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Allgäuer Haufen
Der Allgäuer Haufen war ein Zusammenschluss von Bauern und Handwerkern im deutschen Bauernkrieg von 1524/25 im mittleren und nördlichen Allgäu.
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Überblick und Ursachen
Der Allgäuer Haufen war ein Zusammenschluss von Bauern und Handwerkern im Deutschen Bauernkrieg von 1524/25 im mittleren und nördlichen Allgäu. Er gehörte mit dem Baltringer Haufen und dem Seehaufen zu den Gründungsmitgliedern der Christlichen Vereinigung. Bedeutend ist er als Teil der bäuerlichen Bewegung gegen die Herrschafts- und Lastenverhältnisse, besonders im Gebiet des Stifts Kempten.
Die Vorgeschichte ist eng mit dem Stift Kempten verbunden. Eine Missernte verursachte 1491 eine schwere Hungersnot. Am 15. November 1491 versammelte sich das gemeine Volk unter Jörg Hug aus Untrasried vor dem Stift. Zugleich hatte sich die rechtliche Stellung vieler Bauern verschlechtert: Hohe Steuerlasten führten oft zur Leibeigenschaft. Die Geistlichkeit rief den Schwäbischen Bund zu Hilfe; dessen Truppen drohten den Bauern und verlangten Gehorsam. Verbesserungen ergaben sich nicht.
Die Bauern wandten sich selbst an den Schwäbischen Bund und schickten Boten zu Kaiser Maximilian I. nach Wien. Heinrich Schmid aus Leubas verschwand dabei spurlos; unter den Bauern bestand das Gerücht, der Schwäbische Bund habe ihn beseitigen lassen. Der zweite Bote erreichte Wien, blieb aber erfolglos. Der Schwäbische Bund vertrieb die Bauern schließlich mit Gewalt. Abt Johann von Riedheim ließ danach Burg Liebenthann befestigen und dort ein großes Waffenlager anlegen.
Eine wichtige Belastung war das Erbrecht des Fürststifts: Starben Eigenleute, wurde die Hälfte ihres Besitzes eingezogen. Dadurch verarmte die Familie Schmid. Jörg Schmid, Heinrich Schmids Sohn, wurde Bleicherknecht in Kempten, erschien auch in Gefängnislisten und musste Urfehde schwören, also geloben, nach einer Haft keine Rache zu nehmen. 1523 starb der Abt während einer Pestepidemie.
Zusammenschluss und Forderungen
Sebastian von Breitenstein war von 1523 bis 1536 Fürstabt. Bei Amtsantritt war er 59 Jahre alt und erst wenige Monate zuvor zum Priester geweiht worden. Er vermied eine gemeinsame Huldigung durch die Untertanen seiner 17 Pfarreien und ließ sich stattdessen in jeder Pfarrei einzeln huldigen; überall traf er auf Widerstand. Er versprach, die Landschaft des Stifts an Lichtmeß 1524 einzuberufen, hielt dies aber nicht ein. In den folgenden eineinhalb Jahren kamen zwölf Verhandlungen zustande, deren Kosten von insgesamt 4000 Gulden die Bauern tragen mussten.
Die 13. Versammlung fand am 9. Januar 1525 in Obergünzburg statt. Die Bauern verlangten die Wiederherstellung der auf eine niedrigere Stufe gedrückten Freien und Zinser, also Personen mit Abgaben- oder Pachtpflichten. Sie übergaben ein Buch mit 1200 Namen ehemals freier Zinser und Zinserinnen. Auch diese Verhandlung blieb ohne Erfolg.
Am 23. Januar 1525 versammelten sich Bauern der gesamten Landschaft unter Jörg Schmid vor Kempten in Leubas. Sein Verbündeter wurde Jörg Täuber aus Heising. Die Versammlung beschloss einstimmig, beim Schwäbischen Bund Klage einzureichen. Schmid übergab Walter Hürnheim, dem Bundeshauptmann in Ulm, eine notariell verfasste Protest- und Klageurkunde und holte anschließend bei Jakob Hünninger in Tübingen Rechtsauskünfte ein.
Im Mittelpunkt stand die Forderung nach dem „alten Recht“. Hinzu kam die Vorstellung eines „göttlichen Rechts“, das unmittelbar von Gott komme und den Menschen zum Menschen mache; die Bauern glaubten, es in der Bibel zu finden. Der Text nennt John Wyclif als frühen Vertreter dieses Gedankens und den in Memmingen wirkenden Reformator Christoph Schappeler als dessen Verbreiter. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass das Evangelium keine neue Weltordnung ankündige und Paulus die Sklaverei nicht verneine; die Freiheit des getauften Christen sei demnach vor allem Freiheit von Sünde.
Am 14. Februar 1525 beschlossen Untertanen des Fürststifts in Sonthofen, das göttliche Recht gegen Geistlichkeit, Schwäbischen Bund und den Kaiser in Wien durchzusetzen. Der Allgäuer Haufen umfasste zwischen 7000 und 9000 Mann und wurde durch Landsknechte verstärkt. Am 20. Februar rief Bartholme Frey Jörg Schmid aus Tübingen zurück: Man brauche kein Recht mehr.
Christliche Vereinigung und militärischer Konflikt
Am 6. März 1525 trafen sich in Memmingen mehr als 50 Bauernführer des Baltringer Haufens, Seehaufens und Allgäuer Haufens und gründeten die Christliche Vereinigung. Sebastian Lotzer wurde ihr Schriftführer. Am 20. März erklärten die Abgesandten die Zwölf Artikel und die Bundesordnung. Der Allgäuer Haufen bildete bereits am 4. März in Kempten einen Ausschuss und wählte Walther Bach von Oy zum Führer und Hauptmann. Bach hatte in Frundsbergs Armee gedient und kannte die neue Kriegstaktik.
