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Amphetamin
Amphetamin (auch: Phenylisopropylamin oder Amfetamin) ist eine synthetische chemische Verbindung aus der Stoffgruppe der Phenylethylamine und zählt dort zu …
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Einordnung und Grundmerkmale
Amphetamin, nach WHO-Schreibweise auch Amfetamin, ist eine synthetische chemische Verbindung aus der Stoffgruppe der Phenylethylamine und die Stammverbindung der Amphetamine. Es ist ein Weckamin, also ein Amin mit aufweckender Wirkung, sowie ein Stimulans und indirektes Sympathomimetikum: Es regt den Sympathikus an, einen Teil des vegetativen Nervensystems.
Die Summenformel lautet C₉H₁₃N, die molare Masse 135,21 g·mol⁻¹. Die Amphetaminbase ist eine farblose bis sehr schwach gelbliche, ölige Flüssigkeit mit charakteristischem Amingeruch. Sie ist wenig wasserlöslich, aber in Alkoholen, Ether und schwachen Säuren löslich. Der offizielle IUPAC-Name ist 1-Phenylpropan-2-amin.
Medizinisch wird Amphetamin vor allem bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Narkolepsie eingesetzt. Zugleich wird es wegen seiner stimulierenden, appetitzügelnden und bei hohen Dosen euphorisierenden Wirkung nichtmedizinisch als „Speed“ oder „Pep“ konsumiert und als Dopingmittel verwendet. Sein Suchtpotenzial und seine Nebenwirkungen begrenzen die medizinische Anwendung.
Anwendung und Enantiomere
In Deutschland werden Amphetamin und Dexamphetamin bei ADHS eingesetzt, wenn Methylphenidat und Atomoxetin zuvor keine oder nur unzureichende Wirkung gezeigt haben oder wegen unerwünschter Wirkungen nicht geeignet sind. Eine weitere Indikation ist Narkolepsie. Früher wurde Amphetamin auch als Asthmamittel genutzt, weil es Bronchien erweitert und Schleimhäute abschwellen lässt, außerdem als Appetitzügler und Antidepressivum.
Amphetamin besitzt ein Stereozentrum am Kohlenstoffatom C₂. Deshalb gibt es zwei Enantiomere, also spiegelbildliche Formen desselben Moleküls: Dexamphetamin beziehungsweise D-Amphetamin ((S)-Amphetamin) und Levamphetamin beziehungsweise L-Amphetamin ((R)-Amphetamin). Beide wirken ähnlich, doch Dexamphetamin ist ungefähr doppelt so stark psychoaktiv und gilt als Eutomer, also als stärker wirksames Enantiomer. Ohne genaueren Zusatz meint „Amphetamin“ oder D,L-Amphetamin meist das Racemat, eine 1:1-Mischung beider Enantiomere.
Als Arzneimittel sind unter anderem Dexamphetaminpräparate erhältlich. Lisdexamfetamin ist ein Prodrug von Dexamphetamin, also ein Stoff, der im Körper zum wirksamen Arzneistoff umgewandelt wird. In Deutschland kann Amphetaminsulfat zudem als Individualrezeptur in der Apotheke hergestellt werden.
Wirkungsweise und Abbau
Amphetamin ähnelt chemisch den Katecholaminen, aktiviert adrenerge oder dopaminerge Rezeptoren aber nicht direkt. Es erhöht indirekt die Konzentration der Neurotransmitter Noradrenalin und Dopamin. Neurotransmitter sind Botenstoffe, mit denen Nervenzellen Signale übertragen. Amphetamin bindet etwa gleich gut an Dopamin- und Noradrenalintransporter und hemmt dort die Wiederaufnahme. Zusätzlich hemmt es die Monoaminooxidase (MAO) und aktiviert TAAR1, einen Spurenaminrezeptor.
