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Ahrtal
Ahrtal (Rheinland-Pfalz) Höhe 300 bis 180 m ü. Hochwasser erneut schwer getroffen, ein Großteil öffentlicher und privater Infrastruktur zerstört.
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und Bedeutung
Das Ahrtal ist das Tal der Ahr, eines linken Nebenflusses des Rheins, im Ahrgebirge. Es ist 85 km lang und liegt etwa zwischen 300 und 180 m ü. NHN. Es beginnt an der Ahrquelle bei Blankenheim im nordrhein-westfälischen Kreis Euskirchen und verläuft überwiegend nach Osten. Nach dem Erreichen von Rheinland-Pfalz führt die Ahr über das Gebiet von Adenau und Altenahr, durch Bad Neuenahr-Ahrweiler und mündet südlich von Remagen auf dem Gebiet der Stadt Sinzig in den Rhein.
Im touristischen Sinn wird besonders der Abschnitt ab Altenahr als Ahrtal bezeichnet. Kennzeichnend sind Weinbau an meist am Nordufer gelegenen Südhängen sowie eine Felslandschaft: Der Fluss hat sich rund 300 m tief in das Ahrgebirge eingeschnitten. Das Tal war mehrfach von Hochwasser betroffen, unter anderem am 21. Juli 1804, 24. Juni 1888, 12./13. Juni 1910, 16. Januar 1918 und 11. Januar 1920. Beim Dauerregen und Hochwasser vom 14. auf den 15. Juli 2021 wurden Orte sowie öffentliche und private Infrastruktur schwer zerstört. Sieben Brücken und 20 km der 29 km langen Ahrtalbahn wurden unbefahrbar; 134 Menschen starben, mehr als die Hälfte davon in Bad Neuenahr-Ahrweiler. In einer Befragung nach der Katastrophe erklärten 80 % der Befragten, nicht gewusst zu haben, in einem hochwassergefährdeten Gebiet zu wohnen.
Oberes Ahrtal
Von der Quelle an verläuft das Tal durch hügeliges Bergland mit Wiesen, Wäldern sowie einzelnen Weilern und Hofschaften. Zunächst begleitet die Bundesstraße B 258 das Tal. Zu Blankenheim gehören die ersten größeren Orte Ahrhütte und Ahrdorf. Danach verengt sich das Tal und erreicht seinen südlichsten Punkt; dort verlässt es Nordrhein-Westfalen. Dorsel ist der erste rheinland-pfälzische Ort und liegt oberhalb des Tals.
In Müsch verlässt die B 258 das Ahrtal, während die Landesstraße L 73 den noch kleinen Fluss begleitet. Das Tal verläuft von Müsch über Antweiler bis Fuchshofen fast nach Norden. Ab Schuld führt es über Insul bis Dümpelfeld ziemlich genau ostwärts; dort begleitet die B 257 die Ahr. Am Zusammenfluss mit dem von Süden zufließenden Adenauer Bach wendet sich die Ahr nach Nordosten, verlässt die Verbandsgemeinde Adenau und erreicht bei Liers, einem Ortsteil von Hönningen, die Verbandsgemeinde Altenahr im Gebiet der Mittelahr.
Mittleres Ahrtal und Weinlandschaft
Von Hönningen über Ahrbrück, Pützfeld, Kreuzberg, Altenburg bis Altenahr verläuft das Tal zunächst gestreckt nach Nordosten. Ab Ahrbrück folgen sowohl die B 257 als auch die Ahrtalbahn dem Tal. Bei Altenahr knickt die Ahr nach Osten ab und bildet zunächst außergewöhnlich viele Schleifen. Die B 267 begleitet den Fluss, folgt aber nicht jeder Schleife. Die größte Ahrschleife beginnt in Altenahr und steht wegen ihrer Flora und Fauna unter Naturschutz.
Ab Altenahr ist das Tal schluchtartig: Steile Felshänge sind in das Ahrgebirge eingeschnitten. Ab Reimerzhoven wird vor allem auf der Nordseite des Flusses, also an den nach Süden gerichteten Hängen, großflächig Wein angebaut. Bei Laach durchfließt die Ahr eine weitere Talschlinge. Danach folgen die Weinorte Mayschoß, Rech, Dernau und Marienthal, bevor die Ahr das Stadtgebiet von Bad Neuenahr-Ahrweiler erreicht. Die letzte Engstelle liegt unterhalb der Bunten Kuh, einer Felsformation, die fast bis an den Fluss reicht und Straße und Bahn wenig Raum lässt. In Walporzheim beginnt mit der plötzlich breiten Talsohle das untere Ahrtal.
