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At-Zeichen
Das At-Zeichen ist grundlegender Bestandteil von E-Mail-Adressen, es steht dort zwischen Benutzername und Domain. Außerdem wird es als Symbol für das Internet …
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Was ist das At-Zeichen?
Das At-Zeichen oder kurz At [ɛt] ist das Schriftzeichen @. Der Name kommt vom englischen Wort „at“ („bei“). Umgangssprachliche Bezeichnungen sind Affenschwanz, Affenohr, Affenschaukel oder Klammeraffe; in der Norm DIN 5008 heißt es in Deutschland auch Adresszeichen. Das Zeichen ist vor allem als grundlegender Bestandteil von E-Mail-Adressen bekannt, wo es zwischen Benutzername und Domain steht. Außerdem wird es als Symbol für das Internet genutzt, zum Beispiel auf Wegweisern zu Internetcafés.
Geschichte des Zeichens
Ähnliche Zeichen lassen sich seit dem Mittelalter nachweisen. Es ist allerdings umstritten, ob die modernen Verwendungen direkt darauf zurückgehen oder ob es unabhängige Entwicklungen waren. Mögliche Erklärungen sind eine handschriftliche Verschmelzung (Ligatur) der Buchstaben a und d des lateinischen Wortes ad („zu, an, bei“) oder ein Abkürzungszeichen, das im Italien des 16. Jahrhunderts als Hohlmaßeinheit genutzt worden sein soll. Als schlüssigste Theorie gilt, dass die Mauren das Zeichen als Maßeinheit auf die Iberische Halbinsel brachten. Spanische, portugiesische und später französische Kaufleute nutzten es für die Einheit arroba, ein Maß für Festes und Flüssiges von etwa zehn Kilogramm (25 Libras) oder 15 Litern; das Wort ist arabisch (ar-rubʿ = „das Viertel“). Der Name arroba hat sich in Spanien, Frankreich, Portugal und Brasilien erhalten. In einem Danziger Mennoniten-Verzeichnis aus den 1660er Jahren stand @ für „anno“ („im Jahr“), in Akten des Reichskammergerichts aus dem 18. Jahrhundert für „gegen“ (lateinisch contra, gekürzt ca), etwa „Maier @ Müller“.
Vom kaufmännischen Zeichen zur E-Mail
Im angloamerikanischen Raum entwickelte sich das Zeichen möglicherweise aus dem französischen à mit kaufmännischer Bedeutung, wie in „2 Stück à 500 Gramm“ (= zu je 500 Gramm). Es ist seit 1880 auf US-amerikanischen Schreibmaschinen nachgewiesen und wurde damals commercial a genannt. Aus Preisangaben wie „5 apples @ 10 p“ ergibt sich: „5 Äpfel zu je 10 Pence“. In den 1950er Jahren verwendete das Fieldata-Computerprojekt des US Army Signal Corps das Zeichen als Master Space zur Einleitung von Steueranweisungen; dieser Zeichensatz beeinflusste den späteren ASCII-Standard. Bei der Erfindung der E-Mail 1971 suchte Ray Tomlinson ein noch ungenutztes ASCII-Zeichen, das Benutzer- und Rechnername eindeutig trennt, und wählte das @ als Symbol für at („bei“). Im Englischen wird es [æt] ausgesprochen (at sign, commercial at), im Deutschen meist [ɛt] („Ätt“). Seit Anfang 2004 ist das @ offizieller Bestandteil des Morsecodes: ·−−·−· (wie A, dann ohne Pause C). Am 22. März 2010 nahm das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) das Zeichen in seinen Bestand auf.
Verwendungen
Neben der E-Mail gibt es viele weitere Verwendungen des At-Zeichens:• Ansprache einzelner Personen im Schriftverkehr: Laut DIN 5008 kann das Adresszeichen am Zeilenanfang stehen, gefolgt von Leerzeichen, Name und Doppelpunkt, um einzelne Personen anzusprechen (hervorhebbar durch Fettschrift).• Mikroblogging: In Texten wie Twitter-Nachrichten wird das Zeichen direkt (ohne Leerzeichen) vor einen Benutzernamen gesetzt, etwa um diesen Nutzer besonders anzusprechen oder sich auf seine Texte zu beziehen.• Zeichen für „bei“: In Naturwissenschaften und Datenblättern ersetzt @ das Wort at bzw. bei, z. B. d = 1,000 g/ml @ 4 °C, 1015 mbar (Dichte von Wasser). In chemischen Formeln bezeichnet es endohedrale Komplexe, bei denen ein Teilchen in einem anderen eingeschlossen ist, z. B. He@C60 (ein Heliumatom in einem Kohlenstoffmolekül). Im US-Sport ersetzt es das at, wobei die Heimmannschaft als zweites genannt wird (z. B. Arizona Cardinals @ Seattle Seahawks).• Geschlechtsneutrale Kurzschreibung (Spanisch): In spanischsprachigen Ländern steht @ für die weibliche Endung a oder die männliche Endung o, z. B. „niñ@“ für „niño/niña“; dies findet sich vorwiegend in informeller Kommunikation, gelegentlich aber auch in offiziellen Dokumenten wie dem bolivianischen Certificado Médico de nacid@ viv@.