Der Schwäbische Bund deutete die Treffen als Aufstand. Kanzler Leonhard von Eck nannte sie ein vom Teufel angefachtes Schadenfeuer, das mit Gewalt zu unterdrücken sei. Georg Truchseß von Waldburg unterstützte diese Haltung. Er besiegte am 4. April 1525 den Baltringer Haufen; in der Schlacht bei Leipheim starben über 1000 Bauern. Der Bund warb außerdem die aus Norditalien heimkehrenden Landsknechte unter Frundsberg an und forderte die Bauern zur Waffenabgabe auf.
Als die Niederlage der Baltringer noch nicht bekannt war, belagerte der Allgäuer Haufen am Karfreitag, dem 2. April 1525, Burg Liebenthann. Er sperrte die Zufahrten und grub das Wasser ab. Gleichzeitig plünderte eine weitere Gruppe das Fürststift Kempten. Am 4. April wurden Burg Wolkenberg sowie später Burgen und Schlösser in Hohentann, Unterthingau und Schwabelsberg bei Kempten geplündert. Am 9. April ergab sich der Fürstabt vor dem vermittelnden Kemptner Rat. Jörg Schmid erhielt aus dem Burgschatz 300 Gulden, zwei Pferde und Bettzeug.
Der erbeutete Schatz wurde auf etwa 60.000 Gulden geschätzt. Er umfasste Bargeld, Monstranzen, Silbergeschirr, Reliquienschreine und weiteres Kirchengerät, außerdem Salz, Mehl, Getreide, Wein, 33 Bettstellen, 60 Stückbüchsen, 6 Halbschlangen und Bestände des Stiftarchivs. Die Güter wurden unter 140 Pfarrgemeinden verteilt; der Abtstab wurde für 50 Gulden verkauft. Auch Angelberg, Schloss Mattsies und Schloss Imrazhofen wurden geplündert.
Innere Konflikte schwächten den Haufen. Jörg Schmid empfahl am 2. Mai auf der Schweigwiese bei Durach, dem Vertrag mit dem Seehaufen nicht beizutreten. Am 10. Mai verlor Walther Bach von Oy sein Amt, wurde seiner Landsknechtuniform beraubt und in Bauernkleidung gesteckt. Paulin Probst von Ettwiesen wurde neuer Heerführer. Nachdem Waldburg Aufstände in Oberschwaben und Franken niedergeschlagen hatte, erhielt er zusätzliche Truppen: Am 3. Juni zog Georg von Frundsberg nach Füssen ein, und 3000 kampferprobte Landsknechte standen zusätzlich gegen die Bauern bereit. Am 11. Juli traf Waldburg mit 6000 Landsknechten und 1500 Reitern in Wolfertschwenden auf 3000 bewaffnete Bauern.
Niederlage, Folgen und Erinnerung
Am Abend des 11. Juli kam es bei Schrattenbach zu einem ersten Gefecht. Frundsberg bot noch Vermittlung an; auch Erzherzog Ferdinand setzte sich beim Schwäbischen Bund ein. Waldburg befürchtete einen Rückzug der Bauern ins Hochgebirge und wollte in diesem Fall Frauen und Kinder zu ihnen schicken sowie ihre Häuser und Höfe niederbrennen lassen. Der Seehaufen verweigerte Hilfe, weil er den Weingartner Vertrag nicht brechen wollte. Auch Pfrontner und Obergünzburger Haufen unterstützten den Allgäuer Haufen nicht.
Die Bauern besetzten eine nach drei Seiten gesicherte Stellung auf einem Hügel. Insgesamt versammelten sich 23.000 Mann, doch es fehlten Verpflegung und Munition. Schlechte Disziplin und geringe Gefechtserfahrung ließen ihren Überraschungsangriff auf den Truchsess scheitern. Frundsberg verhandelte erneut mit Walther Bach von Oy und bot ihm Geld für die Räumung der Stellung. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli räumte Bach die Stellung und rettete damit Tausenden Bauern das Leben. Mit etwa 9000 Mann zog er auf den Kohlenberg bei Sulzberg; das einzige Geschütz blieb zurück.
Waldburg ließ Leubas, Ursulasried, Leupolz und Betzigau niederbrennen; insgesamt wurden 200 Bauernanwesen zerstört. Die Bauern kapitulierten schließlich, ließen Jörg Schmid zurück und ergaben sich auf Gnade oder Ungnade. 70 Rädelsführer wurden in der Kirche von Durach eingesperrt, 18 sofort enthauptet. Schmid floh nach Rankweil in Vorarlberg, wurde verraten, gefangen genommen, in Bludenz verhört und gefoltert. Der Schwäbische Bund stellte ihm 30, der Kempter Fürstabt 57 Fragen. Zwar wurde ein Todesurteil gesprochen, Erzherzog Ferdinand akzeptierte es zunächst nicht.
Der Schwäbische Bund verlangte dennoch die Hinrichtung von 17 Rädelsführern. Sie wurden nach Bregenz gebracht und im Stadtmauerturm eingekerkert. In der Nacht zum 20. Januar 1526 flohen alle bis auf Jörg Schmid und seinen engsten Vertrauten Conz Wirt. Beide wurden am 21. Januar 1526 zwischen Bregenz und Lochau an einer Eiche gehängt.
Zum 500. Jubiläum des Bauernkriegs wurden 2025 im Allgäu 13 Stelen errichtet. Sie erinnern im Projekt „Freiheit braucht Courage – 500 Jahre Bauernkrieg“, das unter anderem vom Allgäuer Heimatbund e. V. initiiert wurde, an Ereignisse und Aktionen des Allgäuer Haufens.