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Aischa bint Abi Bakr
Abu Bakr stammte wie Mohammed aus dem damals vorherrschenden Stamm der Quraisch. In islamischen Schriften wird ihr Name oft mit dem Zusatz „Mutter der Gläubigen …
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Person und Bedeutung
Aischa bint Abi Bakr (arabisch ʿĀʾiša bint Abī Bakr; * 613 oder 614; † 678 in Medina) war die dritte und jüngste der zehn Frauen des islamischen Propheten Mohammed. Sie war die Tochter des Geschäftsmanns und späteren Kalifen Abu Bakr und dessen Frau Umm Ruman. Abu Bakr gehörte wie Mohammed zum damals vorherrschenden Stamm der Quraisch. In islamischen Schriften wird Aischa häufig „Mutter der Gläubigen“ (umm al-muʾminīn) genannt. Sie wurde als Mohammeds Lieblingsfrau bekannt. Ihre Bedeutung beruht sowohl auf ihrer Stellung als Ehefrau des Propheten als auch auf ihrer späteren Rolle als Übermittlerin religiösen Wissens und als politische Akteurin.
Ehe mit Mohammed
Im islamischen Schrifttum wird Aischas Alter bei der Eheschließung mehrheitlich mit sechs oder sieben Jahren und beim Vollzug der Ehe mit neun oder zehn Jahren angegeben. Muhammad ibn Saʿd († 845 in Bagdad) überliefert eine Aischa zugeschriebene Aussage: Die Eheschließung habe im Monat Schawwal des zehnten Jahres der Prophetie, drei Jahre vor der Auswanderung, stattgefunden; der Vollzug der Ehe sei erfolgt, als sie neun Jahre alt gewesen sei.
Davon abweichend nennt das biographische Lexikon Ibn Challikāns ein Alter von neun Jahren bei der Ehe und zwölf Jahren beim Vollzug. Ein Bericht in Ibn Saʿds Klassenbuch stützt diese Darstellung. Die Angaben sind somit nicht einheitlich. Nach Asma Afsaruddin waren Kinderehen zur Zeit Mohammeds nicht unüblich. Die Verbindung stellte insbesondere auch einen politischen Bund mit Aischas Vater Abu Bakr dar.
Denise Spellberg betont, dass Aischas frühes Heiratsalter und die damit in der sunnitisch-islamischen Geschichtsschreibung als unumstritten geltende Jungfräulichkeit ihre Stellung gegenüber Mohammeds anderen Ehefrauen hervorhoben. Zugleich festigte dies die Stellung Abu Bakrs als erstem Kalifen.
Der Verleumdungsvorwurf
Der sogenannte Verleumdungsbericht, arabisch Chabar al-ifk oder Hadīth al-ifk, nimmt in der arabischen Überlieferung über Aischa breiten Raum ein. Aischa wurde darin der Unzucht beschuldigt, nach der Überlieferung aber durch eine Offenbarung in Sure 24:11–20 entlastet. Der Bericht ist in vielen unterschiedlichen Versionen erhalten.
Nach der Version Ibn Ishāqs begleitete Aischa Mohammed beim Feldzug gegen die Banū l-Mustaliq im Januar 627 in einer Kamelsänfte. Bei einem nächtlichen Halt nahe Medina verlor sie beim Gang zur Verrichtung ihres Bedürfnisses ihre Halskette. Während sie danach suchte, zog das Heer bereits weiter. Die Träger luden ihre leere Sänfte auf, ohne ihr Fehlen zu bemerken. Safwān ibn al-Muʿattal fand Aischa, setzte sie auf sein Kamel und führte das Tier selbst nach Medina. Zu dieser Zeit war der Schleier noch keine Vorschrift.
In Medina entstand daraufhin die Verleumdungskampagne. Aischa erfuhr wegen einer Erkrankung zunächst nichts davon und wunderte sich nur über Mohammeds Gleichgültigkeit. Erst mehr als zwanzig Tage später wurde sie bei ihren Eltern über den Vorwurf informiert. Als Beteiligte werden unter anderen ʿAbdallāh ibn Ubayy, Führer der Banu Chazradsch, und Aischas Verwandter Mistah ibn Uthātha genannt. Mohammed beriet sich mit Ali und Usāma ibn Zaid und befragte Aischas Dienerin Barīra. Aischa beteuerte ihre Unschuld. Nach der Offenbarung von Sure 24:11–20 bestätigte Mohammed diese in einer Chutba, also einer Ansprache, und ordnete Körperstrafen für die Verleumder an.
Eifersucht und politische Rolle
Über Aischas Eifersucht auf Mohammeds andere Ehefrauen berichten moderne arabische Werke und Anekdoten aus der Sīra, der Überlieferung über Mohammeds Leben. Nach einer von Ibn Ishāq angeführten Anekdote litt Aischa kurz vor Mohammeds Tod an starken Kopfschmerzen. Als Mohammed sagte, er könne sie bei einem früheren Tod selbst in ein Leichentuch hüllen, das Totengebet sprechen und sie begraben, erwiderte sie, sie sehe ihn danach in ihrem Zimmer mit einer seiner anderen Frauen Hochzeit feiern.
Während der Kalifate ihres Vaters und dessen Nachfolgers hielt Aischa sich weitgehend aus der Politik heraus. Gegen den dritten Kalifen Uthman unterstützte sie jedoch die Aufrührer. Zugleich lehnte sie ein Kalifat unter Ali ab. Nach Uthmans Ermordung unterstützte sie 656 gemeinsam mit Talha ibn ʿUbaidallāh und Abdallah ibn az-Zubair einen Aufruhr gegen den vierten Kalifen Ali. Ali schlug diesen Aufstand in der Kamelschlacht bei Basra nieder und nahm Aischa gefangen. Später begnadigte er sie und ließ sie nach Medina bringen. Dort lebte sie bis zu ihrem Tod 678. Kurz zuvor soll sie beschlossen haben, neben Mohammeds anderen Frauen beigesetzt zu werden.
Übermittlung religiösen Wissens
In der Hadith-Literatur gilt Aischa als bedeutende Tradentin, also als Übermittlerin religiöser Berichte. Mehr als 1.200 Hadithe werden auf sie zurückgeführt. In vielen dieser Berichte widerspricht sie Behauptungen anderer Personen über angebliche religiöse Verbote oder Gebote. Als Gegenargument verweist sie jeweils auf eine Handlungsweise Mohammeds.