At-Zeichen in Programmiersprachen und Recht
In Programmiersprachen hat das @ unterschiedliche Bedeutungen:• Ältere Sprachen wie manche BASIC-Dialekte und das Datenbanksystem dBASE nutzten es für Positionsangaben, z. B. PRINT @ 12,10,„HALLO“ (Bildschirmposition 12. Spalte, 10. Zeile).• In Object Pascal (Delphi) ermittelt @ die Speicheradresse einer Variable (p := @d).• In PHP unterdrückt es Fehlermeldungen einer Funktion (Fehlerkontrolloperator).• In Forth bezeichnet @ den Fetch-Operator, der den Inhalt einer Speicheradresse auf den Stack legt; Store wird mit ! geschrieben (A @ B @ + C ! für C = A + B).• In Objective-C leitet @ String-Literale ein (z. B. @„Simon sagt“) und kennzeichnet neue Schlüsselwörter wie @interface oder @synchronized.• In Haskell ordnet @ dem Gesamtwert eines Pattern-Matchings einen Namen zu (as-pattern), z. B. list@(x:xs).• In Julia markiert @ Makros (z. B. @time), in Java Annotations (z. B. @Override), in Python Decorators (z. B. @property).• In OpenVMS (DCL) startet @ Kommandoprozeduren.Firmennamen und Marken: In Deutschland war die Eintragung des @ in Handelsregister-Firmennamen lange umstritten; noch um 2000 wurde sie regelmäßig abgelehnt (z. B. OLG Braunschweig, 27. November 2000, „met@box“; LG München I, 3. April 2001, „D @ B“). Das Landgericht Berlin ließ sie 2004 zu, das LG München I 2009 („@p oHG“) – wesentlich ist, dass das @ als „at“ aussprechbar ist. Eine bloße modische Schreibweise des Buchstabens „a“ sei dagegen nicht eintragungsfähig. In Österreich ist @ seit dem Inkrafttreten des Unternehmensgesetzbuchs (UGB) am 1. Januar 2007 grundsätzlich eintragungsfähig, wenn die Aussprache („at“, „a“ oder „Klammeraffe“) eindeutig ist. Das @ wurde 2012 in Deutschland als Wortmarke geschützt, 2014 vom Patent- und Markenamt jedoch gelöscht; das Bundespatentgericht bestätigte die Löschung 2017, da das @ ein grundlegender Bestandteil von E-Mail-Adressen ist.
Computersysteme, Tastatur und Fremdsprachen
Darstellung und Eingabe: In Unicode ist das Zeichen als U+0040 commercial at im Block Basis-Lateinisch enthalten (gleiche Position wie im ASCII). In HTML wird es als @, @ oder @ kodiert. Auf Tastaturen: Alt-Gr+Q (Deutschland), Alt Gr+2 (Schweiz), Shift+2 (US), Shift+' (britisch); per Alt-Code 64 auf dem Ziffernblock. Auf Apple-Tastaturen: ⌥+L (Deutschland, ab Mac OS 9.1; davor ⌥+⇧+1), ⌥+G (Schweiz). Fehlt das Zeichen, kann es durch Hilfwörter wie „at“, „an“, „bei“, „per“, „pro“, „für“ oder „je“ ersetzt werden; bis 1982 war „ at “ umgeben von Leerzeichen auch in E-Mail-Adressen zulässig (bis RFC 733 durch RFC 822 ersetzt wurde). Heute ist eine Ersetzung technisch kaum nötig; im Internet wird @ aber oft durch „(a)“, „(at)“ oder „[at]“ ersetzt, um Spambots zu täuschen. Sonderverwendungen als Buchstabe: Die Sprache Koalib (Südsudan) verwendet einen dem @ ähnlichen Buchstaben zur Umschrift des ʿAin; Unicode-Anträge (2004, 2012) wurden abgelehnt, stattdessen werden die eingekreisten Buchstaben Ⓐ/ⓐ empfohlen, die SIL listet die Zeichen als U+F247/U+F248 (seit 15. Februar 2013 als deprecated). Die Sprache der Yuchi in Oklahoma nutzt das @ für den Laut [æ], ohne Großschreibung. Bezeichnungen in anderen Sprachen (Auswahl): Italienisch chiocciola (Schnecke), Russisch sobaka (Hund), Niederländisch apenstaartje (Affenschwänzchen), Schwedisch/Dänisch snabel-a (Rüssel-A), Griechisch papaki (Entchen), Hebräisch umgangssprachlich Strudel, Spanisch/Portugiesisch arroba, Tschechisch/Slowakisch Zavináč (Rollmops), Ungarisch kukac (Wurm), Türkisch kuyruklu a (a mit Schwanz), Finnisch kissanhäntä (Katzenschwanz) bzw. ät-merkki.