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Absolute Metapher
Den Begriff absolute Metapher prägte der deutsche Philosoph Hans Blumenberg im Rahmen seiner Mitarbeit an Joachim Ritters Projekt einer Begriffsgeschichte.
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Grundidee der absoluten Metapher
Hans Blumenberg bezeichnet als absolute Metapher den Sonderfall einer Metapher, die sich vom Sachverhalt, den sie zunächst erläutern sollte, verselbstständigt. Sie ist nicht bloß sprachlicher Schmuck oder eine austauschbare Illustration. Vielmehr prägt sie, wie über einen Gegenstand gedacht und gesprochen wird.
„Absolut“ sind Metaphern für Blumenberg, „wenn sie sich gegenüber dem terminologischen Anspruch als resistent erweisen, nicht in Begrifflichkeit aufgelöst werden können.“ Sie lassen sich also nicht vollständig in klare Begriffe zurückübersetzen. Das ist im Rahmen der traditionellen rhetorischen Tropik ein Widerspruch in sich (contradictio in adiecto): Dort gelten Metaphern grundsätzlich als auf anderes bezogene Darstellungsfiguren, die eine Rede ausschmücken, Sachverhalte verdeutlichen oder wissenschaftliche Inhalte illustrieren sollen.
Wirkung auf Theorien und Denken
Eine Metapher kann über den einzelnen Vergleich hinaus die gesamte Theoriebildung zu ihrem Gegenstand beeinflussen oder sogar beherrschen. Blumenberg sucht dies an der Metapher des „Lichtes“ zu zeigen, die für Wahrheitstheorien seit der Antike paradigmatische Bedeutung hatte.
Licht und Dunkelheit stehen dabei zunächst für den metaphysischen Gegensatz von Sein und Nicht-Sein. Seit Augustinus erscheint das Licht außerdem als bewusst reflektierte Metapher für die Bedingungen und Möglichkeiten subjektiver Wahrheit, insbesondere als lumen naturale. Die abendländische Licht-Metaphorik prägte dadurch ein dualistisches, im Kern „logisches“ und „technisches“ Verhältnis zur unmittelbar vorhandenen Natur.
Absolute Metaphern finden sich vor allem im Umfeld von Begriffen ohne unmittelbare sinnliche Anschauung, etwa „Wahrheit“, „Freiheit“, „Staat“ oder „Geschichte“. Im Anschluss an Kant nennt Blumenberg solche Begriffe Ideen. Der exemplarische Fall einer absoluten Metapher ist daher ein anschauliches Bild für etwas, das sich grundsätzlich jeder Veranschaulichung entzieht.
Metaphern als notwendige, aber riskante Orientierung
Absolute Metaphern sind behelfsmäßige Anschauungen für prinzipiell unanschauliche Ideen. Sie können im Einzelfall rational kritisiert werden. Dennoch gehört nach Blumenberg zu jeder Rede über Ideen die Möglichkeit und zumindest anthropologische Notwendigkeit einer „metaphorischen Fremdbestimmung“.
Die Metapher dient als gegenständlicher Platzhalter für eine Idee. Im kantischen Verständnis bezieht sich eine Idee auf die „Totalität möglicher Erfahrung“, nicht auf einen bestimmten „Gegenstand der Erfahrung“. Deshalb kann ihre metaphorische Darstellung nicht vollständig diskursiv eingeholt und niemals ganz „auf den Begriff gebracht“ werden.
Solche Bilder sind für menschliche Weltorientierung zugleich unabdingbar und prekär. Einerseits gibt es eine „Vakanz des Begriffs, die nur von der Imagination erfüllt werden kann“. Primordiale Bilder können sogar in „vordergründiger Unvereinbarkeit“ zueinander stehen und erschließen die Kraft des Denkens. Dessen Quelle liegt für Blumenberg, mit Hegel, Freud und Heidegger, in der Negation: „Es ist das Abtasten der Möglichkeiten, das zur Erzeugung der Negation treibt.“ Andererseits entstehen Gefahren in beide Richtungen: Die Abstraktion von der erkenntnisleitenden Anschauung mystifiziert den Begriff; ein unkritisches Sich-Anheimgeben an Metaphern führt zu naiver, vorrationaler Denkweise. Blumenberg fasst dies als doppelte Hyperbolik: „Der Begriff endet in der Mystik, die Metapher im Mythos“.