 2014, 2019 und 2021 verdeutlichen damit, dass die großen Prüfungsmandate zwischen den Big Four wechseln.

Hinter den Big Four folgten laut Lünendonk-Liste 2015 mit erheblichem Abstand BDO AG, Rödl & Partner, Ebner Stolz und Baker Tilly Roelfs. Sie erzielten weniger als ein Drittel beziehungsweise ein Viertel des Umsatzes von Deloitte und wuchsen langsamer. Noch kleinere Anbieter waren Mazars, Warth & Klein Grant Thornton und PKF Fasselt Schlage. Daneben sind Netzwerke mittelständischer Wirtschaftsprüfungsgesellschaften am deutschen Markt tätig.

Kritik an der Marktmacht

Kritik richtet sich besonders gegen die Verbindung von großer Marktmacht und Steuerberatung. Prem Sikka, Professor für Rechnungswesen an der University of Essex, kritisierte 2015 im Zusammenhang mit den Luxemburg Leaks die Steuerberatungstätigkeit der Big Four. Nach seiner Auffassung ermöglichen deren Steuervereinbarungen erhebliche Verringerungen von Steuerzahlungen. Dies habe zur Folge, „dass normale Menschen höhere Steuern zahlen müssen, weil ihre Steuervermeidungsschemata große Konzerne und reiche Menschen entlasten“.

Sikka forderte deshalb, die Macht der großen Prüfungsgesellschaften zu begrenzen. Andernfalls würden sie ihre Stellung seiner Ansicht nach weiterhin nutzen, „um die Demokratie, das Recht und das Wohlergehen der Menschen zu untergraben“. Diese Aussagen sind als Kritik und Bewertung Sikkas wiedergegeben, nicht als unbestrittene Feststellung des Artikels.

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