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Auerbachs Keller

Jahrhundert ein renommiertes Weinlokal. Weltweite Berühmtheit erlangte Auerbachs Keller durch Goethes Faust, in dem die gleichnamige Szene spielt. Auch Martin …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Lage und Geschichte
  3. 3. Räume und Figurengruppen
  4. 4. Entstehungshintergrund der Faust-Szene
  5. 5. Literarische Gestaltung
  6. 6. Rezeption und Denkmäler

Überblick

Auerbachs Keller ist die bekannteste und zweitälteste Gaststätte Leipzigs und seit dem 16. Jahrhundert ein renommiertes Weinlokal. Weltweite Berühmtheit erlangte er durch Goethes Faust, in dem eine gleichnamige Szene im Keller spielt. Auch Martin Luther soll hier eingekehrt sein. Der Keller gilt nach dem Münchner Hofbräuhaus als die zweitbekannteste Gaststätte Deutschlands.

Lage und Geschichte

Auerbachs Keller befindet sich in der Grimmaischen Straße 2–4 im Zentrum Leipzigs, wenige Schritte vom Markt entfernt, unter der Mädler-Passage. Der Weinausschank wurde schon 1438 erwähnt. Seinen Namen trägt die Gaststätte nach Heinrich Stromer, einem Leipziger Stadtrat, Arzt und Hochschullehrer, der nach seinem Geburtsort Auerbach in der Oberpfalz nur „Dr. Auerbach“ genannt wurde und 1508 Rektor der Universität war. 1519 kaufte Stromer für 3500 Gulden ein Grundstück an der Grimmaischen Straße und dem Neumarkt und erbaute dort von 1530 bis 1538 Auerbachs Hof. In dem bereits vorhandenen Keller richtete er ein Weinlokal ein. Von 1912 bis 1913 wurde der Keller im Zuge des Abbruchs der mittelalterlichen Bebauung und der Errichtung der Mädler-Passage in großen Teilen neu gebaut und erweitert; die Eröffnung fand am 22. Februar 1913 statt. Dabei entstand als Kernstück der Große Keller mit Platz für bis zu 600 Gäste, der vorher als Weinkeller diente. Ein althergebrachter Spruch zur Leipziger Messe lautet: „Wer nach Leipzig zur Messe gereist, / Ohne auf Auerbachs Hof zu gehn, / Der schweige still, denn das beweist: / Er hat Leipzig nicht gesehn.“

Räume und Figurengruppen

Am Eingang zum Keller stehen die beiden Bronzefigurengruppen des Bildhauers Mathieu Molitor: das Doppelstandbild Mephisto und Faust sowie die Gruppe der verzauberten Studenten. Gegossen wurden sie in der 1899 von Traugott Noack (1865–1941) gegründeten Leipziger Bronzebildgießerei Noack. Neben dem Großen Keller gibt es vier historische Weinstuben – Fasskeller, Lutherzimmer, Goethezimmer und Alt-Leipzig – sowie ganz versteckt die Hexenküche.

Entstehungshintergrund der Faust-Szene

Die Szene Auerbachs Keller in Goethes Faust geht auf die um 1525 überlieferte Faustsage zurück, insbesondere auf den sogenannten Fassritt des historischen Magiers Johann Georg Faust: „Doktor Faustus zu dieser Frist / Aus Auerbachs Keller geritten ist.“ Goethe lernte die Faustüberlieferung früh durch Puppenspiele kennen. Während seines Studiums in Leipzig von 1765 bis 1768 besuchte er Auerbachs Keller regelmäßig. Dort hingen zwei um 1625 entstandene Holzgemälde: Dr. Faustus beim Studentengelage und Dr. Faustus auf einem Weinfass reitend. Diese Darstellungen dienten Goethe als unmittelbare Anregung für die spätere Szene.

Literarische Gestaltung

In Faust I zeigt Mephisto im Keller seine Zauberkunst mit einem Weinwunder: Er bohrt vier Löcher in einen Tisch, verschließt sie mit Wachs und lässt beim Herausziehen der Pfropfen für jeden Studenten den gewünschten Wein hervorsprudeln („Der hölzerne Tisch kann Wein auch geben.“). Den sagenhaften Fassritt erwähnt die Dichtung nur knapp: „Ich hab ihn selbst hinaus zur Kellertüre – / Auf einem Fasse reiten sehn.“ Goethe setzte damit seinem Studentenlokal und der Stadt Leipzig ein literarisches Denkmal. Ironisch gebrochen wird die Lobpreisung Leipzigs dadurch, dass sie vom wenig ernstzunehmenden Studenten Frosch ausgesprochen wird: „Mein Leipzig lob ich mir! / Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute.“

Rezeption und Denkmäler

1903 wurde auf dem Naschmarkt, in unmittelbarer Nähe von Auerbachs Keller, ein Goethe-Denkmal errichtet. Seit 2009 finden im Keller Aufführungen der Rockoper Faust von Rudolf Volz statt; bei der Premiere wurde der Fassritt erstmals am historischen Ort nachgestellt. Die Gewölbe des Großen Kellers sind mit Wandbildern von drei bis vier Metern Breite ausgestattet, die Motive aus Faust I und Faust II darstellen. Das Gemälde Goethes Faust-Inspiration von Volker Pohlenz zeigt verdichtet, wie Goethe durch die Fassritt-Sage zu seiner Szene angeregt wurde.

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