Unteres Ahrtal und Landwirtschaft
Auch das untere Ahrtal ist vom Weinbau geprägt. Die Ahr berührt die Ortskerne von Ahrweiler, Bad Neuenahr, Heppingen und Heimersheim; in Ehlingen endet der Weinbau. Zwischen Bad Bodendorf am nördlichen Talrand und Sinzig auf einer Talterrasse im Süden prägen Ackerbau sowie Obst- und Gemüseanbau die Talsohle.
Die Ahr mündet bei Kripp in der Ebene Goldene Meile. Dieser Mündungsbereich hat wieder einen nahezu natürlichen Charakter und steht unter Naturschutz.
Wirtschaft, Kultur und Freizeit
Der Weinanbau ist die wichtigste Bekanntheit des Ahrtals. Für den Tourismus sind die Weinfeste von Anfang September bis Ende Oktober bedeutend, besonders in Altenahr, Mayschoß, Rech, Dernau, Walporzheim, Ahrweiler und Heimersheim. Mineralwasser aus dem Gebiet und aus der weiter südlich liegenden Vulkaneifel ist ebenfalls bekannt. Eisenhaltige Quellen, etwa die Apollinarisquelle, machten Bad Neuenahr zur Kurstadt. Der Tourismus wächst seit Jahren; besonders profitieren das mittlere Ahrtal zwischen Altenahr und Bad Neuenahr-Ahrweiler und, in geringerem Umfang, das Quellgebiet bei Blankenheim. Bad Neuenahr-Ahrweiler gehört zu den drei übernachtungsstärksten Urlaubsorten in Rheinland-Pfalz. Dernau zeigt beispielhaft den Wandel vom Winzerdorf zum nationalen Urlaubsziel.
Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die Römervilla von Bad Neuenahr-Ahrweiler, eine Ausgrabung römischer Siedlungsreste direkt am Rotweinwanderweg, und die Ahrtalbrücke der A 61 bei Bad Neuenahr. Die 1975 fertiggestellte Spannbetonbrücke ist insgesamt 1,5 km lang und hat 50 m hohe Betonpfeiler. Unter den Weinbergen bei Marienthal lag von 1962 an der Regierungsbunker, der im Kalten Krieg als Standort zentraler Bundesorgane im Verteidigungsfall vorgesehen war. Die Anlage erstreckte sich von Dernau bis Bad Neuenahr-Ahrweiler, wurde weitgehend zurückgebaut und im März 2008 als Dokumentationsstätte des Kalten Krieges erstmals öffentlich zugänglich.
Wanderwege sind der Ahrsteig mit zwei blauen und roten Teilabschnitten sowie sechs Etappen, der Rotweinwanderweg von Altenahr über Bad Neuenahr bis Bad Bodendorf, der Ahr-Uferweg und der Weinbaulehrpfad. Der Ahrsteig trägt die Auszeichnung „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“. Für Radfahrer gibt es den Ahr-Radweg.
Verkehr und Erreichbarkeit
Die Ahrtalbahn führt von Remagen zunächst zweigleisig und ab Walporzheim eingleisig nach Ahrbrück. Der frühere Abschnitt weiter nach Adenau ist seit 1985 stillgelegt und abgebaut. Bis 1973 bestand über die Linie Dümpelfeld–Lissendorf außerdem eine Verbindung zur Eifelstrecke.
Das Ahrtal ist über die Autobahnen 61 und 565 sowie über die B 257 erreichbar. In Altenahr trifft die B 257 auf die B 267, die durch das Ahrtal führt. Der Ahr-Radweg verläuft etwa 80 km von der Ahr-Mündung in Remagen-Kripp meist entlang der Ahr bis Blankenheim in der Eifel. Dort bestehen Anschlüsse an den Urft-Radweg in Richtung Rursee und an den Erft-Radweg nach Neuss.