Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Aeroarctic
Durch die Arktisfahrt von LZ 127 „Graf Zeppelin“ wurde die Kenntnis über die Geographie der überflogenen Polargebiete wesentlich erweitert. 1937 löste sich …
Inhalt5 Abschnitte
Aufgabe und Bedeutung
Die Aeroarctic war eine nichtstaatliche wissenschaftliche Vereinigung. Ihr voller Name lautete zunächst „Internationale Studiengesellschaft zur Erforschung der Arktis mit dem Luftschiff“, ab 1928 „… mit Luftfahrzeugen“. Sie wollte Luftschiffe für die Polarforschung einsetzen.
Die Gesellschaft wurde am 7. Oktober 1924 in Berlin gegründet, mit Fridtjof Nansen als Präsident und Walther Bruns als Generalsekretär. Nach jahrelanger Vorbereitung gelang 1931 mit LZ 127 „Graf Zeppelin“ erstmals eine rein wissenschaftliche Polarexpedition mit einem Luftschiff. Die Fahrt erweiterte die geografischen Kenntnisse über überflogene Arktisgebiete wesentlich. 1937 löste sich die Aeroarctic auf.
Entstehung und internationale Zusammenarbeit
Walther Bruns, früher Luftschiffkommandant im Ersten Weltkrieg, stellte 1919 erste Ideen für einen transpolaren Verkehr mit Luftschiffen vor. Er knüpfte an Hugo Hergesell an, der schon 1907 auf die Möglichkeiten von Luftschiffen für die geografische Erforschung der Polargebiete hingewiesen hatte. Hergesell hatte 1910 mit Ferdinand von Zeppelin Spitzbergen bereist. Die Ergebnisse waren ermutigend: Besonders die sommerliche Arktis schien geeignet, weil während des Polartages nur geringe Temperaturschwankungen beobachtet wurden.
Unter Arthur Berson entstand ein Ausschuss zur Erforschung der Arktis mit dem Luftschiff. Berson und Bruns veröffentlichten 1924 eine Denkschrift über arktische Luftfahrt und Forschung mit Luftschiffen. Zwei Hindernisse bestanden: Die Zeppelinwerft unterstützte das Vorhaben zunächst nicht, und Deutschland war politisch isoliert. Daher musste das Projekt international organisiert werden. Durch Kontakte von Berson und Bruns sowie Nansens Mitwirkung gelang die Gründung der Aeroarctic.
Die Sowjetunion war besonders wichtig, weil für eine geplante arktische Route in den pazifischen Raum ein Stützpunkt auf dem Festland nötig gewesen wäre. Bruns warb dort 1925 für eine regelmäßige Luftschiffroute nach Ostasien. Bei der ersten Generalversammlung 1926 hatte die Gesellschaft 19 Landesgruppen und 193 Mitglieder.
Vorbereitung der Forschungsfahrt
1928 sagte die deutsche Regierung zu, das damals gebaute LZ 127 für zwei Forschungsfahrten bereitzustellen. Die zweite Generalversammlung in Leningrad setzte einen Forschungsrat mit 52 Mitgliedern ein, der die Fahrt wissenschaftlich und technisch vorbereiten sollte. Hugo Eckener, Direktor der Zeppelinwerke, bestätigte die Bereitstellung des Luftschiffs für zwei Fahrten im Jahr 1930.
Zunächst war eine Strecke von Leningrad nach Nome in Alaska und zurück vorgesehen. Bruns und Nansen suchten 1929 in Amerika Unterstützung für einen Ankermast in Nome und verhandelten über Presseberichte. Nansens Tod im Mai 1930 gefährdete die Durchführung. Hinzu kamen Schwierigkeiten bei der Versicherung des Luftschiffs. Erst nach Probefahrten Eckeners nach Spitzbergen und Island wurde ein Vertrag für Fahrten bis zum 82. Breitengrad möglich. Nach einer weiteren Probefahrt nach Moskau im September 1930 wurde Eckener Präsident der Aeroarctic; Rudolf Samoilowitsch übernahm den Vorsitz des Forschungsrates.
Arktisfahrt und Forschungsergebnisse
Die Finanzierung war im Frühjahr 1931 weiterhin unsicher. Ein geplantes pressewirksames Treffen am geografischen Nordpol mit Hubert Wilkins’ Unterseeboot Nautilus kam nicht zustande, weil Wilkins’ Nordpolfahrt scheiterte und der Hearst-Konzern daraufhin vom Vertrag zurücktrat. Die Bild- und Presserechte gingen an den Ullstein Verlag. Der geplante Transarktisflug wurde aus Kosten- und Versicherungsgründen aufgegeben; stattdessen führte die Route in die sowjetische Arktis, nach Franz-Joseph-Land und Sewernaja Semlja.
Die Expedition dauerte vom 24. bis 31. Juli 1931. Neben der Besatzung befanden sich 15 Expeditionsteilnehmer an Bord, darunter der Leiter Rudolf Samoilowitsch, Ludwig Weickmann, Pawel Moltschanow und Lincoln Ellsworth. Von Friedrichshafen flog LZ 127 über Berlin und Leningrad nach Franz-Josef-Land. In der Buchta Tichaja auf der Hooker-Insel traf das Luftschiff den sowjetischen Eisbrecher Malygin; dabei wurde Post zur Finanzierung der Unternehmung ausgetauscht.
Danach führte die Fahrt zur damals noch nicht vollständig kartierten Komsomolez-Insel, entlang der Westküste Sewernaja Semljas zum Kap Tscheljuskin, über das Byrrangagebirge und über Dikson zur Karasee sowie zur Nordspitze Nowaja Semljas. Über Archangelsk, Leningrad und Berlin kehrte das Luftschiff nach Friedrichshafen zurück. Insgesamt legte es etwa 10.600 Kilometer zurück.
Die Fahrt zeigte die Eignung von Luftschiffen als Transportmittel und Forschungsplattform in der Arktis. Sie ergab unter anderem, dass die Albert-Eduard-Insel und die Harmsworth-Insel im Nordwesten Franz-Josef-Lands nicht existieren. Küstenbereiche Sewernaja Semljas wurden photogrammetrisch, also anhand von Luftbildern, vermessen. Erdmagnetische Messungen aus der Luft und der Einsatz von Radiosonden, Messgeräten zur Untersuchung der Atmosphäre, galten als zukunftsweisend.
Auflösung
Auf der dritten Generalversammlung 1931 rechnete die Aeroarctic trotz Weltwirtschaftskrise mit einer weiteren Fahrt von LZ 127 während des zweiten Internationalen Polarjahrs 1932/33. Wegen fehlender Mittel kam sie nicht zustande. Auch für die Veröffentlichung der umfangreichen Forschungsergebnisse fehlte Geld; die Zeitschrift Arktis wurde eingestellt. 1933 erschien jedoch ein 113 Seiten umfassender Sammelband als Ergänzungsheft zu Petermanns Mitteilungen.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zogen sich ausländische Landesverbände zurück. Am 27. Januar 1937 beschloss eine außerordentliche Mitgliederversammlung die Auflösung, weil keine Aussicht bestand, die Forschungsarbeit wieder aufzunehmen.