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Ah! Ça ira
Ça ira (franz. wörtlich: ‚das wird gehen', sinngemäß: ‚wir schaffen das!') ist der Titel und zugleich der einprägsame Refrain eines der bekanntesten Kampflieder …
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Revolutionslied und Grundidee
Ah! Ça ira (wörtlich „das wird gehen“, sinngemäß „wir schaffen das!“) ist ein bekanntes Kampflied der Französischen Revolution. Der Titel ist zugleich sein einprägsamer Refrain. Es entstand im Mai 1790 und wurde besonders beim Föderationsfest am 14. Juli 1790 häufig gesungen.
Das Lied wurde schnell zu einem musikalischen Ausdruck revolutionärer Kampfbereitschaft. Es richtete sich vor allem gegen Aristokratie, Klerus und Adel. Es gibt mehrere Textfassungen: Sie behalten das wiederkehrende „Ça ira“ bei, unterscheiden sich aber in Einzelheiten und im politischen Ton. Musikalisch beruht das Lied auf dem damals populären Kontratanz Le Carillon national. Die eingängige Melodie erleichterte seine Verbreitung.
Die frühe Fassung vermittelt vor allem Zuversicht für die Revolution. Spätere Fassungen wurden während ihrer Radikalisierung schärfer und teilweise gewaltsam; sie forderten einen kompromisslosen Kampf gegen die „Feinde des Volkes“.
Frühe Fassung
Die erste weithin verbreitete Fassung wird dem Straßensänger Ladre zugeschrieben. Die Redewendung „Ça ira“ soll auf Benjamin Franklin zurückgehen, der sich damals in Frankreich aufhielt und damit seine Prognose zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ausdrückte. Während der Vorbereitungen zum Föderationsfest wurde das Lied unter Revolutionsteilnehmern bekannt. Im späteren Verlauf der Revolution verlor es mit dem wachsenden Gewicht der Marseillaise an Bedeutung.
Der Refrain lautet: „Ah! ça ira, ça ira, ça ira“. Im Text wiederholt das Volk, dass trotz der „mutins“ (Aufrührer) alles gelingen werde. Er verbindet revolutionäre Forderungen mit Optimismus: Fanatismus solle enden, die Menschen sollten dem Gesetz folgen, und das Richtige solle vom Falschen unterschieden werden. Aristokraten und Klerus werden kritisiert; der Klerus soll seinen Reichtum zugunsten der Nation verlieren. Lafayette erscheint als umsichtige Figur, durch die sich alle beruhigen sollten. Zugleich wird ein bewaffnetes, wachsames Volk beschrieben, das gegen Unlauteres sprechen und im Krieg kämpfen werde.
Radikale Sansculottenfassung
Während der Terrorherrschaft sangen Sansculotten eine ausdrücklich radikalere Fassung. Ihr zentraler Ruf lautet: „Les aristocrates à la lanterne!“ und „Les aristocrates on les pendra!“; in der deutschen Übersetzung: „Die Adeligen an die Laterne!“ und „Die Adeligen werden wir erhängen!“.
Diese Version stellt den gewaltsamen Umgang mit Aristokraten offen in den Mittelpunkt. Sie verkündet außerdem, der Despotismus werde untergehen und die Freiheit triumphieren. Adelige und Priester seien nicht mehr vorhanden, während die Gleichheit überall herrschen werde. Damit zeigt sie den Wandel vom eher zuversichtlichen und gesetzesbezogenen Ton der frühen Fassung zu einer Gewalt- und Feindbildsprache.
Aufnahme im deutschen Sprachraum
Wegen der großen Wirkung der Französischen Revolution wurde Ah! Ça ira auch in deutschen Zeitschriften und Zeitungen erwähnt. Das Journal des Luxus und der Moden berichtete 1790 über seine Entwicklung vom Lied des Föderationsfestes zu einem allgemeinen politischen und nationalen Volkslied. Es nannte das Lied sogar „unser Volkslied“. Zugleich betonte der Bericht, dass der Text häufig willkürlich verändert worden sei und es deshalb viele Varianten gebe.
Als Beispiel schilderte das Journal einen Vorfall in Chalon sur Saone: Ein republikanischer Schuster sang das Lied in einer Trinkhalle, worauf ein Aristokrat ihn beim Bürgermeister verklagte. Nach dem öffentlichen Vorwurf des Bürgermeisters versammelte sich das Volk abends vor dessen Haus und dem Haus des Klägers und sang laut Ah! Ça ira.
Die Bewertungen waren unterschiedlich. Karl Friedrich Häberlin wandte sich 1793 in der Deutschen Monatsschrift gegen den Gewaltaufruf gegen die Obrigkeit, weil dieser seinem Verständnis von Rechtsstaatlichkeit widersprach. Die Bayreuther Zeitung erwähnte das Lied am 16. Juli 1790 im Zusammenhang mit dem Föderationsfest. 1804 hieß es in der Allgemeinen Literatur-Zeitung, die berühmten Volkslieder, darunter Ah! Ça ira, höre man noch in London, aber nicht mehr in Paris. In einer Kantate Carl Maria von Webers von 1816 stand der Ruf „Ah! ça ira“ für den Übermut des Feindes und diente damit der Abwertung der Revolution.
Spätere Verwendung und musikalische Zitate
Das Lied blieb in späteren Zusammenhängen präsent. Édith Piaf sang es 1954. Der 1985 von der Initiative Sozialistisches Forum in Freiburg im Breisgau gegründete Ça ira Verlag nahm seinen Namen vom Revolutionslied. Auch eine Karikatur aus der Sammlung Carl de Vincks verwendet „Ah, ca ira!“.
Am 26. Juli 2024 spielten die französische Metal-Band Gojira und die Opernsängerin Marina Viotti eine Neuauflage bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris. Die Musiker traten auf Plattformen der Conciergerie auf, die während der Französischen Revolution Gefängnis war; Marie-Antoinette wurde während des Auftritts enthauptet dargestellt. Einige Christen bezeichneten den Auftritt als „satanisch“. Sänger Joe Duplantier wies dies zurück und erklärte, es gehe um französische Geschichte und französischen Charme. Das Stück erhielt bei den Grammy Awards 2025 die Auszeichnung Best Metal Performance.
Musikalische Zitate des Liedes finden sich unter anderem bei Friedrich Witt in der Symphonie A-dur, bei Umberto Giordano in der Ouvertüre zu Andrea Chénier (1896) und bei Nikolai Mjaskowski in der Symphonie Nr. 6 c-Moll op. 23.