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Antje Wiener

Seit 2009 hat sie den Lehrstuhl für Global Governance an der Universität Hamburg inne. Forschungsschwerpunkte sind hierbei die Theorien der Internationalen …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Profil und akademische Positionen
  2. 2. Studium und Laufbahn
  3. 3. Normen, Kontestation und globale Ordnung
  4. 4. Wichtige Veröffentlichungen

Profil und akademische Positionen

Antje Wiener (* 1960 in Köln) ist eine deutsche Politikwissenschaftlerin im Bereich der Internationalen Beziehungen. Seit 2009 hat sie den Lehrstuhl für Global Governance an der Universität Hamburg inne. Global Governance bezeichnet die Gestaltung und Regelung grenzüberschreitender politischer Fragen durch Staaten, internationale Organisationen und weitere Akteure.

Zu ihren Schwerpunkten gehören Theorien der Internationalen Beziehungen, europäische Integration, europäische Bürgerschaftspraxis sowie das Verhältnis von internationaler Politik und internationalem Recht. Seit 2017 ist sie Bye-Fellow am Hughes Hall College der Universität Cambridge; seit 2018 gehört sie der britischen Academy of Social Sciences an. Von 2013 bis 2015 und von 2018 bis 2021 war sie Vorstandsmitglied der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW).

Studium und Laufbahn

Wiener erwarb ihr Diplom in Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. 1996 promovierte sie an der Carleton University mit der Arbeit „Building institutions: the developing practice of European citizenship“ zum Ph.D.

Forschungsaufenthalte und Fellowships führten sie unter anderem an die Stanford University, das Robert Schumann Centre des European University Institute in Florenz, die Universität Oxford und das Netherlands Institute for Advanced Studies. Sie lehrte an den Universitäten Stanford, Carleton, Sussex und Hannover und war Professorin für Internationale Beziehungen an der Queen’s University Belfast sowie der University of Bath.

Gemeinsam mit James Tully ist sie Founding Editor der Cambridge-Forschungszeitschrift „Global Constitutionalism“. 2020 wurde sie in die Academia Europaea gewählt.

Normen, Kontestation und globale Ordnung

Wiener forscht an der Schnittstelle von Normenforschung in den Internationalen Beziehungen, internationalem Recht und Internationaler Politischer Theorie. Ihr Ansatz ist interdisziplinär und methodologisch pluralistisch, das heißt, er verbindet unterschiedliche Fachrichtungen und Methoden. Er baut unter anderem auf Begriffen der Public Philosophy und der Arbeit James Tullys auf.

Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Praktiken und Akteure Normativität und Ordnung im globalen Raum prägen. Normativität meint dabei die Orientierung an Regeln, Werten und Sollensvorstellungen. Wiener untersucht, wie die Anfechtung, Interpretation und kritische Auseinandersetzung mit internationalen Normen deren demokratische Legitimität sichern oder wiederherstellen können. Maßgeblich ist das „quod-omnes-tangit-Prinzip“: Internationale Normen sollten von allen anerkannt werden, die durch sie regiert werden.

Wiener definiert Kontestation als „social practices which discursively express disapproval of norms“. Gemeint sind also soziale Praktiken, die durch Sprache oder öffentliche Auseinandersetzung Missbilligung gegenüber Normen ausdrücken. Normen besitzen nach ihr eine „duale Qualität“: Sie werden einerseits durch soziale Interaktion in einem bestimmten Kontext konstruiert, wirken andererseits aber selbst strukturierend auf Handeln und Ordnung.

Diese Kontestation veranschaulicht sie unter anderem am Kadi-Fall zu Grundrechten und effektivem Rechtsschutz, am internationalen Folterverbot im Zusammenhang mit strafrechtlichen Anklagen gegen den ehemaligen US-Außenminister Donald Rumsfeld sowie an der Ächtung sexualisierter Kriegsgewalt in der UN-Resolution 1325. Weitere Grundlagen ihrer Forschung sind Praxistheorie sowie dekoloniale und feministische Methodologien. Sie untersucht Diversität und Normativität in globaler Governance und knüpft an „Global IR“ an, das die Trennung zwischen „dem Westen und dem Rest“ in den Internationalen Beziehungen überwinden will.

Im Exzellenzcluster „Climate, Climatic Change, and Society“ (CLICCS) der Universität Hamburg arbeitet Wiener zu globaler Klimagerechtigkeit sowie zu nichtstaatlichen Akteuren und Institutionen der globalen Klimagovernance. Im Projekt „Democratising Security in Turbulent Times“ forschte sie von 2020 bis 2024 zu Sicherheitsgarantien und Demokratisierungsprozessen in multiplen globalen Krisen.

Wichtige Veröffentlichungen

Zu Wieners zentralen Büchern zählen „The Invisible Constitution of Politics: Contested Norms and International Encounters“ (2008), „A Theory of Contestation“ (2014) und „Contestation and Constitution of Norms in Global International Relations“ (2018; Paperback 2020). Sie behandeln insbesondere umstrittene Normen, deren Anfechtung und ihre Bedeutung für globale internationale Beziehungen.

Als Mitherausgeberin veröffentlichte sie „European Integration Theory“: die 3. Edition erschien 2019 mit Tanja Börzel und Thomas Risse; die 1. Edition von 2003 und die 2. Edition von 2009 gab sie jeweils mit Thomas Diez heraus. Bereits 1999 war sie Mitherausgeberin von „The Social Construction of Europe“ mit Thomas Christiansen und Knud Erik Jørgensen.

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