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Asian News International
Asian News International ist eine staatsnahe indische Nachrichtenagentur, die ihre syndizierten Nachrichteninhalte an indische Medienhäuser vertreibt.
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Was ist ANI?
Asian News International (ANI) ist eine indische Nachrichtenagentur, die Nachrichteninhalte an indische Medienhäuser verkauft (Syndizierung). Sie gilt als staatsnah und wird von verschiedenen Seiten als Propaganda-Werkzeug der indischen Regierung bezeichnet. Wegen dieser Kritik geht ANI seit 2024 rechtlich gegen die Wikipedia-Betreiberin Wikimedia Foundation vor.
Gründung und frühe Jahre
ANI wurde vom Fotojournalisten Prem Prakash gegründet, der zuvor für die britische Firma Visnews arbeitete und dafür Auszeichnungen erhielt, darunter den MBE. 1971 gründete er die Agentur TVNF, mit der er auf Wunsch Indira Gandhis ein positives Bild Indien aufbaute und Filmreportagen für das Staatsfernsehen Doordarshan produzierte. TVNF wurde später in ANI umbenannt. Prakash arbeitete weiterhin für Visnews und Reuters, das in den 1970ern Anteile an Visnews kaufte. 1993 erwarb Reuters auch Anteile an ANI und bezog seine Indien-Berichterstattung fast ausschließlich von ANI; Prakash blieb Indien-Chef von Reuters TV India. ANI erwarb den Ruf, bei allen großen Ereignissen mit Kameras vor Ort zu sein, während andere Dienste oft gar nicht auftauchten.
Familienfirma und Aufstieg
1988 heiratete Sanjiv Prakash, Sohn des Gründers, die Journalistin Smita Rao, Tochter von Inna Ramamohan Rao, einem führenden Beamten im Ministerium für Information und Rundfunk und ab 1985 Chief Information Officer der Indischen Armee. Smita Prakash arbeitete seit 1986 für ANI; die Heirat half dem Unternehmen, seine Kontakte zur Regierung auszubauen. Beide stiegen bis in die 2000er Jahre an die Unternehmensspitze. Um das Jahr 2000 entstanden viele neue Nachrichtensender ohne eigene landesweite Berichterstattung; ANI verkaufte ihnen Beiträge aus seinem Netz an Journalisten und expandierte. 2000 wurde auch DD Kashir gegründet, dessen Inhalte ANI produzierte – Rao war Berater des dortigen Chief Ministers. Ebenfalls 2000 entstand die Tochterfirma Asian Films TV. In den späten 2000ern gab es eine Krise: Sender waren von der Qualität enttäuscht und produzierten eigenes Material; Wettbewerber waren UNI TV (Yashwant Deshmukh), NNI (Partner von AP) und Press Trust of India. 2011 stieg Smita Prakashs Sohn Ishaan ein, baute Auslandsbüros aus und schloss Verträge mit Regierungsbehörden – bei staatlichen Veranstaltungen wurden bald nur Doordarshan- und ANI-Kamerateams zugelassen. Für 2017/18 ist ein Umsatz von 682,3 Mio. Rupien (ca. 9–10 Mio. €) angegeben, davon 25 Mio. Rupien an Reuters verkauft, bei einem Gewinn von rund 100 Mio. Rupien. Smita Prakash interviewte Premierminister Modi mehrfach, u. a. in den Wahlkämpfen 2014 und 2019.
Unternehmen und Produkte
2007 hatte ANI über 50 Nachrichtenbüros (meist in Indien) und war die wichtigste Agentur des Subkontinents; für 2013 wurden sogar über 100 Büros angegeben. Über drei Kanäle gab es täglich ca. 18 Nachrichtenpakete à drei Minuten für die indische Diaspora; ANI TV bot ca. 25 Themen pro Tag inklusive Interviews und Reportagen zu Wirtschaft, Unterhaltung, Gastronomie und Mode. Vertriebswege umfassten gängige Audio-/Videoformate, Webcasting, SMS-Dienste und übersetzte oder untertitelte Inhalte. Programmpakete waren u. a. South Asia Newsline, US Correspondent Notebook, Dateline Punjab, India's World, This Week in India, Kashmir Now, Dateline South Asia, Hello Bollywood, Balle Punjab und Ghoomta Aina. ANI bot auch maßgeschneiderte Inhalte und mit über hundert Kamerateams Dreh-Dienste für ausländische Medien an. 2024 beliefert ANI ca. 400 Nachrichtenkanäle und 1000 Zeitungen; allein in Delhi arbeiten 60 Kameraleute.
Kritik als Regierungs-Propaganda
2018 galt ANI als aggressiv auf Gewinn ausgerichtet; ein Mitarbeitermanagement fehle, frühere Mitarbeiter würden drangsaliert. Seit 2018/2019 wurde in mehreren Reportagen der Vorwurf erhoben, ANI diene als Propaganda-Werkzeug der regierenden Bharatiya Janata Party (BJP): Es habe quasi als externe Pressestelle des Außenministeriums agiert, zeige die Armee nur positiv und unterdrücke Berichte über innere Unzufriedenheit. Im Kaschmir-Konflikt sei einseitig berichtet worden. Nach der Machtübernahme der BJP 2014 sei die Parteinahme noch gewachsen: positiv gefärbte Wahlkampfberichte, scharfe Fragen an die Opposition, kollegiale Interviews mit der Regierung, nur ANI-Journalisten (neben dem Staatsfernsehen) in Modis Entourage, buchbare „PR-Pakete“ für BJP-Vertreter. In Smita Prakashs Podcasts kämen etwa vier Regierungsvertreter auf einen Oppositionellen. ANI arbeite zunehmend mit gefälschten Videos und Fotos; die Berichterstattung richte sich klar gegen Muslime, deren Religion bei Verbrechen stets thematisiert, während die von Hindus verschwiegen werde.
Desinformation und Wikipedia-Klage
2020 kam die NGO EU DisinfoLab zu dem Schluss, dass die Srivastava Group im Auftrag von ANI in Europa ein Desinformations-Netzwerk betreibe: Indien und Modi würden positiv, Pakistan und oft China negativ dargestellt, mit Fake-Interviews europäischer Politiker. Berichte von hunderten Fake-News-Webseiten wurden von ANI in Indien verbreitet. Das Netzwerk umfasste auch Think Tanks und mindestens 10 bei der UN in Genf akkreditierte NGOs, darunter eine wiederbelebte, seit Jahrzehnten defunkte NGO unter Leitung von Louis Bruno Sohn. Sprecher traten bei UNHCR-Sitzungen auf, um Pakistan anzuklagen; viele EU-Parlamentsabgeordnete waren meist unwissentlich beteiligt. Ein direkter Kontakt zur indischen Regierung sei nicht nachweisbar, aber ANI unterhalte enge Kontakte zu indischen Geheimdiensten. Im Juli 2024 verklagte ANI die Wikimedia Foundation vor dem Delhi High Court wegen angeblicher Diffamierung durch den englischen Wikipedia-Artikel und fordert 20 Millionen Rupien Schadensersatz. Das Gericht ordnete die Herausgabe persönlicher Daten aller Wikipedia-Beitragenden an; der Artikel über die Verhandlungen musste gelöscht und geschützt werden. Im Mai 2025 wurde diese Anordnung widerrufen, der Artikel ist wieder frei zugänglich; das Verfahren ist weiterhin anhängig.