Die Freisetzung erfolgt in drei Schritten: Amphetamin gelangt über den Transporter in die präsynaptische Nervenzelle; es setzt Noradrenalin und Dopamin aus Vesikeln, den Speicherbläschen der Zelle, in das Zytosol frei; anschließend werden die Botenstoffe durch eine Umkehr der Transportrichtung in den synaptischen Spalt abgegeben. Dadurch steigt ihr extrazellulärer Spiegel unabhängig vom normalen Signalimpuls der Nervenzelle. Im peripheren Nervensystem wird vor allem Noradrenalin freigesetzt, im Gehirn offenbar eher Dopamin. Eine wesentliche Serotoninfreisetzung wird nicht beobachtet.
Wiederholte Einnahme in rascher Folge kann Tachyphylaxie verursachen, eine kurzfristige Toleranzentwicklung. Die Speichervesikel sind dann vorübergehend erschöpft; erst nach einigen Stunden stehen wieder genügend Neurotransmitter zur Ausschüttung bereit.
Die Plasmahalbwertszeit von Dextroamphetamin beträgt ungefähr zehn Stunden; nach knapp drei Tagen ist die Menge im Organismus auf ein Prozent der Einnahmemenge gefallen. Der Abbau erfolgt in der Leber über Cytochrom P450 2D6. Die Ausscheidung über den Urin hängt vom pH-Wert ab: Je saurer der Urin, desto schneller erfolgt sie.
Wirkungen, Risiken und Wechselwirkungen
Amphetamin steigert unter anderem Wachheit, Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit sowie körperliche und geistige Ausdauer. Es kann Müdigkeit, Schlafbedürfnis, Hunger und Durst vermindern. Höhere Dosen können Selbstbewusstsein und Euphorie steigern. Der Körper kann dabei in einen ergotropen Zustand geraten, einen Stresszustand mit erhöhter Handlungsbereitschaft.
Mögliche unerwünschte Wirkungen sind Nervosität, Schlafstörungen, Tunnelblick, erhöhte Risikobereitschaft, Unruhe, Zittern, Muskelverspannungen, Zähneknirschen, Pupillenerweiterung, Mundtrockenheit, Harnverhalt, Herzrasen und Blutdruckerhöhung. Schwere Folgen können Kammerflimmern, Krampfanfälle oder Kreislaufprobleme sein. Bei chronischem Konsum sind Abhängigkeit, Gewichtsverlust, Potenz- und Libidoverlust, Nierenschäden und Psychosen möglich. Häufiges Schnupfen kann die Nasenscheidewand irreversibel schädigen.
Nach Absetzen bei Abhängigkeit können Lethargie, Depressionen bis hin zu Suizidgedanken, Angst, Schlafstörungen, Körperhalluzinationen, Schmerzen und übermäßiger Appetit auftreten. Die Beschwerden erreichen nach etwa drei Tagen ihren Höhepunkt und klingen danach langsam ab. Das Abhängigkeitsrisiko hängt laut Artikel von genetischen Faktoren und der psychosozialen Situation ab.
Die niedrigste publizierte letale Dosis beim Menschen beträgt 1,3 mg/kg (LDₗₒ), bei 75 kg etwa 100 mg; bei Toleranz kann sie deutlich höher liegen. In Deutschland wurden 2010, 2013 und 2014 jeweils 20, 16 und 21 Todesfälle direkt mit alleinigem Amphetaminkonsum verbunden. Es gibt keine Hinweise, dass therapeutische Dosen Gehirnzellen schädigen. Hohe parenterale Dosen verursachten in Tierversuchen Veränderungen an bestimmten dopaminergen Nervenzellen; die Bedeutung hoher Langzeitdosen für Menschen ist unbekannt.
Mit mehreren Medikamenten sind teils lebensgefährliche Wechselwirkungen bekannt, besonders mit Monoaminooxidase-Hemmern. Mögliche Folgen sind psychotische Symptome, hypertensive Krisen und ein Serotonin-Syndrom.
Nichtmedizinischer Gebrauch und Herstellung
Beim Freizeitkonsum wird Amphetamin als Pulver, als in Papier eingewickelte „Bombe“ oder seltener als Pille verwendet. Es wird meist durch die Nase aufgenommen, möglich sind auch orale, parenterale und rektale Einnahme. Oral beträgt die Bioverfügbarkeit etwa 75 %. Die Wirkung setzt hierbei langsamer ein, hält aber länger an. Amphetamin kann anders als Methamphetamin nicht geraucht werden, weil sich das enthaltene Amphetaminsulfat vor dem Verdampfen durch Pyrolyse zersetzt.
Illegal als Speed angebotenes weiß-gelbliches oder rosafarbenes Pulver enthält oft nur teilweise Amphetamin. Häufige Beimengungen sind Coffein, Glucose oder Milchzucker; auch andere psychoaktive Stoffe können enthalten sein. Wegen des unbekannten Amphetaminanteils besteht ein Risiko für Überdosierungen und Unverträglichkeiten. Drugchecking kann zur Risikominderung beitragen. In der Techno-Szene wird Amphetamin unter anderem konsumiert, um länger wach zu bleiben oder zu tanzen. Beim Nachlassen der Wirkung können Nervosität und Abgespanntheit auftreten.
Industriell wird Amphetamin meist aus 1-Phenyl-2-propanon und Ammoniak mit anschließender Reduktion hergestellt; dabei entsteht racemisches (RS)-Amphetamin. In Blut, Serum, Plasma, Haaren, Urin, Speichel und Abwasser kann es nach Probenvorbereitung mittels Gaschromatographie oder HPLC jeweils in Verbindung mit Massenspektrometrie zuverlässig nachgewiesen werden. Enzymimmunoassays dienen als Screeningtests, sollten forensisch aber durch spezifischere Verfahren ergänzt werden.
Illegale Produktion erfolgt über unterschiedliche Synthesewege und kann erhebliche Umweltprobleme verursachen: Pro Kilogramm Amphetamin entstehen je nach Route 5 bis 20 Liter Abfall. Doping mit Amphetaminen ist seit den 1930er Jahren verbreitet. Die WADA verbietet Amphetamine mit Stand 2025 im Wettkampf, nicht jedoch während der Trainingszeit.
Rechtsstatus und Straßenverkehr
In Deutschland sind das Racemat D,L-Amphetamin und Dextroamphetamin in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) als verkehrs- und verschreibungsfähige Betäubungsmittel eingestuft. Levamphetamin steht in Anlage II und ist verkehrs-, aber nicht verschreibungsfähig. Handel und Besitz ohne Rezept oder Genehmigung sind strafbar. Ärzte dürfen für einen Patienten innerhalb von 30 Tagen jeweils 600 mg Amphetamin oder 600 mg Dexamphetamin verschreiben. In begründeten Einzelfällen ist eine Überschreitung mit Kennzeichnung „A“ möglich.
In Österreich gelten Amphetamin, Dexamphetamin und Levamphetamin als Suchtgifte und sind auf Suchtgiftrezepten verschreibungsfähig; Höchstmengen sind dort nicht festgesetzt. In den USA ist Amphetamin in Schedule II des Controlled Substances Act erfasst und für ADHS sowie Narkolepsie zugelassen.
In Deutschland ist das Führen eines Kraftfahrzeugs grundsätzlich als Ordnungswidrigkeit verfolgbar, wenn der Grenzwert von 25 ng/ml Amphetamin im Blut überschritten wird. Für Ersttäter werden regelmäßig 500 bis 1000 Euro Geldbuße und ein Fahrverbot von ein bis zwei Monaten festgelegt; außerdem kann die Fahrerlaubnis entzogen werden. Führt Amphetaminkonsum zur Fahruntüchtigkeit, ist das Führen eines Fahrzeugs nach § 316 StGB strafbar und kann Geld- oder Freiheitsstrafe sowie den sofortigen Entzug der Fahrerlaubnis nach sich ziehen.